Intro
Schuldig oder unschuldig? Das ist die zentrale Frage im Fall Markus Mundo. Hat der mittlerweile 51-Jährige vor bald 13 Jahren wirklich seinen Vater und seinen Bruder ermordet? Die deutsche Staatsanwaltschaft ist sich darüber sicher. Doch dieser Kriminalfall ist anders als die meisten. Zwei Staaten ermitteln im gleichen Fall und kommen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Wer sagt hier die Wahrheit? Und wer lügt? Werft mit mir einen Blick auf die verschiedenen Indizien und macht euch euer eigenes Bild.
Ein grausamer Fund
(Bevor wir mit dem Video anfangen, möchte ich darauf hinweisen, dass der NDR eine dreiteilige Dokumentation zu diesem Fall auf YouTube veröffentlicht hat. Einige der Zitate, die ich in diesem Video verwenden werde, stammen aus dieser Doku. Falls euch der Fall also interessiert und ihr die Interviews der Beteiligten dazu sehen möchtet, schaut gerne einmal dort vorbei.) Am 25. November 2010 werden zwei männliche Leichen in Südfrankreich gefunden. Zwischen den Fundorten liegen mehrere Kilometer, aber es ist direkt ein Muster zu erkennen. Beide Männer wurden mit Kopfschüssen getötet und anschließend in Teppiche und Müllsäcke gewickelt. Die Opfer lassen sich kurz darauf als Dieter und Heiko Mundo identifizieren. Vater und Sohn. Neben den Umständen ihres Todes gibt es mit ihrem Verwandtschaftsgrad somit noch eine weitere Verbindung. Dieter hatte man in Millas am Rande eines Feldweges gefunden, sein blinder Sohn Heiko lag einige Kilometer entfernt an einem Waldweg. Dieter und Heiko stammen aus Deutschland. Und dort finden die Ermittler Monate später ihren ersten und einzigen Verdächtigen. Markus Mundo. Dieters Sohn, und somit Bruder von Heiko, soll seine Familie aus Habgier ausgelöscht haben. Doch Markus selbst besteht vehement darauf, mit der Tat nichts zu tun zu haben.
Markus wird am 13. August 1971 geboren und lebt von da an mit seinen Eltern und seinem Bruder in Kelkheim in Essen. Die Familienverhältnisse sind gut. Markus selbst berichtet von der Vorliebe seines Vaters für Radsport. Schon früh führte er seine Kinder an sein Hobby heran und bald darauf machte die Familie regelmäßig Radtouren. Heiko, der blind geboren wurde, fährt dabei immer zusammen mit seinem Vater auf einem Tandem. Die gemeinsamen Ausflüge werden zur Tradition und schweißen die Familie näher aneinander.
Markus gelingt es schließlich, das Hobby, welches schnell auch zu seinem eigenen wurde, zum Beruf zu machen. Mit 25 Jahren beginnt er im Mountainbike-Tourismus zu arbeiten. Das Verhältnis zu seinem Vater war laut Markus’ Aussage immer gut. Er sei ein netter, aber wenig kommunikativer Kerl gewesen. Am 11. November 2010 wird Dieter das letzte Mal lebend in Kelkheim gesehen. Sein Sohn Heiko am 14. November. Elf Tage später werden ihre Leichen in Südfrankreich gefunden.
Zunächst ermitteln nur die französischen Behörden. Erst fünf Monate nach dem Verschwinden der beiden Männer wird in Deutschland das Ermittlungsverfahren aufgenommen. Daher sind nur die französischen Ermittler unmittelbar nach dem Fund am Tatort gewesen, um dort die Spuren aufzunehmen. Am 07. Juni 2011 wird Markus das erste Mal von der Polizei befragt. Er hatte seinen Vater und seinen Bruder nie als vermisst gemeldet und auch die Polizei hatte keinen Anlass dazu gesehen, den Fall als Vermisstenfall aufzunehmen. Die beiden Männer waren schließlich erwachsen und konnten hingehen, wo auch immer sie wollten. Doch, als nun klar ist, dass die beiden getötet wurden, wird Markus natürlich zu ihrem Verschwinden befragt.
Er sagt aus, dass er im Dezember aus dem Urlaub zurückkam und das Haus verlassen vorfand. Die Betten waren abgezogen, der Strom abgestellt, die Taschen von Dieter und Heiko sowie das angesparte Geld fehlten. Da öfter im Gespräch gewesen sein soll, dass sie sich eine Finca auf Mallorca kaufen wollten, denkt Markus sich dabei nichts und meldet seine Familie nicht als vermisst. Er geht davon aus, dass sie die kalten Wintermonate im Warmen verbringen und im Frühling wiederkommen werden.
Doch der Ermittler Jochen Adler findet diese Theorie komisch. Es waren keine Vorbereitungen für eine Reise getroffen worden. Auch Heiko, der eine Freundin und mehrere Freunde hat, hatte niemandem von den angeblichen Urlaubsplänen erzählt. Und selbst wenn es so gewesen wäre, hätten die beiden im Frühjahr ja wieder zurückkommen müssen. Spätestens als das nicht passierte, hätte Markus sie als vermisst melden müssen. Sandra Dittmar, der Freundin von Heiko, ist ein Urlaub nie in den Sinn gekommen. Sie versucht wochenlang Dieter und Heiko zu erreichen und als das nicht gelingt, will sie bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgeben. Doch ihr Anliegen wird abgeschmettert. Die beiden Männer sind alt genug selbst zu entscheiden, wohin sie gehen und wie lange sie wegbleiben, so heißt es. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an diverse Radiosender, mit der Bitte, eine Vermisstenmeldung zu machen. Doch ohne eine offizielle Vermisstenanzeige bei der Polizei können die ihrer Bitte nicht nachkommen. Sandra schreibt auch Mails an Markus und äußert darin, dass sie es suspekt findet, dass sie über den angeblichen Urlaub nicht Bescheid weiß. Auf ihre Mails erhält sie nur kurze und genervt wirkende Antworten. Markus’ fehlende Sorge um seinen Vater und seinen Bruder findet sie schließlich so auffällig und sonderbar, dass sie die Polizei darüber in Kenntnis setzt. Die Ermittler nehmen diese Information zunächst nur hin, ohne weitere Ermittlungen einzuleiten.
Erst als Markus im Juni 2011 mehrfach befragt wird und sich dabei in Widersprüche verstrickt, fällt den Ermittlern sein sonderbares Verhalten in den Monaten zuvor auf. Nun beginnt man damit, gegen ihn zu ermitteln.
Die Ermittlungen
Die Ermittlungen der französischen und der deutschen Behörden kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Während die Polizei in Frankreich zunehmend an Markus’ Unschuld glaubt, zieht sich die Schlinge um seinen Hals aufgrund der Ermittlungsergebnisse der deutschen Behörden immer mehr zu.
Die deutschen Ermittler kommen schnell zu der Schlussfolgerung, dass Dieter und Heiko in Kelkheim erschossen und schließlich von Markus in seinem Auto nach Südfrankreich gebracht wurden. Für diese Theorie spricht, dass die Teppiche, in die die beiden Leichen eingewickelt wurden, aus Dieters Haus stammen. Markus hat außerdem einen fensterlosen weißen Van zum Wohnmobil umgebaut. Das von ihm liebevoll „ElMundo-Mobil“ genannte Auto ist groß genug, um darin mühelos zwei Leichen zu transportieren.
Die Theorie der Polizei ist die, dass er mit dem Auto am 15. November nach Südfrankreich gefahren ist, um dort die Körper abzulegen. Mit Sicherheit kann man jedenfalls sagen, dass er sich zu diesem Zeitpunkt ganz in der Nähe des späteren Fundortes aufgehalten hat. Markus ist nämlich regelmäßig mit seinem Auto im Herbst Richtung Kanarische Inseln gefahren. So tat er es auch dieses Jahr. Ein Blitzerphoto vom 15. November beweist, dass er sich an diesem Tag in Frankreich befunden hat und in Richtung Spanien fuhr. Anschließend ist er tatsächlich in den Urlaub auf die Kanaren aufgebrochen, von dem er, wie bereits erwähnt, erst im Dezember zurück nach Hause kam.
Sicher ist also, dass er nur kurz nach dem Verschwinden seines Bruders und seines Vaters in Südfrankreich gewesen ist, dort wo man später auch die Leichen der beiden hat finden können. Die Ermittler vermuten, dass er direkt weiter in den Urlaub gefahren ist, um so ein Alibi für die Fahrt und seine Anwesenheit in Südfrankreich zu haben. Dagegen spricht allerdings, dass Markus sogar von Beamten in Frankreich angehalten wurde. Einer der beiden hat dabei einen Blick in sein Auto geworfen und nichts Auffälliges bemerkt. Als der Beamte später zu der Situation befragt wird, äußert er, dass Markus ruhig und entspannt gewirkt und anstandslos sein Auto geöffnet habe. Er sagt allerdings auch, dass er nur einen kurzen Blick in das Auto warf und sich nicht genauer umsah. Der Van ist so groß, dass die Leichen Platz im hinteren Teil des Autos gehabt hätten. Also in dem Teil des Wagens, den der Beamte aus seiner Position heraus nicht einsehen konnte.
Um 22.12 Uhr am 15. November loggt sich Markus’ Handy noch einmal im französischen Nimes ein, bevor es schließlich ausgeschaltet wird. Die deutschen Ermittler denken, dass Markus von Nimes nach Perpignan fuhr, einer kleinen Gemeinde bei Millas, um dort die Leichen abzulegen. Am 21. November besteigt Markus in Portimao, einer Hafenstadt im Süden Portugals, das Schiff VOLCAN DE TIJARAFE und macht sich auf den Weg nach Las Palmas, der Hauptstadt Gran Canarias.
Die französischen Ermittler sind sich allerdings sicher, dass die Leichen der beiden frühestens am Abend des 24. Novembers abgelegt wurden. Also nur einen Tag bevor man sie gefunden hat. Zu dieser Auffassung kommen sie, da es den 24. November über in Millas geregnet hat und man ihrer Meinung nach Spuren des Regens an den Teppichen hätte finden müssen. Dem war aber nicht so. Daher schlussfolgern sie, dass die Leichen erst nach dem Abklingen des Regens abgelegt wurden.
Man muss dabei auch bedenken, dass die deutschen Ermittler den Tatort erst Monate später das erste Mal betreten haben und man daher eigentlich annehmen kann, dass die französischen Ermittler, die direkt vor Ort waren, die Situation am besten einschätzen können. Doch, wenn ihre Theorie stimmt, wäre Markus damit entlastet, da er am 24. November bereits nachweislich seit einigen Tagen auf den Kanaren war. Die Tatwaffe, die vielleicht Aufschluss über den Täter hätte geben können, wurde bis heute nicht gefunden.
Der deutsche Kriminalist und Profiler Stephan Harbort hat den Tatort besucht und vor Ort das Ablegen der Leichen rekonstruiert. Dabei sind ihm mehrere Sachen aufgefallen. Zwar befinden sich beide Fundorte nahe der Autobahn, weswegen man schnell zu ihnen gelangen kann, doch benötigt man laut seiner Einschätzung dennoch eine gewisse Ortskenntnis. Vor dem Ort, an dem man Dieters Leiche fand, befindet sich ein Kreisverkehr und der Fundort selbst ist sehr abgelegen. Stephan Harbort sagt dazu: „Mein Eindruck beim Befahren dieser Strecke ist: Das dürfte kein Zufall gewesen sein. (…) Also, derjenige der diese beiden Örtlichkeiten ausgewählt hat, der dürfte über Ortskenntnisse verfügen. Der Täter muss zuvor einen Bezug zu den Leichenfundorten gehabt haben.“
Ob Markus Mundo über Ortskenntnis verfügt, ist nicht ganz klar. Er selbst gibt an, nie dort gewesen zu sein. Er sei immer nur durch Frankreich gefahren, um zu den Kanarischen Inseln zu kommen. Doch die Leichenfundorte befinden sich beide in direkter Nähe zu einer bekannten Mountainbikestrecke. Markus, als großer Mountainbike-Fan, könnte sich daher sehr wohl dort ausgekannt haben. Es gibt keine Fingerabdrücke oder Blutspuren, die auf Markus als Täter hindeuten. An den Teppichen hat sich beim Auffinden der Leichen allerdings viel Blut der Opfer befunden und an der Kleidung der Toten kaum welches. Das deutet darauf hin, dass Dieter und Heiko möglicherweise nach der Tat noch einmal umgezogen wurden. Eventuell mit dem Gedanken, wenig Blut am Tatort hinterlassen zu wollen. Die Kleidung, in der die beiden aufgefunden wurden, hat deutsche Etiketten. Manche Ermittler sehen das als Hinweis, dass der Mord in Deutschland stattgefunden haben muss und sie auch dort umgezogen wurden. Doch dabei handelt es sich nur um eine Mutmaßung.
Stephan Harbort kommt durch seine Rekonstruktion zu der Schlussfolgerung, dass es für einen Täter allein zwar ohne Probleme möglich gewesen wäre, die Leichen vom Auto zu der Ablagestelle zu tragen, doch dass das Verschnüren der Leichen für einen Täter allein sehr schwierig gewesen sein dürfte. Aber auch dieses Ergebnis kann Markus nicht entlasten. Er ist weiterhin der einzige Verdächtige und hätte, durch den Tod seines Vaters und seines Bruders, als Alleinerbe deren gesamtes Vermögen geerbt. Die deutschen Ermittler vermuten daher Habgier als Mordmotiv.
Der Prozess
Markus Mundo wird wegen Mordes an Dieter und Heiko angeklagt. Der Prozess beginnt im September 2012 und dauert bis in den April 2013. Es handelt sich um einen reinen Indizienprozess. Die gesamte Anklageschrift ist im Konjunktiv verfasst, was Markus’ Anwalt Christoph Grabitz kritisiert. Er sieht keine richtigen Beweise, die für Markus als Mörder sprechen. Die Staatsanwältin Miriam Haßbecker sieht das anders. Nach dem Verschwinden von Dieter und Heiko gab sich Markus als sein Vater aus und meldete seinen Bruder bei der Arbeit krank. Auch zahlte er mit der Kreditkarte seines Bruders und verschickte Fake-E-Mails von Heikos Account an seinen Vater. Warum sollte er das tun, wenn er doch angeblich davon überzeugt war, dass die beiden nur im Urlaub seien?
Noch bevor man wusste, dass die beiden tot sind, versuchte Markus den Erbschein zu beantragen, da die Erstausfertigung angeblich verloren gegangen sei. Ein Erbschein ist ein vom Gericht ausgestellter Ausweis darüber, wer Erbe ist und wie groß der Erbteil ist. Möglicherweise ging er davon aus, dadurch noch mehr erben zu können. Die beiden Beamten, die Markus damals über den Tod seines Vaters und seines Bruders informierten, fanden seine Reaktion sonderbar. Markus weinte zwar und wirkte betroffen, doch die Reaktion schien nicht sonderlich authentisch: „Da sind die Kollegin und ich dann gefahren. Und dann haben wir beide uns angeguckt und gesagt: das war gespielt, das ist uns beiden sofort aufgefallen.“
Es stellt sich auch die Frage, welches Motiv fremde Täter gehabt haben sollen. Markus ist der Einzige, der vom Tod seines Vaters und seines Bruders profitiert. Dieter und Heiko wurden alle persönlichen Gegenstände abgenommen und ihre Körper wurden weit weg von zuhause abgelegt. Die Ermittler sehen das als Indiz dafür, dass es dem Täter wichtig war, die Identität der Opfer zu verschleiern, da man die Tat sonst möglicherweise mit ihm in Verbindung bringen kann. Auch das würde für Markus als Täter sprechen.
Am 29. April hält Markus sein Schlussplädoyer: „Wer Fahrrad fährt, der ist okay. Zu dem kann man Vertrauen haben. Liebe, Nähe, Harmonie und Geborgenheit. Vertrauen. Und die pure Freiheit auf meinem Fahrrad. Beruflich wie privat. Das ist mein Leben. In meinem Leben, da bringt man nicht seinen Vater oder Bruder um. Wie ohnmächtig sehe ich auf die ganze Situation und stehe mutlos, machtlos und antriebslos neben ihr. Ausgeliefert den Fantasien und Fehlinterpretationen, sowie den wortgewaltigen Fehldarstellungen der Exekutive. Ich bin traurig. Und enttäuscht. (…) Ich bin unschuldig. Ich will nach Hause. Ich will mein Leben zurück. Bislang dreht sich alles nur um fragwürdige Indizien. Und um mich. Es sind absolut keine Ermittlungen erkennbar, die sich mit den unzähligen alternativen Spuren befassen. Die Gerichtsverhandlungen sind von Gefühlskälte geprägt. Ich habe so viele Fragen, aber keiner will sie hören. (…) Ich habe Schlafstörungen, Albträume, Angstzustände und Herzrasen. Manchmal zittere ich am ganzen Körper. Stundenlang. Ich ertrage die Enge der Räume nicht. Das Eingesperrt sein. Der Freiheitsentzug. Die Haft bricht meinen Körper und Geist. Ich fühle mich wie eine leere Hülle. Mein Ich hat mich verlassen. Bitte. Bitte, hören Sie endlich auf mit diesen falschen Anschuldigungen und Unterstellungen. Bitte, hören Sie auf, Ihre Fantasien in meine Worte hineinzuinterpretieren. Bitte hören Sie auf, mir meine Worte im Mund herumzudrehen. (…) Meine Mama hat mich immer den Diplomaten genannt. Wenn es familiäre Probleme gab, dann hat sie mich gefragt. Nach meiner objektiven Meinung. Ich habe immer alles für meine Familie getan. Als meine Mama nicht mehr da war, war meine Schulter die, an der sich mein Papa ausgeweint hat. Ich habe meinen Vater und meinen Bruder nicht ermordet.“
Markus Mundo wird an diesem Tag zu lebenslanger Haft verurteilt. Weinend verlässt er den Gerichtssaal nach dem Urteilsspruch. Lebenslange Haft bedeutet in diesem Fall 25 Jahre aufgrund niederer Beweggründe und einer besonderen Schwere der Schuld. Markus muss die Haftstrafe in der JVA Butzbach in Hessen absitzen. 2014 wird das Urteil vom Bundesgerichtshof bestätigt. Markus beharrt darauf, dass es sich um einen Justizirrtum handelt. „Menschen, die mich fragen, ob ich meinen Vater und meinen Bruder umgebracht habe, denen sage ich natürlich, dass ich es nicht war. Dass ich sie nicht umgebracht habe. Weil es sich hierbei um ein Fehlurteil und einen Justizirrtum handelt.“
Mit seinem Anwalt versucht er bis heute eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwirken. Christoph Grabitz sagt dazu: „Eine Verurteilung von Herrn Mundo hätte vor dem Hintergrund des Grundsatzes, in dubio pro reo‘ nicht stattfinden dürfen.“ Der Richter Klaus Drescher, der das Urteil in diesem Fall gesprochen hat, sagt dazu: „Die Anwendung der Regel, Im Zweifel für den Angeklagten‘ setzt voraus, dass man Zweifel hat“. Doch Christoph Grabitz überzeugt das nur wenig: „Als Verteidiger in der Wiederaufnahme habe ich nur einen Auftrag: Ich muss Salz in die Wunde streuen. Vermeintliche ,Beweise‘ auf ihre Stichhaltigkeit überprüfen, Widersprüche rausarbeiten, nach neuen Beweisen Ausschau halten. Denn die Indizien, die gegen eine Täterschaft Markus Mundos sprechen, wurden aus meiner Sicht konsequent ausgeblendet. (…) Zur Verurteilung eines Menschen wegen Doppelmordes bedarf es stichhaltiger Beweise. Diese haben wir in diesem Fall nicht, wie selbst die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei einräumen. Indizien reichen nur dann aus, wenn sie eine in sich geschlossene Indizienkette bilden, die nur einen Schluss zulässt: dass der Beschuldigte der Täter war. Wir haben aber weder Tatwaffe noch Tatort, Fingerabdrücke oder DNA, die Markus Mundo als Täter überführen. (…) Wenn ein psychiatrischer Gutachter zu dem Ergebnis käme, dass Mundo nicht den – geradezu krankhaft manipulativen – Charakter hat, der ihm vom Landgericht Frankfurt bescheinigt wurde, dann würde das gesamte Urteil wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen.“
Am 17. August 2016 muss Markus erneut vors Gericht. Dieses Mal bei einem Zivilprozess. Es geht darum, ob ihm sein Erbe aberkannt wird. Am 21. September 2016 kommt das Zivilgericht zu dem Urteil, dass sie es für erwiesen halten, dass er seinen Vater und seinen Bruder ermordet hat, weswegen ihm das Erbe aberkannt wird. Dadurch hat Markus mittlerweile Schwierigkeiten, seinen Anwalt zu zahlen. Unterstützung erhält er von Sandra Dittmar, der ehemaligen Freundin von Heiko. Sie macht sich große Vorwürfe, an der Verurteilung von Markus Mitschuld zu sein. Bei ihrer Befragung fühlte sie sich, laut eigener Aussage, stark unter Druck gesetzt, weswegen sie auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, dass Markus etwas mit der Tat zu tun hat, mit Ja antwortete. „Als ich die Aussage gemacht habe, bei der Polizei, hieß es dann “Können Sie sich denn vorstellen, dass der Markus Mundo etwas damit zu tun hat?„ So, und dann sagte man mir “Ja, wenn Sie das jetzt nicht mit Ja beantworten, dann können wir wieder nichts machen.„ Und dann hab ich natürlich gesagt, “Ja natürlich könnte er etwas damit zu tun haben.„ …Wo ich heute manchmal denke, heute sehe ich das in einem ganz anderen Licht und hätte ich das mal gelassen.“
Seit sie später erfahren hat, dass die Todesursache Kopfschüsse waren, ist sie von Markus’ Unschuld überzeugt, da dieser, laut ihr, dazu nicht in der Lage gewesen wäre. Sie bereut ihre Aussage gegen ihn sehr und leidet bis heute unter starken Schuldgefühlen. Als sie erfährt, dass Markus seinen Anwalt nicht mehr zahlen kann, bittet sie ihren Vater um Hilfe und unterstützt Markus finanziell. Bis heute hat sie ihm über 60.000€ für Anwalts- und Prozesskosten gegeben. Regelmäßig besucht sie Markus im Gefängnis. Markus selbst beteuert weiterhin seine Unschuld und hofft bis heute auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens.
Epilog
Und damit sind wir am Ende des heutigen Videos angelangt. Ein wirklich kniffliger Fall. Wie ist eure Meinung? Hat Markus seinen Vater und seinen Bruder ermordet? Und falls ihr ihn für unschuldig haltet, was denkt ihr, wer sonst ein Motiv gehabt haben könnte? Sind Dieter und Heiko vielleicht Opfer eines Raubüberfalls geworden? Schreibt mir eure Meinung dazu gerne in die Kommentare. Ich bin sehr gespannt auf eure Theorien. Falls euch das Video gefallen hat, hinterlasst auch gerne einen Daumen nach oben und ein Abo. Über einen Kommentar würde ich mich auch sehr freuen, da das den Algorithmus in Gang bringt und das Video so mehr Leuten vorgeschlagen wird. Vielen Dank für eure Unterstützung. Wenn ihr mögt, dann folgt mir auch auf Instagram und joint meinem Discord. Die Links dazu findet ihr in der Videobeschreibung. Ebenso wie den Link zu meinem Zweitkanal Insolito Crime News. Vielen Dank schon einmal im Voraus. Wir sehen uns beim nächsten Video wieder. Gute Nacht und bis dann.
Quellen
- True Crime: Die Spur des Mörders | Teil 1 | Mundo | Serie YouTube, 2016
- True-Crime-Serie "Mundo": Zweifel erfolgreich gesät Der Spiegel, 2016
- Mörder oder Opfer? Süddeutsche Zeitung, 2016
- Fischbacher Doppelmord: Der Fall "Mundo" brodelt weiter Frankfurter Neue Presse, 2018
