Intro
Der Fall Girly Chew Hossencofft ist einer der bizarrsten Kriminalfälle überhaupt: Es geht um eine Leiche, die nie gefunden wurde. Um fatale Geheimnisse, die erst nach Jahren ans Licht kommen. Um Personen, die angeben, tausende Jahre alt zu sein. Um das Essen von menschlichem Fleisch. Und um eine Alien-Königin, die besiegt werden muss.
Ich werde total unkooperativ sein. Ist mir egal. Gib mir hundert Jahre. Ist mir egal.
Girly
Girly Chew kommt 1963 in Penang in Malaysia zur Welt. Ihre Familie hat chinesische Wurzeln, hat sich aber in George Town niedergelassen. Girly arbeitet nach ihrer Schulzeit in einer Bank im Inselstaat Penang, gönnt sich aber einmal pro Jahr eine Reise nach Amerika mit ihrer Kollegin Susan.
Anfang der 90er steht der Besuch von einem der berühmtesten Freizeitparks auf dem Programm: die SeaWorld in San Diego. Das Aquarium ist noch einmal eine ganz andere Größenordnung, als wir es hier gewohnt sind. Aber nicht nur der Park und die Meerestiere beeindrucken Girly – sondern auch ein Mann, den sie dort unverhofft kennenlernt. Er heißt Diazien, kommt aus Texas und arbeitet als Mediziner und Forscher. Eigentlich ist das eine Story wie aus einem Film: Junge Frau macht Urlaub, besucht ein Aquarium und trifft dabei ihren Traummann. Aber genau so passiert es Girly eben auf ihrer US-Reise. Sie und Diazien Hossencofft verstehen sich auf Anhieb und tauschen Adressen aus.
Nachdem Girly zurück in Malaysia ist, schreiben sich die beiden regelmäßig Briefe. Selbst über tausende Kilometer hinweg wird die Beziehung zwischen den beiden immer enger. 1992 fasst Girly einen Entschluss: Sie wird in die USA ziehen und mit Diazien dort ein neues Leben beginnen. Im selben Jahr heiratet das Paar und zieht in ein kleines Haus in Albuquerque in New Mexico .
Diazien denkt auch daran, eine gute Beziehung zu seinen Schwiegereltern aufzubauen: Er schreibt einen Brief an Girlys Eltern in Malaysia. Er entschuldigt sich dafür, nicht um ihre Zustimmung gefragt zu haben, bevor er um Girlys Hand angehalten hat. Er stellt sich in dem Schreiben vor: geboren in Zürich in der Schweiz, ehemaliger Angestellter der NASA, jetzt Mediziner und Forscher. Für Girly Chew sei finanziell also gesorgt. Tatsächlich ist Diazien sehr spendabel – er bezahlt für die Einrichtung des Hauses und für die Autos der beiden, Geld spielt bei ihm ganz offensichtlich keine Rolle.
Eigene Kinder bekommt das Paar nicht – die Betonung liegt auf eigene. Denn 1996 bringt Diazien von einer Dienstreise einen kleinen Jungen mit nach Hause, Demetri. Er ist ein kleiner mexikanischer Waisenjunge, und Diazien schlägt Girly vor, ihn zu adoptieren. Girly ist natürlich überrascht bis irritiert – immerhin steht ihr Mann da nach einer Geschäftsreise einfach mit einem fremden Baby im Arm vor der Tür. Aber auch hier scheint das Schicksal Girly mal wieder auszuhelfen.
Sie hat sich sehr gewünscht, Mama zu werden, hat aber erst kürzlich erfahren, dass sie unfruchtbar ist. Dass Diazien nun auf einmal mit einem Baby nach Hause kommt, wirkt für sie vielleicht wie eine traumhafte Fügung. Girly baut schnell eine enge Beziehung zu Demetri auf und kümmert sich liebevoll um das Baby.
Doch leider folgt auf diese schöne Wendung schon bald eine traurige: Bei Diazien wird 1998 Leukämie diagnostiziert. Über längere Zeit muss er immer wieder ins Krankenhaus, um sich dort Bluttransfusionen zu unterziehen.
Das ist alles schon relativ komisch, aber das ist erst der Anfang. Leider hat Girly keine Chance zu wissen, dass ihre vermeintlich märchenhafte Liebesgeschichte eigentlich ein Albtraum ist. Nicht nur geschehen in ihrer neu gegründeten kleinen Familie ziemlich merkwürdige Dinge. Sondern den Mann, für den sie ans andere Ende der Welt gezogen ist, gibt es gar nicht.
Der falsche Freund
Im gemeinsamen Haus von ihr und Diazien gibt es einen Raum, der für Girly tabu ist: Sein Arbeitszimmer. Aber irgendwann, nach ein paar Jahren Ehe, ist sie dann doch zu neugierig. Also geht sie rein, um zu schauen, was sich hinter der Tür im streng geheimen Zimmer verbirgt. Und das ist so einiges. Sie findet das, was man in Arbeitszimmern halt so findet – Computer, Ordner, Dokumente. Aber als sie einen Blick auf ein paar der Dokumente wirft, dürfte es ihr eiskalt den Rücken herunterlaufen. Es sind persönliche Unterlagen.
Aber sie gehören nicht zu Diazien Hossencofft. Sondern zu einem Mann namens Armand Chavez. Dieser Armand Chavez hat nicht nur eine, sondern gleich vier Sozialversicherungsnummern. Und offenbar einiges an Stress. Denn unter den Papieren ist auch ein Anwaltsschreiben, in dem es um einen Betrug geht. In einem anderen um den Vorwurf, dass er versucht haben soll, eine Frau mit Arsen zu vergiften. Auf dem Computer wiederum sind zahlreiche Mails an Diazien Hossencofft – allesamt von Frauen, mit denen er sich getroffen hat, während er auf seinen angeblichen Geschäftsreisen war. Keine dieser Geschäftsreisen existierte wirklich. Es waren allesamt Reisen zu anderen Frauen.
Also: Diazien Hossencofft gibt es nicht. Der Mann, mit dem Girly damals seit sechs Jahren verheiratet ist, heißt eigentlich Armand Chavez und ist ein gewiefter Betrüger. Schon seit 1995 wird er vom FBI beobachtet. Er ist ehemaliger Medizinstudent – ehemalig, weil er zwangsexmatrikuliert wurde. Zuvor war herausgekommen, dass er zahlreiche Dokumente, die er für seine Zulassung brauchte, gefaked hat. Nachdem er von der Uni geflogen war, hat Armand seinen Namen geändert. Von da an hat er sich Diazien Hossencofft genannt.
Er hat also gar keinen Abschluss. Er ist weder Mediziner noch Forscher. Noch ist er qualifiziert, andere Geschäfte abzuwickeln, mit denen er den Lebensunterhalt seiner Familie finanziert. Denn irgendwie hat er es ja geschafft, den Anschein eines gut verdienenden Mannes aufrechtzuerhalten. Offenbar mit ziemlich dreisten Betrugsmaschen.
So verkauft er verschiedenen Frauen ein sogenanntes „Jugendserum“. Er behauptet gegenüber einem seiner Scamming-Opfer, er selbst sei der lebende Beweis dafür, wie effektiv das Jugendserum sei. Denn eigentlich sei er selbst schon mehr als 100 Jahre alt. Er kann sich allein durch den Verkauf von diesem Serum mehrere 100.000 US-Dollar ergaunern.
Allerdings ist der Wunsch nach anhaltender Jugend nicht die einzige Sorge von Frauen, mit denen Diazien spielt. Er geht noch viel weiter. Während seiner Ehe mit Girly hat er eine Frau kennengelernt, die an Brustkrebs leidet. Er hat ihr versprochen, sie heilen zu können – das ist a) natürlich eh nicht so einfach, und b) ist Diazien ja überhaupt kein Arzt. Er hat ihr einfach ein angebliches Arzneimittel verkauft, für das die Frau ihm insgesamt eine halbe Million US-Dollar über 20 Monate hinweg gegeben hat.
Sie hat sich erhofft, mit Diaziens angeblichem Wundermittel ihr Leben retten zu können. Die Frau ist letztendlich an ihrer Erkrankung verstorben, weil sie sich nicht anderweitig und vor allem professionell hat behandeln lassen. Kurzum:
Diazien Hossencofft, geboren in Zürich und ehemaliger Angestellter der NASA, ist eigentlich ein betrügerischer Studienabbrecher namens Armand Chavez aus Texas. Der vermeintliche Adoptivsohn, den Diazien von einer Geschäftsreise nach Hause gebracht hat, ist kein mexikanisches Waisenkind – sondern sein eigener, 1996 aus einem Seitensprung entstandener Sohn. Diaziens Leukämie-Erkrankung ist ebenso frei erfunden wie die ganzen Geschäftsreisen und Krankenhausaufenthalte. Diazien ist topfit – also, zumindest körperlich. Mental dürfte das noch mal eine ganz andere Sache sein, da haben wir erst die Spitze des Eisbergs besprochen.
Weiterhin hat er vor Girly verschwiegen, dass er schon einmal verheiratet war. Seine erste Ehefrau heißt Rosemary. Wie sich später herausstellen wird, hat er ihr gegenüber einige unheilvolle Andeutungen gemacht. Noch vor der Scheidung soll Diazien mal zu Rosemary gesagt haben, er würde easy mit einem Mord davonkommen können. Er wisse schon ganz genau, wie er einen Leichnam verschwinden lassen würde. Rosemary hatte große Angst vor ihrem Ex-Mann – auch, weil er sie nach der Scheidung gebeten hat, eine Lebensversicherung abzuschließen.
Natürlich mit ihm als der zu begünstigenden Person, sollte Rosemary etwas zustoßen. Logischerweise hat sie das nicht gemacht – schon gar nicht nach seiner Andeutung damals, er könnte ganz leicht mit einem Mord davonkommen.
Eines ist für Girly genau so klar wie für euch gerade beim Zuhören: Sie muss sich unbedingt von diesem Mann scheiden lassen. Sie kümmert sich im Januar 1999 um mehrere Termine mit Scheidungsanwälten, um sich beraten zu lassen. Die Situation ist ja, gelinde gesagt, ziemlich komplex. Girly hat zwar einen eigenen Job im Service bei einer Bank, verdient dort aber nicht viel Geld. Noch dazu ist sie in einem fremden Land.
Sie lebt zwar schon seit ein paar Jahren in den USA, aber ihre Familie ist zuhause in Malaysia. Sie ist auf sich allein gestellt. Und alles zu organisieren – die Scheidung, eine neue Bleibe, einen neuen Job, ein eigenes Konto, ein eigenes Auto… Das ist einfach ein riesiger Haufen Arbeit. Und das eben on top auf die ohnehin schon heftige Situation.
Deshalb bleibt Girly auch erst mal in dem Haus mit Diazien wohnen. Am 24. Januar 1999 versucht sie gerade, sich mit Fernsehen ein wenig abzulenken. Da bittet Diazien sie, in die Downtown zu fahren und am Hyatt Hotel Restaurant etwas zu essen für ihn abzuholen. Girly hat darauf keine große Lust und winkt ab. Ein paar Minuten später hört sie Geräusche aus der Garage und schaut nach, was los ist. Dort findet sie ihren Noch-Ehemann, der an ihren Autoreifen herumfummelt. Er versucht, die Schrauben an ihnen zu lockern – ganz offensichtlich will er, dass Girly einen möglicherweise fatalen Autounfall baut, wenn sie das nächste Mal unterwegs ist.
Girly flippt natürlich aus. Leider ist sie damit nicht allein. Diazien reagiert mit zuvor nicht dagewesener Aggressivität. Ehe Girly sich versehen kann, stürzt ihr Mann sich auf sie und beginnt, auf sie einzuprügeln. Erst nach mehreren heftigen Schlägen gelingt es Girly, das Garagentor zu öffnen und zu den Nachbarn zu rennen, um Hilfe zu holen. Die von dort alarmierte Polizei trifft glücklicherweise recht schnell ein. Die Beamten begleiten sie nach Hause, damit sie wenigstens ein paar persönliche Sachen holen kann. Leider ist nicht bekannt, wo sich Diazien zu diesem Zeitpunkt aufhält – wahrscheinlich hat er erst mal die Flucht ergriffen. Damit, vor den Behörden unterzutauchen, hat er ja offenkundig einiges an Erfahrung.
Jedenfalls wartet Girly keinen Tag länger: Am 25. Januar 1999 reicht sie die Scheidung ein. Zum Glück kann sie schnell eine eigene kleine Wohnung finden . Sie ist zwar nur zwei Kilometer von ihrem Haus mit Diazien entfernt, aber immerhin. Ab jetzt ist Girly vorsichtig – viel vorsichtiger, als irgendjemand sein müssen sollte. Sie sagt niemandem, wo sie jetzt wohnt, nicht mal Kollegen verrät sie die neue Adresse. Sie kümmert sich um eine einstweilige Verfügung gegen Diazien.
Trotzdem ist da ja noch der Sohn, Demetri. Auch wenn Girly herausgefunden hat, dass Diazien sie die ganze Zeit angelogen hat, liebt sie den Jungen. Sie hat ihn immerhin großgezogen, und das Kind kann natürlich absolut nichts für die Gesamtsituation. Also will sich Girly um Umgangsrecht mit dem Jungen bemühen. Auch, weil das Kind bei so einem Mann wie Diazien ganz bestimmt nicht gut aufgehoben ist. Aber Diazien stellt sich dagegen. Und leider bleibt es nicht dabei.
Er ruft auf Girlys Arbeit bei der Bank of America an, immer wieder. Zweimal werden nach ihrem Auszug die Fensterscheiben ihres Autos eingeschlagen. Sie ist sich ganz sicher, dass Diazien dahintersteckt. Er wird drei Mal angezeigt, weil er gegen die einstweilige Verfügung verstößt und soll im Juli 1999 dafür angeklagt werden. Doch leider wird die Anhörung auf Ende September vertagt. Und das hat fatale Auswirkungen.
Zu ihrer eigenen Sicherheit sieht sich Girly gezwungen, den Kontakt zu ihrem Ziehsohn nicht weiter zu suchen. Girly erzählt einer Kollegin, dass ihr Mann mehrmals gedroht habe, sie umzubringen. Sollte ihr jemals etwas zustoßen, dann sollten die Behörden sofort Diazien unter die Lupe nehmen. Um sich selbst im Ernstfall verteidigen zu können, nimmt sie Karatestunden.
Diazien hingegen ist unterdessen noch immer ein freier Mann. Trotz der Ermittlungen wegen der Betrügereien, der Körperverletzung gegen seine Ehefrau und der zahllosen Drohungen. Ich kann euch ganz ehrlich nicht sagen, wie es sein kann, dass er 1999 nicht schon längst wenigstens in U-Haft sitzt. Stattdessen hat er die Möglichkeit, mit allem genau wie bisher weiterzumachen. Und leider sind Charisma, Überheblichkeit und manipulatives Verhalten eine Kombi, auf die viele Leute reinfallen. Wäre das nicht so, wäre das, was als Nächstes kommt, vielleicht nie passiert.
Das Verschwinden von Girly Chew Hossencofft
Eigentlich hat Girly am 10. September um 8 Uhr morgens eine Schicht in der Bank of America. Aber sie erscheint nicht zur Arbeit. Eine Kollegin macht sich sofort große Sorgen, sie kennt die Vorgeschichte mit Diazien. Also ruft sie direkt bei der Polizei an, um Girly als vermisst zu melden. Aber die Polizei interessiert sich erst mal nicht groß dafür. Zu diesem Zeitpunkt ist Girly keine Viertelstunde zu spät auf der Arbeit.
Obwohl die Kollegin erklärt, dass Girly durch ihren Ex-Partner in großer Gefahr schwebt, nimmt man ihre Sorge nicht ernst. Aber Girlys Kollegen bei der Bank sind sicher, dass die Lage ernst ist. Auch, weil eine Freundin von Girly schon direkt bei der Öffnung in der Filiale angerufen hat. Ernie telefoniert eigentlich jeden Abend mit Girly. Aber am gestrigen Abend konnte Ernie sie nicht erreichen. Und auch am Morgen ist sie nicht ans Telefon gegangen. Sowohl die Freundin als auch die Belegschaft der Bank ahnen das Schlimmste.
Die Kollegen von Girly fackeln nicht lange. Sie suchen Girlys Adresse aus ihren Arbeitsunterlagen raus und eine von ihnen macht sich auf den Weg zu ihr nach Hause. Von außen sieht alles normal aus – Girlys Auto steht geparkt vor der Tür. Aber schon auf den zweiten Blick ist klar, dass etwas nicht stimmt. Die Wohnung ist nicht abgeschlossen. Und das, obwohl Girly immer darauf geachtet hat. Als sie die Wohnung betreten, erwartet sie das absolute Grauen.
Drinnen befinden sich mehrere Blutlachen, die notdürftig mit Bleiche entfernt wurden. Zudem einige andere merkwürdige Spuren, die nicht aus Girlys Apartment stammen: Rückstände von Bastelsand, Glitzerpulver und einige Katzenhaare. Von Girly Chew fehlt jede Spur.
Nach dieser Entdeckung ruft Girlys Kollegin abermals bei der Polizei an. Sie macht am Telefon so lange Druck, bis jemand vorbeigeschickt wird.
Allerdings ist der Streifenpolizist, der zugeteilt wurde, offenbar nicht sehr motiviert. Obwohl die Kollegin von den großen Blutflecken im Haus erzählt, geht er nicht mal rein. Weil die Kollegin erzählt hat, Girly sei durch ihren Noch-Ehemann Diazien bedroht, fährt der Polizist direkt dorthin. Allerdings ist Diazien nicht zuhause. Man kann also nur seine Nachbarn befragen. Die erzählen, zwei Tage zuvor sei ein Umzugswagen zu Diazien gekommen. Das Unternehmen hätte das ganze Haus ausgeräumt. Diazien wollte wohl nach Texas ziehen – um sich dort besser für seine angebliche Leukämie-Erkrankung behandeln zu lassen.
Besonders am Vorabend habe sich Diazien ziemlich auffällig verhalten. Er ist mit einem fremden Auto heimgekommen, einem braunen Honda. Er hatte schwarze Schmierereien im Gesicht und wirkte verschwitzt, und sowieso sehr durch den Wind. Schon am Vorabend hat ihre Freundin Ernie Girly ja schon nicht mehr erreichen können. Es liegt also nahe, dass Diazien Girly am Vorabend etwas angetan hat – und inzwischen über alle Berge ist. Also wird eine Fahndung nach Diazien Hossencofft herausgegeben.
Da der Ehemann der Verschwundenen nun auch noch weg ist, schaut die Polizei jetzt doch mal bei Girly vorbei. Erst jetzt, Stunden nach den ersten Anrufen von Girlys Kollegen, finden die Ermittler die Blutspuren und sehen, wie gravierend die Verletzungen der Vermissten sein müssen. Durch einen Zeugen wird man noch am selben Tag auch anderweitig fündig: Am Highway 60 in Magdalena, New Mexico, findet man Kleidungsstücke, die Girly gehören. Ihre Shorts sind blutverschmiert und gemeinsam mit einer Bluse und Unterwäsche in eine blutbefleckte, graue Plane eingewickelt.
Daran kleben Reste von Klebeband, an dem ausgerissene Haare von Girly hängen. Girlys Brieftasche wird in einer nahegelegenen Straße gefunden. Die Polizei geht nun nicht mehr vom Schlimmsten aus, sondern vom Allerschlimmsten.
Vielleicht denkt ihr an dieser Stelle, es sei doch glasklar, was hier passiert ist. Ich kann euch versprechen, das ist es nicht. Zumindest an diesem Punkt noch nicht. Dass Diazien für Girlys Verschwinden verantwortlich ist, dürfte kein großer Spoiler sein. Aber er hat eine ganz spezielle Komplizin. Eine Frau, die von sich selbst sagt, sie sei Diaziens Pflegekraft. Immerhin habe er ja Krebs. Die Polizei kann sie ausfindig machen und interessiert sich natürlich brennend dafür, Linda Henning zu befragen.
Linda stellt sich den Ermittlern, wie gesagt, als Diaziens Pflegerin vor, wegen seiner Leukämie-Erkrankung. Ob die Frau wirklich auf diesem Stand ist oder in dieser Hinsicht auch wissentlich lügt, ist nicht klar. Jedenfalls ist Linda die Besitzerin von dem braunen Honda, in dem seine Nachbarn Diazien am Abend von Girlys Verschwinden gesehen haben. Auffälligerweise wurde der Honda in den Tagen danach gründlich von innen und außen gereinigt und aufbereitet, inklusive eines Reifenwechsels.
Und nicht nur das: Die Blutspuren, die in Girlys Wohnung gefunden wurden, stammen nicht nur von Girly selbst, sondern auch von Linda Henning. Während es von Diazien in Girlys Wohnung keine Spur gibt, sind Lindas Blut und Haare überall. Bei einer Hausdurchsuchung von Lindas Bleibe findet man außerdem eine Katze, die zu den Tierhaaren am Tatort passt, ebenso wie die Bastelartikel, von denen Rückstände gefunden wurden. Und in Lindas Garage befindet sich ein Ninja-Schwert, versteckt in einem kleinen Hohlraum unter der Decke. Es wurde erst am Tag von Girlys Verschwinden gekauft, am 9. September. Bei Linda findet die Polizei zudem eine Handfeuerwaffe.
Das ist eine ziemlich überraschende Wendung. Das, was eigentlich wie ein glasklarer Femizid ausgesehen hat, wird nun ein ziemlich verwirrendes Beziehungswirrwarr. Anstatt zu Girlys Ex Diazien weisen alle forensischen Spuren auf seine angebliche Pflegerin Linda als Täterin hin. Aber warum sollte ausgerechnet sie Interesse daran haben, Girly Chew etwas anzutun? In ersten Verhören gibt Linda an, Girly nie gesehen oder getroffen zu haben. Das ist allerdings gelogen. In den Unterlagen der Bank of America kann die Polizei einsehen, dass Linda dort Kundin ist und die Filiale in Albuquerque mindestens einmal besucht hat.
Dreimal dürft ihr raten, wer die Mitarbeiterin war, die ihr am Schalter weitergeholfen hat: Klar, Girly Chew. Und so wird ganz langsam klar, wie die Dinge hier gelaufen sind.
Linda berichtet, sie und Diazien hätten sich auf einer UFO-Convention kennengelernt. Linda ist eigentlich eine smarte, erfolgreiche Geschäftsfrau. Nach der Schule hat sie sich durch Modeljobs Kapital aufgebaut und sich dann als Modedesignerin selbstständig gemacht. Damit war sie auch recht erfolgreich. In ihrer Freizeit hat sie sich für UFOs und Aliens interessiert. Und über dieses Nischen-Interesse ist sie wohl ziemlich schnell in Verschwörungstheorien abgedriftet.
Als Diazien ihr erzählt hat, er sei ein ehemaliger CIA-Agent und würde seine Zeit nun damit verbringen, Krebs zu heilen und den Alterungsprozess von Frauen zu stoppen, war Linda sofort Feuer und Flamme. Sie fand Diazien nicht nur interessant – in ihren Aussagen betont sie immer wieder, dass sie ihm auch wirklich glaubt.
Dass er sich gegenüber anderen weiterhin als Mediziner ausgibt, ist bei Diazien nämlich noch das Harmloseste. Wenn er auf Leute getroffen ist, die für so einen Kram zu begeistern sind, hat er seine Stories noch viel weitergesponnen. Er behauptet nämlich, er sei gar kein Mensch. Sondern eigentlich ein mehr als 2000 Jahre altes Alien.
Er erzählt einigen seiner Bekannten auch, er habe seinen Sohn selbst im Labor hergestellt, die Welt würde von Reptiloiden regiert, es stünde ein Völkermord an der gesamten Menschheit bevor, das volle Programm. Und Linda geht kurz nach dem Kennenlernen direkt voll mit. Nur eine Woche, nachdem sie Diazien auf der UFO-Convention kennengelernt hat, hat sie ihren Verlobten für Diazien verlassen. Für Linda scheint sich alles so angefühlt zu haben, als habe Diazien sie in etwas ganz Großes eingeweiht. Und zwar in die Bedrohung der Alien-Königin. Und die musste eliminiert werden.
Die Gehirnwäsche
Die Angehörigen sagen später aus, Diazien Hossencofft müsse Linda Henning einer Gehirnwäsche unterzogen haben. Anders könne man sich alles, was gelaufen ist, nicht erklären. Kurz nach dem Kennenlernen von Diazien sei Linda einfach vollkommen durchgedreht. Ob das die Sache besser oder schlimmer macht, wenn das denn so stimmt, ist diskutabel. Denn Diazien hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, Linda von einer Invasion durch reptiloide Aliens zu überzeugen. Und davon, dass Linda sich auf einen Krieg vorbereiten müsse – denn sie sei die prädestinierte Königin der irdischen Welt.
Das Schicksal des Universums würde auf ihren Schultern lasten, und um die Welt zu retten, hätte Linda nur eine Möglichkeit: Sie muss die Alien-Krieger-Königin umbringen. Und praktischerweise sei diese Alien-Krieger-Königin Diaziens Ex Girly Chew.
Linda: Wer besitzt diesen Planeten? Ich sag’s dir, es ist nicht die Menschheit. Diese Kreaturen waren schon lange hier, bevor die Menschheit überhaupt ein Gedanke war. Wer besitzt diesen Planeten? Tja, ihr werdet es bald sehen.
Ich würde euch die Sache an dieser Stelle eigentlich gern einordnen. Ob Diazien Hossencofft wirklich glaubt, was er da erzählt, oder ob er einfach nur ein so durchtriebener Typ ist, dass er jedes Mittel genutzt hat, um Leute unter seinen Bann zu setzen. Aber ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung. Als Motiv für den Mord an Girly Chew diese Alien-Sache zu benennen, wäre aber auch falsch – zumindest für uns – hoffentlich – rational denkende Menschen.
Denn eigentlich ist es natürlich einfach nur blatanter Hass auf seine Ex. Girly wollte die Scheidung, sie wollte um die Erziehung des Kindes kämpfen, sie wollte dem FBI helfen, Diaziens Betrügereien aufzudecken. Sie ist ihrem Ex-Mann also, aus seiner Sicht, gefährlich geworden. Und offenbar deshalb hat er beschlossen, sie aus dem Weg zu räumen – ohne sich selbst dabei großartig die Finger schmutzig zu machen.
Letztendlich kann Diazien Hossencofft von der Polizei ausfindig gemacht werden. Er wird, ebenso wie seine Freundin Linda Henning, wegen Mordes an Girly Chew Hossencofft angeklagt. Offiziell gilt sie auch heute noch als vermisst. Einen Leichnam hat man nie gefunden. Aber aufgrund der Menge an Blut, das Girly verloren hat, ist leider klar, dass sie nicht überlebt hat. Diazien und Linda werden in zwei separaten Verfahren angeklagt, Diazien ist zuerst dran.
Überraschenderweise dauert der Prozess gegen ihn nicht lang: Er bekennt sich sofort schuldig und gibt zu, sowohl die Entführung als auch den Mord seiner Ehefrau geplant zu haben. Wegen seines Geständnisses entgeht er der Todesstrafe. Das Gefängnis lebend verlassen wird er trotzdem nicht mehr: Er wird zu 90 Jahren verurteilt. Wobei er ist ja 2000 Jahre alt, was sind da schon 90 Jahre im Gefängnis.
So schnell sein eigener Prozess auch über die Bühne geht, so sehr nutzt Diazien den Prozess gegen Linda Henning für ziemlich geschmacklose Selbstdarstellung. Er ist als Zeuge geladen – immerhin ist er neben Linda der Einzige, der irgendeine Auskunft geben kann. Und Linda weigert sich, über Girly zu sprechen. Also ist die Kammer darauf angewiesen, den schon verurteilten Diazien in den Zeugenstand zu rufen. Auch wenn das für Girlys Familie, die aus Malaysia angereist ist, unfassbar schmerzhaft sein muss. Denn unabhängig von all den Spinnereien von Diazien: Die abgrundtiefe Unmenschlichkeit, die er vor Gericht ausstrahlt, ist echt.
Diazien: Dann ist sie tot, sie ist getötet worden, vielleicht ermordet – was soll’s? Wen juckt es? Mich nicht. Ich habe keine Reue, kein Mitgefühl, kein Leid. Ich wollte sichergehen, dass ihre Eltern es wissen, und tausend Jahre lang an einem leeren Grab weinen. Das wollte ich.
Die Dinge, die er da von sich gibt, helfen den Ermittlern nicht konkret weiter – geben aber noch mal Aufschluss darüber, was in seinem Kopf vor sich geht. Im Zeugenstand erklärt er mit großer Ernsthaftigkeit, er sei ein reptiloider Gestaltenwandler. Deshalb könne er sich an mehreren Orten zur gleichen Zeit aufhalten. Genau so wie natürlich die allermeisten Politiker in hochrangigen Ämtern. Ich glaube, nach dieser ersten Aussage ist es unnötig zu erwähnen, dass alle weiteren Statements von Diazien mit Vorsicht zu genießen sind.
Ähnlich wild ist Diaziens Erklärung für Lindas Blut in Girlys Wohnung. Er selbst ist ja schon verurteilt, aber scheinbar will er Linda noch irgendwie aus der Sache rausboxen. Gestaltet sich nur schwierig, da ja viele Spuren aus Lindas Wohnung in der von Girly gefunden wurden – allen voran eben etwas Blut. Das wird sie, so die These der Ermittler, wohl bei einem Kampf mit Girly verloren haben. Diazien hat da aber eine ganz andere Erklärung parat.
Er habe sich am Abend des 9. September darum gekümmert, ein paar Spuren in Girlys Wohnung zu beseitigen. Dabei habe er von Zuhause eine Ampulle mit Lindas Blut mitgenommen, die er in der Wohnung ausgekippt hat, um die Polizei auf eine falsche Fährte zu locken. Im Rahmen seiner Betrügereien hat er oft Blutproben von anderen Leuten genommen – angeblich für Forschungszwecke. Stattdessen hat er die Proben in seinem heimischen Kühlschrank aufbewahrt.
Wofür auch immer, vielleicht wollen wir es auch gar nicht genau wissen. Jedenfalls hat Diazien das Blut von Linda dann angeblich in Girlys Apartment ausgekippt, um von ihm abzulenken. Diazien sagt, Linda habe mit dem Mord an Girly nichts zu tun gehabt – der einzige Täter sei William „Bill“ Miller. Er habe ihn mit dem Mord beauftragt, damit Bill sich auf die neue Weltordnung unter der Herrschaft von Aliens vorbereiten könne. Ich weiß, der naheliegendste Gedanke ist jetzt irgendwie erst mal, dass es diesen Bill eh gar nicht gibt.
Aber er ist tatsächlich echt und arbeitet als Elektriker, in seiner Freizeit jagt er und geht gern angeln. Und genau wie Linda und Diazien besucht er in seiner Freizeit UFO-Conventions, um sich auf die vermeintlich bevorstehende Alien-Apokalypse vorzubereiten. Und vor allem Linda Henning hat es ihm angetan. Diazien sagt, es sei Bill gewesen, der Girly ermordet habe.
Gegen Bill Miller wird ebenfalls ermittelt – anders als Diazien und Linda ist er aber nicht wegen des Mordes an Girly Chew angeklagt. Sondern wegen der Manipulation von Beweismitteln. Man geht davon aus, dass er Diazien und Linda dabei geholfen hat, ihre Spuren zu verwischen und vielleicht auch dabei, Girlys Leiche verschwinden zu lassen. Zudem soll er Girly im Auftrag der beiden beschattet haben – Bill glaubte ja ebenfalls an die ganze Alien-Nummer, und noch dazu hat er wohl für Linda geschwärmt.
Bill gibt nur zu, dass Diazien ihm gegenüber gesagt hat, er brauche eine gute Schusswaffe, damit er seine Ex aus einiger Entfernung erschießen könne. Ein anderes Mal habe Diazien ihn und Linda überreden wollen, Girly für ihn „loszuwerden“. In einem Schließfach von Bill wurde eine beträchtliche Summe Bargeld gefunden: 10.350,00 Dollar. Und weitere 12.479,70 Dollar in Münzen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Diazien Bill mit dem Bargeld und den Münzen bezahlt habe, um bei dem Mord an Girly Chew zu helfen.
Bei einer Hausdurchsuchung bei Bill hat man Schussmunition, um die 20 Waffen und Klebeband gefunden. Er ist ja auch Jäger, aber das ist dann doch etwas untypisch. Aber eine direkte Beteiligung kann Bill Miller dann doch nicht nachgewiesen werden. Er wird nur wegen der erwähnten Manipulation von Beweismitteln zu einer kleinen Haftstrafe verurteilt. Diaziens Behauptung, dass Bill der eigentliche Mörder von Girly sei, und nicht Linda, glaubt das Gericht nicht.
Die Spurenlage gegen Linda ist ja auch einfach erdrückend. Es ist also bestimmt nicht überraschend für euch, dass Linda Henning schuldig gesprochen wird – nicht nur wegen des Mordes an Girly Chew Hossencofft, sondern auch wegen Entführung, Verschwörung, Meineid und Manipulation von Beweismitteln. Sie wird zu einer Freiheitsstrafe von 73 Jahren verurteilt. Auch sie entgeht damit der Todesstrafe.
Doch nach dem Urteil wird es um den Fall nicht ruhiger. Die Presse will durch einen der Staatsanwälte herausgefunden haben, dass über Linda ein Gerücht rumgeht. Sie soll mindestens vier Personen erzählt haben, sie habe Teile des Leichnams von Girly gegessen. Der Staatsanwalt habe sich aber bewusst dagegen entschieden, diese Aussagen mit in den Prozess zu nehmen – er wollte diesen verrückten Fall nicht noch bizarrer machen, als er ohnehin schon ist. Das Ziel sei es gewesen, Sensationalismus zu vermeiden – aber nach dem Verfahren landet das Ganze dann doch in den Medien, samt Statements vom Staatsanwalt selbst. Weshalb er sich für diese Äußerungen entscheidet, als sie schon nichts mehr am Urteil rütteln können, ist unklar. Man weiß in diesem Fall eh nicht, was man glauben soll und kann – nur eines ist klar: Girly Chew wurde qualvoll ermordet. Weil sie an einen Mann geraten ist, vor dem sie niemand beschützt hat.
Falls ihr euch übrigens fragt, was aus dem Sohn von Diazien geworden ist, der von Girly großgezogen wurde: Diazien hat ihn noch vor dem Mord an Girly zur Adoption freigegeben. Obwohl Girly um ein Umgangsrecht gekämpft hat und den Jungen sicherlich aufnehmen wollte, hat sich Diazien dagegen gewehrt. Stattdessen hat er Demetri bei einer Adoptionsagentur vorbeigebracht. Auch dort hat Diazien wieder behauptet, Leukämie zu haben und bald zu sterben, also brauche er einen Platz für seinen Sohn. Bei dem Termin soll er sogar Blut gehustet haben – offenbar war auch das ein Teil seines Tricks. Jedenfalls hat man die Sache nicht überprüft.
Sein Sohn ist in das Pflege- und Adoptionssystem geraten und schließlich bei einer Frau gelandet, die ihn gemeinsam mit zwei weiteren Adoptivkindern großgezogen hat. Man hat der Adoptivmutter auch nach der Verurteilung gegen Diazien nicht erzählt, was für ein schlimmer Mensch der Vater ihres Adoptivsohns ist. Die beiden haben es erst durch eigene Nachforschungen erfahren, als der Junge schon ein Teenager war. Heute hat er keinen Kontakt mehr zu seiner Adoptivmutter.
Laut ihr hat er gesagt, sich nicht an Girly Chew erinnern zu können. Die einzige Erinnerung an sein Leben vor der Adoption sei das Bild seines Vaters gewesen, wie er ihn gefüttert hat, während er in einem Hochstuhl saß. Das ist alles.
Outro
Was für ein heftiger Fall, oder? Aber ich glaube, was bei all den Details zu Alien-Verschwörungen und so weiter in Vergessenheit gerät, ist, wie vermeidbar der Mord an Girly Chew gewesen wäre. Denn der Polizei war ja zum einen bekannt, dass Diazien ein Hochstapler und Betrüger ist, und zum anderen vor allem, dass er Girly gegenüber gewalttätig war. Ich meine, sogar das FBI war involviert. Trotzdem ist es an Girly hängen geblieben, sich um ihre eigene Sicherheit zu kümmern. Sie hat Karatestunden genommen, ist umgezogen und hat nicht mal Freunden verraten, wo sie wohnt, hat sich mit den Ermittlern zusammengesetzt und ihre Kollegen gewarnt, für den Fall, dass ihr etwas zustößt. Man kann sich kaum vorstellen, was für Angst sie gehabt haben muss, um diese Schritte zu ergreifen.
Obwohl Diazien mehrmals gegen die einstweilige Verfügung gegen ihn verstoßen hat, lief er frei herum. Sein Gerichtstermin wegen der häuslichen Gewalt wurde ja sogar noch auf Ende September verschoben. Wäre der Termin wie geplant im Juli über die Bühne gegangen und hätte es einen Schuldspruch gegeben, wäre Girly heute vielleicht noch am Leben. So spannend und verstörend die ganzen Verschwörungstheorien von Diazien und Linda sind – sie lenken davon ab, dass das System an dieser Stelle echt versagt hat.
Am Ende war niemand da, um Girly Chew zu beschützen, außer sie selbst. Und das allein ist eine Situation, in der keine Frau sich jemals wiederfinden sollte. Es hätte auf jeden Fall institutionelle Unterstützung für sie gebraucht, zum Beispiel durch eine Unterbringung in einem Frauenhaus. Oder, noch viel wichtiger: Konsequenzen für den Täter. Und die hat es leider erst gegeben, als es viel zu spät war.
Schreibt mir eure Gedanken zu diesem Thema und zu dem Fall insgesamt gern mal in die Kommentare. Ich bin nur zufällig darauf gestoßen und war bei der Recherche total überrascht, noch nie davon gehört zu haben. Bei mir ist vor allem hängengeblieben, dass Lindas Familie ja sagte, sie sei immer ganz normal gewesen – erst nach der Beeinflussung durch Diazien sei sie so durchgedreht. Könnt ihr euch das echt vorstellen? Oder habt ihr vielleicht selbst schon mal erlebt, wie jemand aus eurem Umfeld in solche Verschwörungstheorien reingerutscht ist? Wenn ja, wie geht ihr damit um? Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Gedanken dazu in den Kommentaren teilen würdet, falls ihr mögt. Und natürlich auch, wenn ihr dem Video vielleicht ein Like gebt – das kostet euch nicht mal eine Sekunde, unterstützt den Kanal aber sehr. Und wenn ihr es noch nicht gemacht habt, abonniert Insolito gern, um keine weiteren Videos zu verpassen. Und falls ihr schon als Abonnent oder Abonnentin dabei seid, vielen Dank für euren Support und fürs Einschalten. Danke und bis zum nächsten Mal, ciao.
Quellen
- Girly Chew Hossencofft The Charley Project
- 'The Alien Queen' Someone They Knew with Tamron Hall YouTube, 2023
- The Disappearance Of Girly Chew Hossencofft: A Con Man, A Fashion Designer, UFOs, And A Ninja Sword Oxygen, 2018
- Joline Gutierrez Krueger: Upfront: Young boy was another victim in bizarre murder Yahoo, 2021
