Zum Inhalt
InsolitoFallarchivAlle FälleKarteSpiele
Alle Fälle

Ittenbach, Nordrhein-Westfalen, 2008–2014

Familie Paulus

Eine Mutter verschwindet 2008 in Ittenbach, jahrelang sucht die Polizei nicht nach ihr.

Lesezeit etwa 15 Minuten

Worum es geht

Im Februar 2008 verschwindet Sigrid Paulus aus ihrem Zuhause im nordrhein-westfälischen Ittenbach bei Königswinter, während die Familie unter Geldsorgen und Arbeitslosigkeit leidet. Ihr Mann Gerd erzählt den Kindern, sie sei nach einem Streit einfach gegangen, und berichtet später von zwei Besuchen, bei denen sie persönliche Sachen abgeholt habe. Die Polizei sieht zunächst keinen Anlass zu ermitteln, sodass Tochter Christina Jahre später die Medien einschaltet. Erst als mehrere Sendungen berichten, nimmt die Polizei Ende 2012 die Ermittlungen auf. Bei Christina wächst unterdessen ein Verdacht, der den Fall in eine neue Richtung lenkt.

Luftbild von Ittenbach, vom Ölberg aus
Luftbild von Ittenbach, vom Ölberg aus. Foto: Tohma (talk), CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Im heutigen Video geht es um die Familie Paulus. Eine ganz normale Familie, mit ganz normalen Problemen. Doch eines Tages verschwindet die Mutter auf mysteriöse Art und Weise und taucht auch nie wieder auf. Warum und wohin ist sie verschwunden?

Die Familie Paulus

In dem beschaulichen 3000-Seelen-Örtchen Ittenbach, nahe Königswinter in Nordrhein-Westfalen, beginnt die Geschichte der Familie Paulus. Die Eltern, Sigrid und Gerd Paulus, lernen sich in ihren Anfang Zwanzigern bei der Arbeit kennen. Beide kellnern in einem Gasthof, verlieben sich und heiraten. Mehr als zwanzig Ehejahre verbringen die beiden als glückliches Paar und leben gemeinsam mit ihrer Tochter Christina und ihrem Sohn Sebastian einen idyllischen Alltag in der dörflichen Gemeinde. Das Leben besteht hier aus ausgiebigen Spaziergängen, guten Nachbarschaften und langen Arbeitstagen.

So auch für Gerd Paulus, den Vater der Familie, der oft lange Schichten in der Gastronomie schiebt, um sich und seiner Familie ein schönes Leben ermöglichen zu können. Dass es den Kindern an nichts fehlt, ist die oberste Priorität – und den beiden gelingt der Spagat. Die Tochter Christina beschreibt ihre Kindheit als durchweg glücklich. Nach außen hin scheint sich das Ehepaar Paulus gut zu ergänzen. Während er ein ruhiger, freundlicher und fleißiger Mann ist, ist Sigrid voller Temperament.

Eins haben die beiden aber gemeinsam: Sie stellen ihre Familie über alles andere. Kurz nachdem sie 1988 geheiratet haben, machten sie sich selbstständig und eröffneten einen eigenen Gasthof. Das Ehepaar träumte von einem guten Leben, doch zu zweit und mit zwei kleinen Kindern wurden ihre Ausgaben schon bald höher als die Einnahmen, die der kleine Gasthof einbringen konnte – manchmal gab es wegen der angespannten finanziellen Situation Streit, wie in so vielen Familien.

Einerseits störte es Sigrid und die Kinder, dass der Vater sich seiner Arbeit so sehr verschrieben hat, andererseits waren sie dafür dankbar, dass er die Familie auf diesem Weg ernähren und den Kindern vieles ermöglichen konnte.

Dennoch wünschte Sigrid sich, dass ihr Mann mehr Zeit für sie und die Kinder hätte und sie bei der Erziehung weniger im Stich lassen würde. Schon bald ging der von der Familie geführte Gasthof pleite, doch die Familie Paulus gab nicht auf. Während Sigrid auf die beiden gemeinsamen Kinder aufpasste, arbeitete Gerd in mehreren Jobs gleichzeitig, um den Lebensstandard der Familie halten zu können, sodass er selbst am Wochenende kaum mehr zuhause war. So entstand ein Teufelskreis des Konfliktes; Gerd war gezwungen, zum Wohle seiner Familie weiterhin hart zu arbeiten, schürte damit jedoch unweigerlich Spannungen zwischen ihm selbst und seiner Ehefrau Sigrid.

1998 zieht die Familie schließlich in ein günstigeres Mietshaus am Rand von Ittenbach, dennoch lassen die finanziellen Probleme einfach nicht nach. Vor allem Sigrid fällt es schwer, ihren Lebensstandard an die instabilen Finanzen anzupassen. Infolgedessen verschuldet sich die Familie immer wieder, sodass Gerd Paulus in den frühen 2000ern in dem Versuch, seinen Kopf aus der Schlinge der Schulden zu ziehen, sogar dreimal wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt wird. Er kommt aber jeweils mit geringen Strafen davon.

Seine Kinder, die Bekannten und die Nachbarn ahnen von alldem jedoch nichts – Gerd Paulus tritt wie eh und je als freundlicher, offener Mensch auf, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, ganz wie er es in der Gastronomie jahrelang geübt hatte, und auch die Beziehung zu seiner Frau wirkt trotz der Spannungen zwischen den beiden stabil und ruhig.

Doch Anfang 2008 kommt es für die Familie zum Super-GAU: Sowohl Gerd als auch Sigrid, die inzwischen ebenfalls einen Job angenommen hat, werden arbeitslos, ihr Arbeitgeber musste Insolvenz anmelden und war deshalb gezwungen, die beiden zu entlassen. Das Leben der Familie verkompliziert sich immer weiter, und vor allem Sigrid ist wütend und hilflos angesichts der Lage, die sich immer weiter verschlimmert, egal, was sie tun oder versuchen.

Das Verschwinden von Sigrid

Der 14. Februar 2008 beginnt als ganz normaler Tag für die Familie Paulus. Wie jeden Morgen steht Gerd um 6 Uhr auf, um seinen Kindern das Frühstück vorzubereiten, bevor diese in die Schule gehen und er sich wieder zu seiner Frau Sigrid ins Bett legt, um noch ein wenig weiter zu schlafen. Am Mittag befinden sich die Kinder der Familie Paulus nach einem anstrengenden Schultag im Bus auf dem Weg nach Hause, als sie einen Anruf von ihrem Vater erhalten. Er bittet sie, schon an einer früheren Haltestelle als üblich auszusteigen, um gemeinsam in einem Restaurant zu Mittag zu essen. Als die Geschwister schließlich, wie vom Vater beauftragt, an der Haltestelle aussteigen, wartet er dort auf sie, allein. Als Christina fragt, wo denn ihre Mutter sei, sagt der Vater nüchtern: „Mama ist abgehauen.“ Er schildert beim gemeinsamen Restaurantbesuch weiter, dass er und seine Ehefrau einen Streit gehabt hätten, infolgedessen Sigrid das Haus zu Fuß verlassen habe, ohne zu sagen, wohin sie gehen würde. Er beschwichtigt seine Kinder aber und sagt, dass die Mutter sicherlich bald nach Hause kommen würde. Als Sigrid Paulus auch am Abend immer noch nicht da ist, beginnt Gerd, bei Bekannten und Freunden herumzutelefonieren und nach Sigrid zu fragen, doch niemand will sie gesehen haben.

Es vergehen unfassbar lange Tage, die gefüllt sind mit nichts als Ungewissheit. Während Gerd sich sicher ist, dass Sigrid die Familie aufgrund der Streitigkeiten und Geldprobleme verlassen hat, um ein neues Leben zu beginnen, bleiben vor allem für seine Kinder viele Fragen offen. Weshalb ist ihre Mutter, die die Familie doch über alles gestellt hat, so plötzlich, ganz ohne Vorankündigung verschwunden?

Eine erste Wendung in dem Fall gibt es, als Christina und ihr Bruder einige Tage nach dem Verschwinden ihrer Mutter aus der Schule kommen. Der Vater wartet mit einer neuen Hiobsbotschaft auf seine Kinder: Er erzählt, Sigrid sei kurz zu Hause gewesen, als die Kinder in der Schule waren. Allerdings nicht, um wieder ins gemeinsame Haus einzuziehen und sich wieder dem Familienalltag zu widmen, sondern um einige ihrer persönlichen Gegenstände abzuholen.

Zwei junge Männer hätten ihr dabei geholfen, die Sachen in einen Lieferwagen, genauer gesagt einen weißen VW-Bus mit Kölner Kennzeichen, zu verfrachten und seien schließlich gemeinsam mit ihr davongefahren. Von einer Nachricht für die Kinder oder einem hinterlassenen Andenken fehlt jede Spur. Sigrid Paulus verschwindet erneut, ohne irgendwelche Indizien zu hinterlassen. Besonders kurios ist, dass sich eine ähnliche Situation schon wenige Tage zuvor, ebenfalls in Abwesenheit der Kinder, abgespielt haben soll. Sigrid sei nach Hause gekommen, während die Kinder in der Schule gewesen seien und habe einige persönliche Dinge in eine Reisetasche gepackt. Doch weder nach dem ersten noch nach dem zweiten Auftauchen von Sigrid meldet sie sich bei Christina oder Sebastian. Beinahe scheint es, als würde sie ein Aufeinandertreffen mit ihren beiden Kindern gezielt vermeiden wollen.

Christina fragt sich in dieser Zeit oft, weshalb ihre Mutter sich wohl entschieden hat, die Familie zu verlassen. Vielleicht wegen der Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Geldes, die ihren Eltern den einen oder anderen Streit beschert haben? Doch so sehr sie auch nach einem Grund oder einer Erklärung sucht, Christina kehrt immer wieder zu ein und derselben Frage zurück. Warum? Warum ist ihre Mutter einfach verschwunden? Sie hatte ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter, auch wenn es im Teenageralter sicherlich ein paar potenzielle Konflikte zwischen Mutter und Tochter geben kann. Aber dass Sigrid sich von einem auf den anderen Tag gar nicht mehr meldet, nicht einmal zu Geburtstagen oder an Feiertagen wie Weihnachten, kann Christina einfach nicht begreifen.

Auch eine Schwester von Sigrid kommt mit dem Verschwinden nur schwer zurecht. Auf einer Familienfeier beschuldigt sie in betrunkenem Zustand sogar den Ehemann der Vermissten, sie ermordet und im Garten vergraben zu haben. Einmal glaubt Christina sogar, ihre Mutter bei einem Besuch im Park zu sehen und ruft nach ihr. Doch die Frau, die sie als Sigrid erkennt, reagiert nicht, geht weiter und verschwindet in der Menschenmenge. Zwar sucht Christina noch weiter nach der Frau, die sie gesehen hat, doch kann sie sie nicht finden.

Das Leben der Familie nach dem Verschwinden

Das Schlimmste für die Angehörigen ist, dass die Polizei gar nicht nach Sigrid Paulus sucht. Zwar gehen Christina und Gerd wenige Wochen nach Sigrids Verschwinden gemeinsam zur Polizei, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben, doch dort werden die beiden abgewimmelt. Als Frau mittleren Alters ist Sigrid erwachsen und hat damit das Recht, ihren Aufenthaltsort frei zu bestimmen, ohne Angehörige oder Freunde informieren zu müssen. Und da sie vor ihrem Verschwinden keiner Gefahr oder Bedrohung ausgesetzt war, glaubt die Polizei nicht an ein Verbrechen und kommt zu dem Schluss, dass Ermittlungen nicht nötig seien.

In dieser Zeit wird das Verhältnis zwischen den Kindern und dem Vater enger – war er früher noch außergewöhnlich viel mit seiner Arbeit beschäftigt, nimmt er sich nun alle Zeit der Welt, um ihnen beizustehen und die verbliebene Familie zusammenzuschweißen. Parallel dazu gibt es im Dorf erste Gerüchte darüber, dass Sigrid mit einem anderen Mann abgehauen sei und ihre Familie verlassen habe.

2009 gibt es dann endlich den lang ersehnten Hoffnungsschimmer. Bei einem erneuten Besuch auf der Polizeiwache erfährt die Familie, dass im Rahmen einer Verkehrskontrolle in Düsseldorf die Personalien einer Sigrid Paulus aufgenommen wurden. Doch so schnell wie diese Spur aufkam, verläuft sie auch wieder im Sande, und Sigrid bleibt verschwunden. Einige Jahre später erklärt Gerd, angesprochen auf diesen vermeintlichen Hinweis, dass die Familie wohl schlicht etwas falsch verstanden habe, und es keinen triftigen Grund dafür gegeben habe, zu glauben, dass es sich bei der kontrollierten Frau wirklich um die Vermisste gehandelt habe. Darüber hinaus werden Einträge aus Verkehrskontrollen in der Regel nach wenigen Jahren wieder aus dem System der Polizei gelöscht. Der Datenschutz macht es also unmöglich, diese Begebenheit nachträglich noch einmal genauer zu überprüfen.

Die Ermittlungen

Die Familie Paulus hat keine andere Wahl, als ihr Leben weiterzuleben. Tatsächlich lernt Gerd eine neue Frau kennen, die schon bald zu ihm zieht. Im August 2011 verstirbt der Vater von Sigrid Paulus, ohne jemals von dem wahren Schicksal seiner Tochter zu erfahren. Christina zieht im darauffolgenden Jahr aus dem Elternhaus aus und heiratet kurze Zeit später. Als sich die Mutter auch zu ihrer Hochzeit und dem Tod ihres eigenen Vaters nicht meldet, beschließt die Tochter, die Sache in ihre eigenen Hände zu nehmen. Zu laut sind inzwischen ihre Zweifel geworden, ob ihre Mutter nicht doch einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte.

Sie kontaktiert Fernsehsender und bittet sie über den Fall ihrer Mutter zu berichten, in der Hoffnung, neue Spuren zu finden und endlich Antworten auf ihre drängenden Fragen zu bekommen. Vor allem RTL und der WDR nehmen sich des Falles an und senden Berichte und Fahndungsaufrufe zum Vermisstenfall Sigrid Paulus. Mit dem neu aufgekommenen medialen Druck bleibt der Polizei schlussendlich doch keine andere Wahl, als Ende 2012 die Ermittlungen aufzunehmen, zu groß ist das Interesse der Öffentlichkeit. Darüber hinaus machen erste Erkenntnisse die Beamten nun doch stutzig. So hat Sigrid Paulus sich nie umgemeldet, und auch ihre Krankenkassenkarte wurde nach ihrem Verschwinden nie wieder benutzt. Darüber hinaus verlaufen Abfragen bei Finanzbehörden oder Geldinstituten erfolglos, scheinbar hat Sigrid Paulus nach dem 14. Februar 2008 nirgends eine digitale oder behördliche Spur hinterlassen. Dass jemand zwar vier Jahre lang untertaucht, in dieser Zeit aber nicht einmal irgendwo gemeldet ist, Geld abhebt oder einen Arztbesuch macht, erscheint höchst unrealistisch. Ab diesem Zeitpunkt schließt die Polizei nicht länger aus, dass Sigrid Paulus einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein könnte.

Christina, Sebastian und Gerd zeigen sich erleichtert darüber, dass die Ermittlungen nun endlich ins Rollen zu kommen scheinen. „Ich hoffe (…), dass es geklärt wird, damit man endlich zur Ruhe kommt und abschließen kann“, sagt Gerd zu dieser Zeit in einem Interview. Nun beginnt die Polizei auch mit der Fahndung nach den beiden Männern, die Sigrid Paulus kurz nach ihrem Verschwinden geholfen haben sollen, ihre Habseligkeiten mit dem weißen VW-Bus aus dem Mietshaus in Ittenbach zu holen – doch es gehen keinerlei Hinweise von potenziellen Zeuginnen oder Zeugen ein.

Die Familie tritt nun mehrmals im Fernsehen auf, unter anderem auch bei „Aktenzeichen XY – Ungelöst“, der Fall geht durch die Boulevardpresse. Im Nachgang der „Aktenzeichen XY“-Aufzeichnung gehen tatsächlich einige Hinweise von Zeuginnen und Zeugen ein, die Sigrid Paulus an verschiedenen Orten in Deutschland gesehen haben wollen, letztendlich führen sie aber ins Leere. Aufgrund der inkonsistenten Spurenlage wird es aus Sicht der Ermittlerinnen und Ermittler immer unwahrscheinlicher, dass Sigrid noch am Leben ist. Inmitten all dieser Ereignisse und des medialen Trubels lässt sich Gerd Paulus 2013, fünf Jahre nach ihrem Verschwinden, offiziell von Sigrid scheiden, um seine neue Frau heiraten zu können.

Zu dieser Zeit verändert sich etwas in Christinas Gedanken. Nach nunmehr fünf Jahren Ungewissheit und dem nicht verschwinden wollenden Gefühl, dass irgendetwas an der Geschichte rund um das Verschwinden ihrer Mutter nicht stimmt, schleicht sich ein stiller, aber beständiger Verdacht ein. Die letzte Person, die ihre Mutter gesehen hat, war ihr Vater. Die zwei letzten Male, wo sie zuhause gewesen sein soll, war er alleine mit ihr, kein anderer Mensch hat Sigrid gesehen, weder am Tag ihres Verschwindens noch bei den beiden Begegnungen wenige Tage später, als sie ihre Sachen abgeholt haben soll. Den Gedanken, dass Gerd Paulus, ihr eigener Vater und Sigrids Ehemann, etwas mit dem Verschwinden zu tun haben könnte, möchte sie nicht wahrhaben – und trotzdem geht sie mit ihren Bedenken zur Mordkommission.

Dass in Fällen wie dem von Sigrid Paulus früher oder später der Ehepartner verdächtigt wird, ist beinahe ein natürlicher Mechanismus innerhalb des Ermittlungsprozesses. Vor dem Hintergrund, dass niemand außer Gerd das zweimalige Wiederauftauchen von Sigrid bezeugen kann, stürmen Polizeibeamte am Morgen des 30. Oktober 2013 mitsamt schweren Waffen das Grundstück der Familie Paulus. Im Schlepptau haben sie Leichenhunde, die sich den gesamten Garten vornehmen, in dem der Vater der Familie kürzlich Umgrabungsarbeiten begonnen hatte. Gerd selbst erscheint im Haus, sieht all die Polizisten, die Spürhunde und die Angst in den Augen seiner Kinder – und führt die Polizei schließlich nach unten, in den Keller des Hauses und zeigt auf ein Weinregal.

Die Klärung des Verbrechens

Was sich nun herausstellt, klingt absolut unglaublich – doch hinter dem Weinregal befindet sich der mumifizierte Leichnam von Sigrid Paulus. Tatsächlich hat sie ihr Haus am Vormittag des 14. Februar 2008 nie verlassen. Stattdessen wurde sie dort getötet und verscharrt, von ihrem eigenen Ehemann. Nach der Tat hatte er ihren Leichnam im Keller hinter einem Weinregal eingemauert. Die Ermittlerinnen und Ermittler brauchen mehrere Stunden, um die Leiche aus der Mauer zu bergen.

Für die Kinder der Familie Paulus bricht eine Welt zusammen. All die Jahre des Bangens und der leisen Hoffnung, dass Sigrid doch eines Tages wieder auftauchen würde, zerschellen. Und noch mehr: Die Kinder verlieren nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihren Vater. Fünf Jahre lang hat er so getan, als wüsste er genauso wenig wie sie, was mit ihrer Mutter passiert ist – gegenüber den Nachbarn, den Polizeibeamten, der Medienlandschaft und sogar gegenüber seiner eigenen Familie.

Doch nun bekommen die Kinder das, worauf sie fünf Jahre lang so verzweifelt warten mussten: Antworten. Gerd gesteht, dass es am Morgen des 14. Februar einen großen Streit gegeben habe. Die Auseinandersetzung eskaliert so sehr, dass Sigrid und Gerd einander lautstark anschreien. Als Gerd das Badezimmer, in dem die beiden sich aufhielten, verlassen will, um sich der Situation zu entziehen, stößt er Sigrid von sich. Sie rutscht auf dem Boden aus und schlägt sich den Hinterkopf auf. Sie ist wütend, steht auf und packt ihn. An dieser Stelle hat Gerd laut eigenen Aussagen einen Blackout. Und als er wieder zu sich kommt, liegt Sigrid leblos vor ihm. Ob das wirklich so passiert sein kann, ist umstritten. Bei der Obduktion finden die Gerichtsmediziner heraus, dass Gerd Sigrids Hals für lange drei Minuten zugedrückt haben muss, so stark, dass ihr Kehlkopf zerquetscht wurde. Für gewöhnlich dauern solche Blackouts weniger lang, zumal Gerd eine Menge Kraft aufgebracht haben muss, um seiner Frau so massive Verletzungen zuzufügen.

Die Gegenstände, die Sigrid Paulus angeblich in den Wochen nach ihrem Verschwinden mithilfe zweier Männer abgeholt und weggebracht habe, hat Gerd in Wahrheit online und beim Juwelier verkauft und zu Geld gemacht, um den Fragen der Kinder zu entgehen und ein wenig Geld in die Haushaltskasse zu spülen. In einer 2017 erschienenen Doku vom WDR berichtet er jedoch, er habe die persönlichen Gegenstände entsorgt, da er es nicht länger ausgehalten habe, sie täglich zu sehen. Die vermeintliche Sichtung von Sigrid in einem Park durch ihre Tochter Christina ist mit dem Auffinden des Leichnams und der Aussage des Vaters widerlegt – sie muss eine Frau gesehen haben, die zwar eine erhebliche Ähnlichkeit mit ihrer Mutter aufwies, jedoch war Sigrid bereits am Morgen des 14. Februar 2008 von ihrem Ehemann getötet worden. Ohne das Beisein von Gerd Paulus wird Sigrid am 14. November 2013, gute zwei Wochen nach ihrem Auffinden, beigesetzt.

Im März 2014 wird er verurteilt – das Gericht entscheidet sich für acht Jahre Haft wegen Totschlags. Das bedeutet, dass er im Laufe dieses Jahres 2022 aus der Haft entlassen werden könnte. Christina hält bis heute den Kontakt zu ihrem Vater. Sie schreiben sich Briefe, er erzählt ihr von ihrer Mutter, teilt seine Erinnerungen mit ihr. In einem der Briefe an seine Tochter schreibt Gerd: „Liebe Chrissi, wenn ich die Chance hätte, nur eine Sache zu ändern, in allem, was ich angerichtet habe, dann wäre es die, dass ich dir sofort die Wahrheit sagen würde. Ich hoffe, du kannst mir eines Tages verzeihen.“

Und damit sind wir am Ende des heutigen Videos. Ein tragischer Fall, der aber – anders als viele andere Fälle – aufgeklärt werden konnte und das nur, weil Christina ihrem Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, nachgegangen ist. Man will sich nicht die Momente vorstellen, wo ihr klar wurde, dass ihr eigener Vater ihre Mutter umgebracht hat. Würdet ihr genauso wie Christina weiterhin Kontakt mit eurem Vater halten? Es gibt natürlich keine richtige Antwort darauf, ich bin aber gespannt, was ihr dazu sagt.

Falls euch das Video gefallen hat, dann hinterlasst doch gerne ein Like, Kommentar und/oder Abo. Mit nur zwei Mausklicks und ein paar Tastaturanschlägen unterstützt ihr den Kanal enorm und regt gleichzeitig den Algorithmus an, sodass Insolito Leuten vorgeschlagen wird, die den Kanal noch nicht abonniert haben!

Vielen Dank schon einmal im Voraus und auch vielen Dank fürs Zugucken. Gute Nacht und bis dann.

Quellen

  1. Der Ehemann, der seine Frau vergrub YouTube, 2017
  2. Mord an der Ehefrau: der Fall Sigrid P. SZ-Magazin, 2015
  3. Todesfall Sigrid Paulus Allmystery
Fallakte
Orte
Ittenbach, Königswinter, Düsseldorf
Region
Nordrhein-Westfalen
Land
Deutschland
Jahr
2008–2014
Status
Gelöst
Fallart
Tötungsdelikt, Vermisstenfall, Familie & Partnerschaft
Personen
Sigrid Paulus, Gerd Paulus, Christina, Sebastian
Lagekarte
Kartendaten: Natural Earth