Intro
Die Familie Coleman aus Illinois war eine Bilderbuchfamilie. Ein sich liebendes Ehepaar mit zwei gemeinsamen, gut erzogenen Söhnen. Sie hatten ein schickes Haus, beteten jeden Abend gemeinsam und besuchten regelmäßig die Kirche. Doch im Herbst 2008 begannen die Colemans plötzlich Drohbriefe und E-Mails zu bekommen. Jemand schien sie zu verachten und sie umbringen zu wollen. Aber bevor die Polizei den Absender der Mails ausfindig machen konnte, spielte sich im Haus der Colemans ein grausames Verbrechen ab. Doch niemand hätte ahnen können, welch schockierende Wahrheit sich hinter diesem Verbrechen versteckte.
Familie Coleman
Die Familie Coleman bestand aus dem 34-jährigen Familienvater Christopher, seiner Frau Sheri und den beiden gemeinsamen Söhnen Garett und Gavin. Gemeinsam lebten sie in einem großen Haus in der Vorstadt von Waterloo in Illinois. Christopher war viel unterwegs, denn er arbeitete für die TV-Predigerin Joyce Meyer. Joyce Meyer ist eine gläubige Christin, die durch die USA reist und Reden oder Gottesdienste abhält. Begleitet wurde sie dabei unter anderem von Christopher Coleman, der als ihr Sicherheitschef tätig war.
Christopher liebte seinen Job. Vor allem, weil er dabei viel reisen und neue Städte kennenlernen durfte. Aber sein Job wurde auch sehr gut bezahlt, weswegen die Colemans sich ein luxuriöses Leben leisten konnten. Der Glaube spielte auch in Sheris Leben eine wichtige Rolle und so beteten die beiden jeden Abend gemeinsam mit ihren Söhnen und besuchten regelmäßig die Kirche. Sheri und Christopher schienen sehr glücklich zu sein. Doch dann wurde ihr friedliches Leben plötzlich durcheinandergebracht.
Die Drohungen
Am 14. November 2008 hatte Christopher zum ersten Mal eine Drohmail in seinem Posteingang. Darin stand „Die Zeit läuft ab für dich und deine Familie!“ In den Tagen und Wochen darauf folgten dieser Mail noch viele weitere. Der Absender hatte ein Problem mit Joyce Meyer. Der Predigerin, für die Christopher arbeitete. So schrieb er, dass alles, was Joyce predigen würde, Schwachsinn wäre und Chris dafür büßen müsse, wenn er seinen Job nicht aufgäbe.
Die Mails, die von dem Absender destroychris@gmail.com stammten, wurden immer aggressiver und drohender, weswegen sich Christopher letztendlich an die Polizei wandte. Daraufhin bekamen die Colemans Polizeischutz. In den nächsten Monaten folgten immer mehr Mails, aber Chris und Sheri fühlten sich dank der Polizei sicher und gingen ihrem normalen Alltag nach. Am 27. April 2009 erhielt Chris eine letzte Drohmail, mit dem Inhalt „Das ist meine letzte Nachricht. Dein schlimmster Albtraum wird bald wahr werden.“
Daraufhin blieb es zunächst still. Sheri hatte die Hoffnung, dass der Spuk nun endlich ein Ende hat und sie ihr Leben wie gewohnt weiterleben können. Doch ihre Hoffnung sollte nicht wahr, sondern zerschmettert werden.
Der Mord
Es war der frühe Morgen des 05. Mai 2009, als Chris aus dem nahegelegenen Fitnessstudio seinen Nachbarn, einen Polizisten, der von den Drohungen wusste, anrief. Er erzählte ihm, dass er früh zum Training aufgebrochen wäre und nun seine Familie nicht erreichen könne. Normalerweise wäre Sheri zu dieser Uhrzeit schon wach. Der Nachbar hatte eine Kamera in Chris' Einfahrt installiert, aber konnte auf den Aufnahmen nichts Auffälliges finden. Auch die Polizeistreife, die nur kurze Zeit zuvor Patrouille gefahren war, meldete keine Auffälligkeiten beim Haus der Colemans.
Dennoch informierte er die Polizeiwache und ging anschließend gemeinsam mit anderen Polizisten zum Haus der Colemans. Von außen wirkte alles ruhig und friedlich, weswegen die Männer nicht auf das vorbereitet waren, was sich hinter der Fassade versteckte. In roter Sprühfarbe zierten Sätze wie „Nun hast du bezahlt!“ und „Ich beobachte dich!“ fast alle Wände des Hauses. Es wirkte so, als hätte jemand seine Drohungen wahr werden lassen. Und tatsächlich fanden die Polizisten Sheri und ihre Söhne tot in ihren Betten. Sie wurden stranguliert. An Sheri fand man deutliche Abwehrspuren. Wer immer sie ermordet hatte: Sie hatte sich stark gegen ihn gewehrt.
Kurz nachdem ein Rettungswagen und weitere Polizeiautos am Tatort ankamen, traf auch Chris ein. Die Polizisten erklärten dem besorgten Familienvater, dass seine Frau und seine Kinder leider tot aufgefunden wurden. Chris fragte nicht nach, was passiert war, er versuchte auch nicht an den Polizisten vorbei in sein Haus zu gelangen. Stattdessen sah man auf Kameraaufnahmen, wie er ruhig in seinen Vorgarten ging, sich auf den Boden setzte und zu weinen begann.
Während er noch von Reportern und Passanten bemitleidet wurde, interpretierte die Polizei sein Verhalten als merkwürdig. Sie fanden, dass seine Tränen und seine Trauer erzwungen wirkten – und der Gang in den Vorgarten wie ein Schauspiel. Aber nicht nur das, den Sanitätern, die ihn betreuten, fiel auf, dass Chris tiefe Kratzer am Arm hatte. Sie stellten ihn zur Rede, woraufhin Chris erzählte, dass er vor Wut gegen die Wand des Krankenwagens geschlagen habe und sich dadurch die Verletzungen zugezogen hat. Doch das passte nicht zu seinen Wunden. Von da an war Christopher Coleman der Hauptverdächtige im Mordfall seiner eigenen Familie.
Die Ermittlungen
Sofort begann die Polizei in Christophers Richtung zu ermitteln. Sie überprüften noch einmal die Überwachungsvideos von der Ausfahrt der Colemans. Dort konnte man sehen, wie Chris ungefähr eine Stunde, bevor er seinen Nachbarn aus dem Fitnessstudio anrief, das Haus verließ. Das machte die Ermittler stutzig, weil die Autopsien von Sheri und ihren Söhnen ergeben hatten, dass die drei bereits Stunden, bevor Chris das Haus verlassen hatte, tot waren. Als man sie fand, waren ihre Körper schon lange kalt und steif.
Christopher wurde verhört und damit konfrontiert. Aber er stritt alles ab und beharrte darauf, dass seine Familie noch am Leben war, als er das Haus verlassen hatte. Außerdem verwies er auf die Drohungen, die er die ganzen letzten Monate bekam. An dieser Stelle kamen die Ermittler erstmal nicht weiter. Aber da es sie verwunderte, dass Chris zwar stets derjenige war, der in den E-Mails bedroht wurde und jetzt aber der Einzige war, der überlebte, untersuchten sie seinen Computer und sein Handy. Und dabei fanden sie Erstaunliches.
Zunächst überprüfte die Polizei die IP-Adresse der destroychris@gmail.com E-Mails. Und ihnen fiel auf, dass alle Droh-E-Mails aus dem Haus der Colemans gesendet wurden. Doch das war nicht alles, was sie darin bestärkte, dass Chris seine Familie ermordet hatte.
Tara Lintz
Auf seinem Handy fand die Polizei Nachrichten von einer gewissen Tara Lintz. Tara war eine Jugendfreundin von Sheri, die mittlerweile in der Nähe als Kellnerin in einer Cocktailbar arbeitete. Und je mehr die Ermittler von dem Nachrichtenverlauf zwischen Chris und Tara lasen, desto deutlicher wurde, dass die beiden seit Oktober 2008 eine Affäre hatten. Also genau einen Monat, bevor die Drohungen begannen. Chris hatte die ganzen Monate über seinen Job als Vorwand genommen, um länger von Zuhause wegzubleiben und sich mit Tara zu treffen. Sheri war es gewohnt, dass ihr Mann viel reisen musste, weswegen es sie nicht verwunderte, wenn Chris mal wieder ein Wochenende unterwegs war.
Die Polizei fand zahlreiche Videos und Nachrichten, in denen Tara und Chris sich die ewige Liebe geschworen und davon gesprochen haben, dass sie heiraten wollten. Immer wieder tagträumten sie in Form von Nachrichten von der schönen Ehe, die sie bald haben würden. Doch Chris war mit Sheri verheiratet und war deswegen in einer Zwickmühle. Er wollte mit Tara zusammen sein, doch dafür hätte er sich von Sheri scheiden lassen müssen. Und Joyce Meyer, seine Chefin, war extrem gläubig. Sie verurteilte Affären sowie Scheidungen stark und in der Vergangenheit war es schon vorgekommen, dass Kollegen von Chris gekündigt wurden, nachdem sie sich scheiden ließen. Christopher hatte Angst, dass ihm das gleiche Schicksal bevorstehen würde, weswegen er Tara immer wieder vertröstete und seine Scheidung aufschob.
Doch Tara wurde das irgendwann zu blöd. Im April 2009 stellte sie Chris ein Ultimatum. Entweder er würde sich bis zum 04. Mai von Sheri scheiden lassen, oder sie würde sich trennen und seine Affäre öffentlich machen.
Chris versicherte Tara, dass er sich dieses Mal wirklich scheiden lassen würde. Als die Frist eintraf, rief sie Chris an. Er sagte ihr, die Scheidungspapiere seien fertig und er würde sie am nächsten Tag seiner Frau übergeben. Doch stattdessen fand man einen Tag nach dem Fristende die Leichen von Sheri, Garett und Gavin. Damit war für die Ermittler das Motiv für die Tat klar. Weitere Untersuchungen bestärkten die Theorie. Die Ermittler überprüften Sheris Handy. Darauf fanden sie Nachrichten, die Sheri ihren Freundinnen geschrieben hatte. Sie erzählte ihnen, dass Chris die Scheidung einreichen wolle und sehr aggressiv sei. Er habe sie angeschrien und ihr die Schuld gegeben, dass seine Karriere ruiniert sei. Sie und die Kinder hätten ihm sein Leben zerstört. Weiter schrieb Sheri, dass sie Angst habe, dass Chris ihr etwas antun würde.
Mittlerweile war auch die DNA, die man unter Sheris Fingernägeln gefunden hatte, analysiert worden. Sie gehörte Chris. Der letzte Beweis, den man wahrscheinlich nicht mal mehr gebraucht hätte, war eine Kreditkartenabrechnung von Chris, auf der man sehen konnte, dass er rote Sprühfarbe gekauft hatte. Die Sprühfarbe, mit der die wahr gewordenen Drohungen im Haus unterstrichen wurden. Kurz darauf meldete sich ein Nachbar von Chris bei der Polizei. Betroffene Bürger hatten in der Straße, in der die Colemans wohnten, einen Gedenkschrein errichtet, an dem sie Kerzen und Blumen abgelegt hatten. Er hätte beobachtet, wie Chris all die Sträuße und Kerzen in den Müll geworfen hätte.
Setzte man all diese Puzzleteile zusammen, blieb kein Zweifel übrig, dass Christopher Coleman seine Frau und seine beiden Söhne kaltblütig ermordet hatte, weil er sich nicht scheiden lassen wollte. Die Polizei wartete trotzdem noch etwas ab, um möglichst viele Beweise zu sammeln und jegliche Chance auf einen Freispruch vor Gericht zu vereiteln. Schlussendlich ergab der abschließende Autopsiebericht einen Todeszeitpunkt von drei Uhr morgens. Chris selbst hatte angegeben zu dieser Zeit zuhause gewesen zu sein.
Am 19. Mai wurde Christopher Coleman verhaftet. Er plädierte weiterhin auf unschuldig. Die E-Mails wären von seinem Computer aus gesendet worden. Seinen Aussagen nach sei er gehackt worden und seine Familie hätte noch gelebt, als er das Haus verließ. Doch das genügte der Jury nicht. Chris wurde vor Gericht schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe ohne Chance auf Bewährung verurteilt. Nachdem das Urteil verkündet wurde, sagte die Anklage abschließend: „Er hat gespürt wie seine kleinen Söhne in seinen Händen langsam sterben. Er wertschätzt das Leben nicht. Er hat die Strafe verdient.“
Epilog
Und damit sind wir schon am Ende des heutigen Videos angelangt. Christopher Coleman hat seine Frau und seine beiden kleinen Söhne ermordet, damit seine Affäre nicht an die Öffentlichkeit kommt und er dadurch seinen Job nicht verliert, mit dem er sich sein luxuriöses Leben finanzieren konnte. Man kann nur von Glück reden, dass er seine Spuren nur äußerst nachlässig verwischt hat und so seine gerechte Strafe für seine egoistische und kaltblütige Tat bekam.
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Quellen
- The Disturbing Coleman Family Murders YouTube, 2020
- Millionaire father plotted the death of his own family to be with his mistress Daily Mirror, 2015
