Intro
Sie wirkten, wie aus einem romantischen Hollywood-Film entsprungen. Emma Walker und Riley Gaul waren ein klassisches High-School-Pärchen. Sie eine beliebte Cheerleaderin und er ein erfolgreicher Footballer. Einige Neider gönnten ihnen ihr Glück nicht. Aber nichts war so, wie es nach außen schien. Und als die 16-jährige Emma im Herbst 2016 im Schlaf brutal ermordet wurde, begann das perfekte Bild von ihr und Riley zu bröckeln. Mit Hilfe einer ausgeklügelten Falle gelang es der Polizei schlussendlich hinter die trauernde Fassade von Riley zu blicken. Dabei offenbarte sich ihnen Schreckliches, was man aber vielleicht schon lange hätte ahnen können.
Emma Walker und Riley Gaul
Emma Walker wurde am 20. März 2000 in Tennessee geboren. Gemeinsam mit ihrem Bruder Evan wuchs sie bei ihren Eltern Mark und Jill in Knoxville auf. Die Familie wohnte in einem schicken Haus in der Vorstadt und wurde von ihren Nachbarn sehr gemocht. In Knoxville ging Emma auch auf die High School. Schon im Freshman Year konnte sie viele Freundschaften knüpfen und gewann mit ihrer liebevollen, warmherzigen Art die Sympathien fast aller Mitschüler.
Auf den ersten Blick mag Emma wie eine klischeehafte hübsche und oberflächliche Cheerleaderin gewirkt haben. Aber jeder, der sie näher kennenlernte, war überrascht über ihre Bodenständigkeit und Güte. Neben der High School arbeitete Emma als Aushilfe in einem Supermarkt. Und in ihrer Freizeit half sie ehrenamtlich im örtlichen Tierheim aus. Ihr größter Traum war es, nach dem College Krankenschwester für Neugeborene zu werden. Leider sollte ihr zwei Jahre später jegliche Gelegenheit dazu genommen werden.
Emmas größte Hobbys waren das Tanzen und Cheerleading. Mit 14 wurde sie in das Cheerleader-Team der High School aufgenommen. Alle anderen Mädchen im Team waren schon etwas älter, aber durch ihre herausragende Leistung konnte der Coach sie nicht ablehnen. Emma war überglücklich und schnell fand sie auch dort einige Freunde.
Da sie das Cheerleading sehr ernst nahm, durfte sie bald mit ihrem Team die Spiele der Football-Mannschaft ihrer High School begleiten. Emma freute sich, denn sie mochte Football sehr gerne. Aber besonders einer der Spieler hatte es ihr angetan. Riley Gaul. Riley kam aus einer sehr gläubigen Familie und ging regelmäßig in die Kirche. Er hatte ausgesprochen gute Noten, spielte gerne Videospiele und wurde von seinen Freunden als „Spaßvogel“ bezeichnet. Riley wuchs bei seinen Großeltern und seiner Mutter auf und wollte später den Sprung in die NFL schaffen, um mit seiner größten Leidenschaft Geld zu verdienen. Man hätte ihn als den klassischen Jungen von nebenan bezeichnen können.
Schon als sie ihn das erste Mal sah, verguckte Emma sich in den zwei Jahre älteren Riley. Sie schätzte ihre Chancen bei ihm allerdings als sehr gering ein, da dieser damals eine Freundin hatte. Aber je häufiger sie ihm beim Cheerleading auffiel, desto mehr Sympathien entwickelte auch der 16-Jährige für die blonde Schönheit. Kurz darauf beendete er seine Beziehung, da er Gefühle für Emma entwickelt hatte. Und es dauerte nicht lange, bis die beiden ein Paar wurden.
Allerdings stand noch ein Schulball an, auf den Riley mit seiner Exfreundin gehen wollte, da er ihr das versprochen hatte. Er sprach mit Emma darüber und für sie war das okay. Aber Emmas Eltern Mark und Jill sahen hier schon das erste Warnsignal. Sie fanden es nicht gut, dass Riley nicht zu ihrer Tochter stand. Aber Emma war sehr stur und ließ sich nicht von ihren Eltern beeinflussen. In den nächsten Wochen lernten Mark und Jill Riley besser kennen. Er war fast jeden Tag bei ihnen zu Besuch. Und tatsächlich ließen sie sich davon überzeugen, dass Riley ein höflicher und gut erzogener Junge war. Emmas Vater beschrieb ihn als sehr zuvorkommend und war froh, dass er seine Tochter so glücklich machte.
Dieses Glück teilten die beiden sehr aktiv auf Social Media. Auf Twitter und Instagram fand man zahlreiche Posts mit Pärchenbildern. Emma postete immer wieder Nachrichten wie „Ich kann nicht glauben, wie viel Glück ich habe.“ Nach außen schien ihre Beziehung perfekt zu sein. Zwei beliebte und erfolgreiche Teenager, die sich gefunden hatten. Fast wie in einem kitschigen Liebesfilm aus den 90er Jahren. Doch ihr Glück sollte nicht allzu lange anhalten.
Riley weigerte sich Emmas Freunde kennenzulernen. Und bald störte er sich auch daran, wenn sie sich mit ihnen traf. Dann begann er, ihr vorzuschreiben, was sie anziehen sollte. Bestimmte Kleidungsstücke, die ihm zu freizügig waren, verbot er ihr ganz. Wenn Emma im Supermarkt arbeiten musste, begleitete Riley sie oft, wartete stundenlang darauf, dass sie Feierabend hatte, und kontrollierte dabei, dass sie, während ihrer Schicht, nicht mit anderen Männern flirtete. Emma fühlte sich von Rileys besitzergreifender Art eingeengt. Sie stritten oft. Immer wieder trennten sie sich für ein paar Tage, nur um dann doch wieder zusammenzukommen. Emmas Freunde erzählten, dass es bei den beiden stets sehr dramatisch zuging.
Rileys Verhalten spitzte sich zu. Er vertraute ihr nicht und wollte immer wissen, was sie gerade machte und mit wem sie sich traf. Wenn sie unterwegs war, tyrannisierte er sie mit zahlreichen Anrufen und Textnachrichten. Wenn er wütend wurde, begann er ihr aggressive und beleidigende Nachrichten bei Snapchat zu schreiben. Einmal schrieb er ihr nach einem Streit: „Ich hasse dich. Ich hasse alles an dir. Du bist die größte Bitch, die ich je kennengelernt habe.“
Kurz darauf fügte er hinzu: „Du bist tot für mich. Ich werde bald deinen Namen in den Todesanzeigen lesen.“ Emma bekam Angst und erzählte ihren Eltern von den Nachrichten. Mark und Jill waren schockiert. Sie stellten Riley zur Rede. Dieser entschuldigte sich und sagte, dass das ja nicht ernst gemeint war, er sei bloß wütend gewesen. Doch Emmas Eltern waren nicht überzeugt. Sie redeten auf ihre Tochter ein, dass sie die Beziehung endgültig beenden sollte. Doch, wie das bei Teenagern so ist, wollte Emma sich nichts von ihren Eltern vorschreiben lassen.
Daraufhin verboten sie Riley, das Haus zu betreten und nahmen Emma ihr Handy weg. Doch als sie Riley davon erzählte, schenkte dieser ihr einen iPod Touch, über den sie weiter kommunizierten. Alle weiteren Versuche von Emmas Eltern, die beiden zu trennen, scheiterten. Und so führten sie fast zwei Jahre lang eine sehr toxische On-off-Beziehung. Ende Sommer 2016 schloss Riley dann die High School ab und ging auf ein 30 Minuten entferntes College. Emmas Eltern waren erleichtert und erhofften sich, dadurch dass sich die Teenager nun nicht mehr so oft sehen konnten, endlich etwas Freiheit für ihre Tochter.
Als das aber nicht klappte und sich die beiden weiterhin dateten, verboten Mark und Jill ihrer Tochter sämtlichen Kontakt zu Riley. Doch Emma schlich sich heimlich raus oder gab vor Freunde zu treffen, um ihn zu besuchen. Als Emmas Eltern das erfuhren, zogen sie klare Grenzen. Emma durfte von nun an nur noch zur Schule und zum Cheerleader-Training gehen. Oft fuhren sie die 16-Jährige zu ihren Terminen und holten sie anschließend auch direkt wieder ab. Die Einengung, die Emma durch Riley erfahren hat, wurde durch die Regeln ihrer Eltern ersetzt.
Die Trennung
Die Strategie der Eltern schien aufzugehen. Emma und Riley trafen sich tatsächlich nicht mehr und Emma wirkte auf sie endlich wieder unbeschwert und fröhlich. Bald darauf postete Riley auf Snapchat einige Bilder, auf denen er anderen Mädchen von seinem College sehr nah war. Emma wurde wütend. Sie fand, dass sie etwas Besseres verdient hatte, und beendete, sehr zur Freude ihrer Eltern, ihre Beziehung zu Riley endgültig. Während es Emma in den nächsten Tagen zunehmend besser ging, rutschte Riley immer weiter ab. Ihn nahm die Trennung so sehr mit, dass er einige Tage später einen Selbstmordversuch unternahm. Er schluckte mehrere Schmerzmittel und spülte die Tabletten mit einer großen Menge Alkohol herunter.
Glücklicherweise wurde er noch rechtzeitig gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Riley überlebte. Am 18. November 2016 spitzten sich die Dinge dann zu. Emmas High School hatte ein wichtiges Football-Spiel gewonnen und feierte eine Party. Aufgrund von Emmas gutem Benehmen in den letzten Wochen erlaubten ihr ihre Eltern die Party zu besuchen. Doch unbeschwert feiern konnte sie nicht, denn gegen 23.30 Uhr bekam sie komische Textnachrichten von einer unbekannten Nummer. Die Person schrieb: „Ich habe jemanden den du liebst. Ich werde ihm wehtun, wenn du nicht rauskommst. Komm alleine.“
Emma versuchte sich abzulenken und damit zu beruhigen, dass das sicherlich nur ein blöder Streich von Rileys Freunden war. Kurz darauf sendete ihr die Nummer weitere Nachrichten. „Es ist eine Schande, dass du das alles hier liest und das Leben einer anderen Person dennoch nicht wertschätzt.“ Als sie darauf auch nicht reagierte, fragte der unbekannte Absender, ob sie Riley gar nicht mehr lieben würde und ob sie hören wolle, wie er vor Schmerzen schreie. Kurz darauf bekam Emma einen Anruf. Als sie diesen annahm, hörte sie Riley am anderen Ende der Leitung weinen und ihren Namen rufen.
Nun bekam die 16-Jährige doch Angst und begann sich Sorgen zu machen. Sie bat ihre Freunde gemeinsam mit ihr nach draußen zu gehen. Vorsichtig begaben sie sich raus in die Dunkelheit. Sie schauten sich um und bemerkten am Straßenrand jemanden, der auf dem Boden lag. Als sie näherkamen, sahen sie, dass es sich dabei um Riley handelte. Dieser begann sich aufzurichten und hielt dabei seinen schmerzenden Kopf. Als er Emma sah, wirkte er überrascht. Sie fragte ihn, was er hier mache und Riley antwortete, dass er das nicht wisse. Er wäre von zwei Männern entführt worden und nachdem er mit Emma telefoniert hatte, hätte er einen Schlag auf den Kopf bekommen und sei dann hier aufgewacht.
Emma war wütend und begann zu weinen. Sie wusste nicht, ob sie das glauben sollte, und bat Riley darum, sie endlich in Ruhe zu lassen, damit sie mit ihm abschließen konnte. Emmas Freunde wollten die Polizei rufen und die Entführung melden. Doch Riley weigerte sich. Er wollte nur noch nach Hause. Die anderen ließen sich von ihm überzeugen und blieben bei Riley, während dieser seinen guten Freund Noah anrief und sich abholen ließ. Auch Noah erzählte er, dass er entführt wurde. Später berichtete dieser der Polizei, dass er das von Anfang an für eine Lüge hielt.
Ein paar Tage später war Emma morgens allein zuhause. Sie war später mit ihrer Mutter in der Stadt verabredet und machte sich gerade dafür fertig, als sie zufällig aus dem Fenster guckte. Vor dem Haus stand ein Mann ganz in schwarz gekleidet, seine Kapuze so tief ins Gesicht gezogen, dass man ihn nicht erkennen konnte. Dann beobachtete Emma, wie sich der Mann ihrem Haus näherte und kurz darauf hörte sie, wie er lautstark gegen die Tür hämmerte. Emma bekam Panik und wusste nicht, was sie tun sollte. Mittlerweile klingelte der Unbekannte auch noch Sturm und machte eindeutig klar, dass er ins Haus wollte. Wenn nötig mit Gewalt. In ihrer Verzweiflung schrieb sie Riley: „Ich hasse dich. Aber ich brauche dich jetzt hier.“ Riley antwortete, dass er sich sofort auf den Weg machen würde.
Irgendwann hörte das Klopfen auf und Emma wartete im Haus, bis Riley ankam. Sie war sehr dankbar, dass er sofort losgefahren war. Nachdem Riley die Umgebung abgesucht hatte und den Mann nicht mehr finden konnte, setzten sich die beiden in die Einfahrt und unterhielten sich. Emmas Mutter, die vergeblich auf ihre Tochter in der Stadt gewartet hatte, begann sich Sorgen zu machen und fuhr nach Hause, um nach Emma zu sehen. Als sie ankam, sah sie die beiden Teenager in der Einfahrt sitzen.
Sie war sauer und erinnerte Riley daran, dass er nicht hier sein durfte. Dieser entschuldigte sich und sagte, dass er Emma nur helfen wollte. Jill forderte ihn auf zu gehen und Riley leistete ihrer Bitte sofort Folge.
Der Mord
Am nächsten Tag musste Emma wieder im Supermarkt arbeiten. Sie war sehr aufgelöst aufgrund der vermeintlichen Entführung Rileys und des komischen Mannes, der an die Tür gehämmert hatte. Deswegen fuhren ihre Eltern sie zum Supermarkt und holten sie auch wieder ab. Am Abend war die 16-Jährige schon etwas beruhigter. Sie machte sich bettfertig, sagte ihren Eltern Gute Nacht und legte sich schlafen.
In dieser Nacht wurde Mark durch einen lauten Knall aufgeweckt. Es hörte sich an, als hätte jemand mit voller Kraft eine Tür zugeschlagen. Emmas Vater setzte sich auf. Da hörte er das Knallen ein zweites Mal. Besorgt stand er auf und sah sich im Haus um. Aber alles war ruhig. Er schaute auch in die Zimmer von Evan und Emma, machte allerdings kein Licht an, um seine Kinder nicht aufzuwecken. Beide schienen friedlich zu schlafen.
Beruhigt ging er zurück ins Bett. Am nächsten Morgen machte sich Emmas Mutter fertig für die Arbeit. Gegen sechs Uhr versuchte sie Emma für die Schule zu wecken. Doch ihre Tochter reagierte nicht. Das war ungewöhnlich, da Emma sonst einen sehr leichten Schlaf hatte. Jill ging in das Zimmer ihrer Tochter, rief ein paar Mal ihren Namen, rüttelte an Emmas Bein und drehte sie schlussendlich im Bett um. Da bemerkte sie, dass Emma eine Schussverletzung am Kopf hatte.
Völlig in Panik rief sie sofort einen Rettungswagen. Als die Sanitäter in das Zimmer der Teenagerin kamen, wurde es traurige Gewissheit: Emma war tot. Zunächst gingen sie von einem Unfall oder einem Suizid aus. Die ebenfalls alarmierte Polizei kam dazu und untersuchte den Raum. Dabei bemerkten sie zwei kleine Einschusslöcher in der Hauswand. Gerade mal so breit wie ein schmaler Bleistift. Dadurch war klar: Es war kein Suizid. Jemand hatte Emma ermordet. Jemand, der genau wusste, wo ihr Schlafzimmer war und wo das Mädchen schlief.
Alle von Emmas Freunden wurden befragt und in der Schule machte das Gerücht die Runde, dass die 16-Jährige an einer Überdosis gestorben war oder sich umgebracht hatte. Als durch die Befragungen schnell klar wurde, dass das nicht stimmte und Emma ermordet wurde, verwiesen viele Mitschüler auf Riley, da sie mitbekommen hatten, wie dieser zuletzt mit ihr umging. Auch Riley wurde verhört. Die Ermittler fanden, dass er aufrichtig bestürzt wirkte. Er wurde nicht weiter verdächtigt. Auf Twitter und Instagram postete Riley zahlreiche Gedenkposts für Emma und zitierte aus der Bibel. Einmal schrieb er zum Beispiel „Ruhe in Frieden Liebling. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich bin mir sicher, du bist jetzt an einem besseren Ort.“
Seine Freunde machten sich Sorgen, dass er den Tod seiner großen Liebe nicht verkraften würde, da er bereits nach der Trennung einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Doch dann wendete sich das Blatt. Zunächst suchte die Polizei nach dem schwarzgekleideten Mann, der an Emmas Tür gehämmert hatte. Eine Überwachungskamera ein paar Häuser weiter hatte ihn aufgenommen. Daraufhin meldete sich eine Nachbarin von Emma. Sie sagte, sie hätte den Mann an dem Tag gesehen und ihn erkannt. Es wäre eindeutig Riley Gaul gewesen. Sie hatte ihm sogar zugewunken und er hatte zurückgewunken.
Das machte die Polizisten stutzig. Und bald folgten noch mehr interessante Zeugenaussagen. Alex, ein guter Freund von Riley, sagte bei der Polizei aus, dass dieser ihm ein paar Tage vor Emmas Tod erzählt hatte, dass er den Revolver seines Großvaters gestohlen hat. Alex wäre besorgt gewesen, wegen des Selbstmordversuchs ein paar Wochen zuvor. Doch Riley hatte ihm versichert, dass er sich nichts antun wollte, sondern dass er die Waffe nur zur Selbstverteidigung geklaut hatte. Schließlich sei er entführt worden und dann hätte auch noch jemand Emma aufgelauert und an ihre Tür gehämmert. Da wäre es nötig, dass er etwas zur Selbstverteidigung bei sich hätte.
Und tatsächlich hatte Rileys Großvater zwei Tage zuvor seinen Revolver als gestohlen gemeldet. Daraufhin wurde Riley erneut verhört. Er wurde befragt, wo er sich zum Tatzeitpunkt befand. Der 18-Jährige sagte, dass er bei seinem Freund Noah war. Die Polizisten fragten, ob er dort auch übernachtet hatte. Riley sagte: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das gemacht habe.“ Dann fragten sie ihn, ob sie nur zu zweit waren. Daraufhin antwortete er: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass sonst niemand da war.“ Die Ermittler fanden diese Antworten sehr sonderbar. Schließlich lag das ganze erst eine Woche zurück. Eigentlich müsste man sich daran noch gut erinnern. Komisch war auch, dass er Emmas Namen nie erwähnte. Er sagte immer nur „das Mädchen“, wenn er von ihr sprach. Die Polizisten waren besorgt darüber, wie emotionslos er plötzlich auf sie wirkte. Weiter erzählte Riley, dass er „das Mädchen“ versucht hatte zu erreichen, aber sie ihn blockiert hätte. Daraufhin hatte er sich im Auto Fotos von ihnen beiden angeschaut und geweint.
Später hätte er dann auch noch seinen Opa besucht. Aufgrund Noahs Aussage fragten sie ihn nach den Waffen seines Großvaters. Sie fragten, ob er auf sie Zugriff hätte, ob er je eine genommen hätte und ob er jetzt eine besäße. Riley verneinte alles. Noah hatte auch erzählt, dass Riley wissen wollte, wie man Fingerabdrücke von einer Waffe entfernte. Laut Riley hätte er das nie gefragt. Außerdem hatten andere Freunde von ihm ausgesagt, dass er ihnen die Waffe auf dem Campus gezeigt hätte. Die Polizisten konfrontierten ihn damit. Aber auch das stritt er ab. Am Ende des Verhörs sagte er: „Ich hoffe wirklich, dass sie nicht denken, dass ich ihr etwas angetan habe. Ich würde das Mädchen nie… ich würde eher mich selbst verletzen, bevor ich das Mädchen verletze.“
Als Riley aus dem Verhör kam, schrieb er direkt Noah und fragte, warum dieser ihn verraten habe. Noah antwortete: „Wenn du nichts getan hast, brauchst du doch auch nicht zu befürchten?“ Ein paar Tage später bekamen Alex und Noah mit, wie Rileys Mutter in seinen Sachen nach der Waffe suchte. Riley war wütend und sagte ihr, er habe sie nicht. Die beiden Freunde fanden Riley inzwischen sehr verdächtig. Sie glaubten mittlerweile, dass er das Verbrechen begangen haben könnte. Riley hatte allen seinen Freunden verboten, bei der Polizei über ihn zu sprechen. Alex und Noah sagte er, dass er das nur gesagt habe, weil er erst die Waffe loswerden musste. Er wollte nicht für etwas belangt werden, was er nicht getan hatte.
An dieser Stelle nahm die Geschichte eine interessante Wendung. Noah und Alex gingen gemeinsam zur Polizei und berichteten von ihrer Vermutung. Während er vor der Polizei immer wieder betont hatte, dass er den Revolver nicht habe, gestand Riley mittlerweile mehrfach vor Alex und Noah, dass er ihn in Wirklichkeit doch gestohlen habe. Die beiden wollten nun mit den Ermittlern zusammenarbeiten, um ihn zu überführen. Gemeinsam überlegten sie sich einen ausgeklügelten Plan.
Die beiden taten so, als würden sie Riley helfen wollen, die Waffe zu entsorgen. Sie verabredeten sich mit ihm zum Videospiele spielen. Ganz so, wie früher saßen sie bei Riley zuhause und spielten ein paar Spiele. Was dieser allerdings nicht wusste: Noah und Alex trugen Mikrofone. Und in dem Schlüsselbund, welches auf dem Tisch lag, war eine Kamera, die auf Riley gerichtet war und ihre Aufnahmen direkt an die Polizei sandte.
Nach einiger Zeit sprachen sie ihn auf Emma an. Riley sagte, dass er ihr nie etwas angetan hätte. Er forderte seine Freunde dazu auf, ihre Aussagen bei der Polizei zu widerrufen. Sie sollten sagen, dass sie verwirrt und auf LSD waren. Um ihn in Sicherheit zu wiegen, stimmten die beiden zu. Er sei sich sicher, dass sich Emma selbst erschossen hätte, weil sie das kontrollierende Verhalten ihrer Eltern nicht mehr ertragen konnte. Aber er hätte Angst, dass die Polizei das nicht erkennen und stattdessen ihn verdächtigen würde, da er die Waffe seines Großvaters gestohlen habe.
Dann wollte Riley ihre Hilfe dabei, den Revolver zu entsorgen. Noah und Alex spielten mit und gemeinsam fuhren sie zu Rileys Stiefvater. Dort hatte er die Pistole die letzten Tage versteckt gehalten. In einer Plastiktüte verpackt legte Riley die Waffe auf den Rücksitz. Dann holten die drei sich etwas Fast Food, das sie auf einem nahegelegenen Parkplatz aßen. Noah und Alex waren die ganze Zeit über in einem Gruppenchat mit der Polizei und informierten diese regelmäßig über alles, was passierte. Mit Zivilautos verfolgte diese die Jungs, bereit jeden Moment einzugreifen.
Nachdem sie gegessen hatten, fuhr Riley auf einen anderen Parkplatz nahe dem Tennessee River. Dort wollte er die Waffe entsorgen. Als er dafür gerade Handschuhe anzog, informierten Noah und Alex die Polizei, welche sofort eingriff. Sie umstellten das Auto. Riley war panisch, kooperierte aber mit den Polizisten. Er wurde festgenommen und aufs Revier gebracht. In der Plastiktüte fanden die Ermittler nicht nur den Revolver, sondern auch schwarze Kleidung. Sie vermuteten, dass es die war, die er anhatte, als er verkleidet an Emmas Tür hämmerte.
Er hatte wohl die Trennung nicht verkraftet und wollte sie verzweifelt zurückgewinnen. Das gipfelte dann darin, dass er sie umbrachte. Riley Gaul wurde wegen Mordes angeklagt. Es dauerte aber fast anderthalb Jahre, bis es endlich zum Prozess kam.
Im Mai 2018 begann die Anhörung vor Gericht. Die Verfolgung von Rileys Handy hatte ergeben, dass er sich zum Tatzeitpunkt bei ihrem Haus befand und nicht mit Noah beim Campus, wie er ursprünglich angegeben hatte. Alle warteten ungeduldig auf die Aussage von Rileys Anwalt.
Überraschenderweise gestanden die Verteidiger von Riley direkt, dass dieser Emma tatsächlich getötet hatte. Allerdings wäre es ein Unfall und kein Mord gewesen. Riley wollte unbedingt wieder mit Emma zusammenkommen. Um ihr Angst zu machen, täuschte er erst seine Entführung vor und hämmerte dann gegen ihre Haustür, als sie alleine zuhause war. Er wollte ihren Beschützer spielen und sie so wieder für sich gewinnen. Mit den Schüssen wollte er ihr auch nur Angst machen und sie nicht treffen. Er hatte gehofft, dass sie sich anschließend wieder bei ihm melden und ihn fragen würde, ob er vorbeikommen und sie beschützen könne. Nie hätte er geahnt, dass die Schüsse durch die Hauswand durchdringen und sie töten würden.
Die Anklage zweifelte diese Aussage allerdings an. Sie waren überzeugt, dass es Mord war. Die Kugeln wären genau dorthin geschossen worden, wo Emma schlief und wo sich ihr Kopf befand. Gerade Riley, der oft zu Besuch war, hätte das wissen müssen. Hätte man ihr nur Angst machen wollen, hätte man woanders hin schießen können. Aber diese Stelle zielte eindeutig darauf ab, sie zu treffen. Über 30 Zeugen wurden innerhalb der nächsten Woche verhört. Am 08. Mai 2018 stand das Urteil dann nach einer fünfstündigen Besprechung fest.
Riley wurde als schuldig befunden. Er wurde wegen Mordes zu 60 Jahren Haft verurteilt. Frühestens nach 50 Jahren dürfen die verbleibenden Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Dann wäre Riley allerdings bereits 70 Jahre alt. Abschließend richtete Riley letzte Worte direkt an Emmas Familie. Er sagte: „Es tut mir leid, dass ich euch Emma weggenommen habe. Dass ich euch die Möglichkeit genommen habe, eure Tochter aufwachsen zu sehen. Ich habe Emma geliebt. Das einzige, was ich machen kann ist ehrlich zu sein und die Wahrheit über die Nacht zu erzählen. Und die Wahrheit ist, dass ich sie nur erschrecken wollte. Ich wollte sie so heftig erschrecken, dass sie keine andere Wahl gehabt hätte, als wieder mit mir zu reden. Mir wieder zu vertrauen. Ich wäre da gewesen, um sie zu trösten. Um sie wieder zurückzugewinnen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke, oder an das was ich getan habe. Ich weiß, dass das weder vergeben noch vergessen werden kann. Ich wollte sie nie töten. Sie nie verletzen. Nochmal: Es tut mir wirklich leid.“
Epilog
Und damit sind wir schon am Ende des heutigen Videos angelangt. Ein wirklich grausamer und brutaler Mord. Emma wurde viel zu früh aus dem Leben gerissen. Emmas Eltern sagten, nachdem Riley verurteilt wurde: „Es bringt uns unsere Tochter nicht zurück, aber es ist das Beste, was wir bekommen konnten. Er sollte sein Leben auch nicht leben.“ Nun setzen sie sich dafür ein, dass ihre Tochter nicht vergessen wird. Sie haben einen Hundepark und einige Räumlichkeiten eines Kinderkrankenhauses nach ihr benennen lassen, um sie in den Dingen, die sie liebte, weiter leben zu lassen.
Außerdem appellieren sie an junge Menschen auf Warnzeichen in ihren Beziehungen zu achten und sich rechtzeitig von Personen zu lösen, die einem nicht gut tun.
Wie denkt ihr über das Urteil von Riley? Denkt ihr, es war wirklich Mord, oder wollte er sie doch nur erschrecken? Und sollte das überhaupt einen Unterschied machen? Schreibt mir eure Meinung gerne in die Kommentare und hinterlasst ein Abo oder einen Daumen nach oben. Das hilft mir wirklich sehr. Gute Nacht und bis dann.
Quellen
- USA: 60 Jahre Knast für Riley Gaul (20) - er erschoss seine Ex durch die Hauswand RTL, 2018
- They seemed like picture-perfect high school sweethearts, but their toxic relationship ended in murder ABC News
- ihr twitter account X (Twitter)
- How a college football player's friends helped police expose him for killing his high school cheerleader ex-girlfriend ABC News
- No extra time for William Riley Gaul, serving life for Emma Walker’s murder Knoxville News Sentinel
- High School Tragedy hhsgeneraljournal.com
