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Hanwell, England, 2014

Alice Gross

Eine 14-Jährige verschwindet 2014 auf einem Spaziergang am Grand Union Canal in Westlondon.

Lesezeit etwa 13 Minuten

Worum es geht

Die vierzehnjährige Alice Gross verlässt am 28. August 2014 das Haus ihrer Familie in London-Hanwell, um wie so oft am Grand Union Canal spazieren zu gehen, und kehrt nicht zurück. Es beginnt eine der größten Suchaktionen, die London je erlebt hat, begleitet von einer Aktion der Familie mit gelben Schleifen und dem Hashtag #findalice. Zwei Männer werden unter Mordverdacht festgenommen und wieder entlassen, doch die Polizei spricht weiter von einem Vermisstenfall. Dann rückt ein weiterer Mann in den Fokus, dessen Vergangenheit in den britischen Unterlagen nie auftauchte.

Hanwell Broadway im Westen Londons
Hanwell Broadway im Westen Londons. Foto: P.g.champion, CC BY-SA 2.0 uk, über Wikimedia Commons.

Intro

Alice Gross ist eigentlich ein ganz normales Mädchen – die Vierzehnjährige lebt in London und genießt das Leben in der Großstadt. Sie kommt in der Schule gut zurecht und hat einen großen Freundeskreis, und auch zuhause ist alles in bester Ordnung. Die Familie Gross steht sich sehr nahe. Auch zu ihrer älteren Schwester Nina hat Alice ein sehr enges Verhältnis.

Alice hat ein großes musikalisches Talent. Sie singt und spielt mehrere Instrumente, und trotz ihres jungen Alters komponiert sie schon eigene Songs. Vielleicht hätte Alice ihre Leidenschaft irgendwann zum Beruf machen können – wäre sie 2014 nicht jemandem begegnet, der finstere Absichten für sie hatte.

Das Verschwinden von Alice Gross

Alice macht gerne lange Spaziergänge durch die Stadt. Manchmal läuft sie dabei stundenlang durch London und erkundet die Großstadt. Und genau das hat sie auch am 28. August 2014 vor – es sind Sommerferien.

Alice verlässt das Haus ihrer Familie in London-Hanwell gegen 13 Uhr. Sie gibt ihrer Mutter noch Bescheid, dass sie spätestens um 18 Uhr wieder zuhause sein wird. Alice geht einen Weg am Grand Union Canal entlang, ihre übliche Route für Spaziergänge.

Um 15:45 Uhr nehmen Überwachungskameras sie am Brentford Lock am Rande des Kanals auf. Um 16:26 Uhr wird sie zuletzt am Trumpers Way entlang des Grand Union Canals aufgezeichnet. Kurz darauf schreibt sie ihrem Vater noch eine SMS. Sie gibt Bescheid, dass sie sich nun langsam auf den Heimweg machen und bald wieder zuhause sein wird. Aber dort kommt sie nicht an.

Alices Eltern reagieren sehr schnell. Denn die 14-Jährige ist normalerweise sehr zuverlässig. Als sie nicht wie versprochen um 18 Uhr zuhause ist, ist ihren Eltern sofort klar, dass etwas nicht stimmt. Keine Stunde später, um ungefähr 19 Uhr, haben die beiden schon eine Vermisstenanzeige aufgegeben.

Zunächst sind die Maßnahmen zwar umfangreich, aber routiniert. Alice ist vierzehn Jahre alt, kennt sich in der näheren Umgebung gut aus und war an einem Ferientag an gut besuchten Orten mitten in London unterwegs. Außerdem haben ihre Eltern sie ja sehr schnell als vermisst gemeldet. Man geht also davon aus, dass man das Mädchen zügig wiederfinden wird.

Die Metropolitan Police befragt Freundinnen und Freunde von Alice. Die Wohnungen und Häuser von Personen aus ihrem Umfeld werden durchsucht, ebenso wie Parks in ganz London. Und natürlich die Route, an der Alice meist spazieren geht. Aber all das hilft nicht weiter – Alice Gross bleibt verschwunden. Und auch in der Nacht vom 28. auf den 29. August kommt Alice nicht nach Hause zurück.

In ganz Westlondon werden Suchplakate aufgehängt, die Alice zeigen.

Obwohl die Familie von Alice vor Sorge kaum noch zurechtkommt, überlegen sich ihre Eltern und ihre Schwester eine besondere Aktion, um auf ihr Verschwinden aufmerksam zu machen. In ganz Ealing hängen sie gelbe Schleifen an Bäume, Verkehrsschilder und Sehenswürdigkeiten. Schon bald tragen die Leute in Ealing gelbe Shirts, die mit dem Hashtag #findalice bedruckt sind.

Das fällt natürlich jedem auf – und sorgt dafür, dass in allen großen britischen Medien über das Verschwinden des Mädchens berichtet wird. Bald kennt so gut wie jeder das Bild von Alice Gross – und das ist bei einer Vermisstenfahndung natürlich essentiell. Auch die Polizei ist mit mehr als 600 Suchenden im Einsatz. Es ist eine der größten Suchaktionen in London, die es je gegeben hat. Aber es vergehen Tage, ehe man erste Spuren findet. Und es werden Spuren sein, die die Hoffnung der Familie um einiges schmälern.

Die Suche

Am 4. September veröffentlicht die Polizei die Bilder von den Überwachungskameras, von denen ich euch erzählt habe. Es sind die letzten Aufnahmen, die Alice lebend zeigen. Außerdem wird bekannt gegeben, dass man Alices Rucksack gefunden hat. Und in diesem Rucksack befanden sich die Schuhe, die sie bei ihrem Verschwinden getragen hat. Die blauen Vans gehören definitiv der Vermissten. Allerdings fehlen andere persönliche Gegenstände von Alice, vor allem ihr iPhone.

Der Rucksack wird in der Nähe des Krankenhauses von Ealing gefunden. In dieser Klinik gibt es neben einer Station für psychisch kranke Menschen auch eine eigene Station für Sexualstraftäter. Durch den ortsnahen Fund des Rucksacks rückt somit auch das Ealinger Krankenhaus in den Fokus der Ermittlungen. All das nährt natürlich schlimme Befürchtungen. Ebenso wie die Ereignisse der nächsten Tage.

Am 6. September gibt es eine Festnahme: Ein 25 Jahre alter Mann wird in Ealing verhaftet. Er steht unter dem Verdacht, Alice Gross ermordet zu haben. Mehr Informationen gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Stattdessen sucht die Polizei mit Bildern nach mehreren Zeugen: An der Stelle, an der Alice zuletzt gesehen wurde, haben die Überwachungskameras Radfahrer erfasst. Und diese könnten möglicherweise etwas Wichtiges beobachtet haben.

Später werden mehr Details über den 25 Jahre alten Verdächtigen bekannt. Er wurde auf Basis eines Hinweises aus der Bevölkerung festgenommen. Demnach soll er um den Zeitpunkt von Alices Verschwinden herum eine Schaufel, große Mülltüten und Seile in seinem Kofferraum gehabt haben. Also Gegenstände, mit denen man mutmaßlich einen Leichnam verschwinden lassen könnte. Und in Befragungen will der Verdächtige sich nicht dazu äußern, weshalb er diese Gegenstände in seinem Auto hatte.

Einen Tag später, am 7. September, wird ein zweiter Mann verhaftet. Er ist 51 Jahre alt und steht ebenfalls unter dem Verdacht, Alice Gross getötet zu haben. Die Polizei betont, dass die beiden Festnahmen unabhängig voneinander gemacht wurden. Das bedeutet, der 51 Jahre alte Verdächtige wurde nicht durch den zuvor Verhafteten belastet. Unterdessen konzentrieren sich die Suchmaßnahmen weiterhin auf die Gegend um den Grand Union Canal. Der Kanal selbst wird von Tauchern abgesucht, an den Ufern sind Spürhunde im Einsatz. Da das Wasser des Kanals so schlammig ist, ist die Suche eine mühevolle Kleinarbeit. Die Taucher müssen sich Zentimeter für Zentimeter mit ihren Händen vortasten, weil im trüben Wasser nichts zu sehen ist.

Am 8. September werden beide Verdächtige nach eingehenden Befragungen wieder entlassen. Der Verdacht gegen sie konnte nicht konkretisiert werden. Weshalb der zweite Mann verdächtigt wurde und was genau bei den Verhören der beiden herauskam, wird der Öffentlichkeit nie mitgeteilt.

Obwohl die beiden Männer ja wegen Mordvorwurfs festgenommen wurden und auch die Mordkommission ermittelt, betont die Polizei, dass es sich um einen Vermisstenfall handelt. Man habe immer noch Hoffnungen, Alice lebend zu finden und nach Hause zurückzuholen – auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt schon seit einer Woche verschwunden ist.

Diese Hoffnung liegt vor allem Fakten zugrunde, die der Öffentlichkeit damals nicht bekannt sind. Von der Familie weiß die Polizei, dass Alice seit einiger Zeit gegen Depressionen und eine Essstörung kämpft. Vor ihrem Verschwinden hat sich Familie Gross deshalb auch um professionelle Hilfe für sie bemüht. Es besteht also die Möglichkeit, dass Alice diesen Problemen entfliehen wollte, indem sie weggerannt ist.

Deshalb richten Alices Eltern und Schwester Nina in Interviews auch immer wieder persönliche Worte an die Vermisste.

Mutter: „Alice, wir lieben dich, wir vermissen dich. Wir wünschen uns so sehr, dass du wieder zu Hause bist. Wir vermissen dich als unsere Tochter, Nina vermisst dich als ihre Schwester. Wir wollen, dass unsere Familie wieder ganz ist. Wir vermissen alles an dir, und wir möchten, dass du weißt, wie sehr wir dich bei uns haben wollen. Denn zu Hause ist der Ort, an den du gehörst.“

Der zweite Vermisste

Am 16. September 2014 gibt es einen weiteren Fahndungsaufruf. Alice ist zu diesem Zeitpunkt schon seit mehr als zwei Wochen verschwunden. Gesucht wird ein 41 Jahre alter Bauarbeiter namens Arnis Zalkalns. Er kommt aus Lettland, lebt aber gemeinsam mit seiner Partnerin und seiner einjährigen Tochter in London-Ealing. Die Polizei interessiert sich für ihn, weil er kurz nach dem Verschwinden von Alice am 3. September verschwunden ist. Und weil sein Arbeitsweg an der Route von Alices Verschwinden entlangführt.

Zwei Tage später wird Zalkalns offiziell als Verdächtiger benannt. Denn die Polizei hat weiteres Material von Überwachungskameras ausfindig machen können. Es zeigt ihn auf seinem Fahrrad unweit des Weges, den sowohl er als auch Alice passiert haben. Dort verschwindet er von einem Wegabschnitt mehr als eine halbe Stunde – obwohl man für diesen Abschnitt mit dem Rad nur fünf Minuten braucht. Mit anderen Worten: Irgendetwas muss Arnis Zalkalns an dem Weg, an dem Alice Gross verschwand, aufgehalten haben. Später am Tag wird er in einem Supermarkt aufgenommen.

Er trägt dabei seine Hosenbeine hochgekrempelt – so, als sei er zum Beispiel in knietiefes Wasser gewatet. Am nächsten Morgen wird Arnis gefilmt, wie er abermals in den Weg einbiegt, den er und Alice am Vortag beide genommen haben. Er verbringt dort einige Zeit und kommt dann aus der Gabelung wieder zurück. Die Polizei geht davon aus, dass er mehrmals zu diesem Ort zurückkehrte, um einen mutmaßlichen Tatort zu begutachten – und sich zu vergewissern, dass er keine Spuren hinterlassen hat. Denn Arnis Zalkalns ist durchaus zu einem Gewaltverbrechen fähig.

Später wird bekannt, dass Zalkalns in seinem Heimatland schon einmal im Gefängnis saß – und zwar wegen Mordes.

Rudite Zalkalns

Rudite Zalkalns ist erst 22 Jahre alt, als sie von ihrem damaligen Ehemann Arnis ermordet wird. Als die beiden sich kennenlernen, scheint Arnis ein liebevoller und aufmerksamer Partner zu sein. Er zeigt Rudite viel Zuwendung und überhäuft sie mit Geschenken. Die beiden bekommen 1995 eine gemeinsame Tochter und heiraten. Allerdings beginnt die Beziehung zu kriseln – unter anderem, weil Arnis wohl eine Affäre mit einer anderen Frau hat.

1996 eskaliert ein Streit zwischen den beiden: Im Streit bedroht Arnis seine Ehefrau mit einer Waffe. Dabei löst sich ein Schuss, der die junge Frau in den Bauch trifft. Arnis behauptet danach, Rudite sei von einer Motorradgang angeschossen worden. Rudite vertraut sich aber ihrer Mutter an und erzählt, wie sie wirklich zu der Schussverletzung gekommen ist, nämlich durch ihren eigenen Ehemann. Sie weigert sich, ihren Mann bei der Polizei anzuzeigen – vermutlich aus Angst.

Im März 1997 lockt Arnis Rudite in einen Wald. Dort schlägt er ihr mit einer Gerüststange auf den Kopf und fügt ihr danach Stichwunden zu. Danach vergräbt er den Leichnam der jungen Frau. Später wird er zugeben, das Grab schon vorher ausgehoben zu haben – er hat den Mord also geplant. Während der Grabungsarbeiten habe er Wodka getrunken. Arnis behauptet gegenüber der lettischen Polizei zunächst, Rudite sei spurlos verschwunden. Allerdings ermittelt die Polizei sorgfältig und findet Rudites Tagebuch – und die Einträge sind Anlass genug, um Arnis des Mordes an ihr zu verdächtigen.

Im Juli 1997 findet man dann Rudites Leichnam im Wald und Arnis wird im darauffolgenden Jahr wegen des Mordes an ihr angeklagt und verurteilt. Nachdem er sieben Jahre seiner Haftstrafe absitzt, kommt er schon Anfang 2005 wieder frei. Er heiratet eine neue Frau – seine Tochter Elvira aus der Ehe mit Rudite erfährt davon. Sie warnt die Frau vor ihrem Vater.

2007 zieht er nach England. Dort ist er als Bauarbeiter tätig, heiratet abermals und bekommt eine Tochter. Übrigens befindet sich in seinen britischen Unterlagen absolut kein Hinweis darauf, dass er ein verurteilter Mörder ist – und das ist natürlich ein grober, bürokratischer Fehler. Das Urteil aus Lettland kommt nicht in sein britisches Führungszeugnis. Und deshalb gilt er in seiner neuen Heimat als vorstrafenfrei.

2009 wird Arnis Zalkalns verdächtigt, ein 14 Jahre altes Mädchen in London-Ealing missbraucht zu haben. Das Verfahren wird aber eingestellt, weil die Geschädigte ihre Anschuldigungen nicht hinreichend belegen kann. Hätte in Arnis’ Unterlagen aber gestanden, dass er schon einmal eine Frau ermordet hat, wäre das Verfahren womöglich noch weiter gelaufen. Das ist zwar eine reine Spekulation, aber es ist schwer vorstellbar, dass eine Mordverurteilung die Ermittlungen nicht beeinflusst hätte. Weil auf dem Papier für die britische Polizei aber nichts gegen Arnis vorliegt, wird er damals ohne jegliche Konsequenzen wieder laufen gelassen.

Und fünf Jahre später wird er zum Verdächtigen im Vermisstenfall Alice Gross. Mit dem Hindernis, dass er eben selbst nur wenige Tage nach dem Verschwinden von Alice verschwindet. Das macht ihn für die Polizei zwar nur noch verdächtiger, erschwert die Ermittlungen aber auch ungemein. Für Hinweise, die zum Auffinden der Vierzehnjährigen führen, wird eine Belohnung in Höhe von 20.000 £ ausgesetzt.

Während Arnis noch immer verschwunden ist, wird seine Wohnung in Ealing kriminaltechnisch untersucht. Dort findet die Polizei ein rotes Trek-Mountainbike. Und wie bekannt wird, fuhr Arnis mit genau diesem Mountainbike den Weg entlang, auf dem Alice zuletzt entlangging – 15 Minuten nach ihrer letzten Sichtung.

Arnis Zalkalns wird also einer der Radfahrer gewesen sein, die sich zunächst als Zeugen melden sollten. Dem ist er offenbar nicht nachgekommen – denn seit dem 3. September ist er ja komplett untergetaucht. Arnis ist erst vor kurzem nach London-Ealing gezogen. Zuvor wohnte er im Stadtteil Hanwell, genau wie Alice. Auch bei seiner alten Adresse in Hanwell schaut die Polizei sich um und beschlagnahmt ein weiteres Fahrrad.

Die britische Polizei beginnt, eng mit Ermittlern aus Lettland zusammenzuarbeiten. Man beantragt Akteneinsicht in die Strafakte zur Ermordung von Arnis Zalkalns’ Ehefrau und hofft, so ein genaueres Bild des Mannes zu bekommen. Außerdem wird die Fahndung nach Arnis ins gesamte europäische Ausland ausgeweitet. Und nach mehr als einem Monat der Hoffnung gibt es für die Familie Gross traurige Gewissheit.

Das Mädchen im Fluss

Am 30. September wird der Leichnam von Alice Gross im Fluss Brent gefunden. Ihr Leichnam wurde in einen großen Plastiksack eingewickelt. Er ist nur mit einer einzelnen Socke bekleidet und gefesselt. Dieser Plastiksack mit Alice wiederum war an ein Rad gebunden, das mit Steinen beschwert wurde, um zu verhindern, dass er an die Oberfläche treibt.

Die Person, die ihren Leichnam dort deponiert hat, hat ihn mit größter Sorgfalt versteckt. Denn über den Leichnam im Flussbett wurden sogar noch Baumstämme gerollt, um das Rad und den Sack mit der Leiche möglichst effizient zu verstecken.

Als Todesursache kann bei einer Obduktion Erstickung festgestellt werden – wahrscheinlich dadurch, dass eine deutlich schwerere Person als Alice sie erdrückt hat, als sie zum Beispiel auf ihr lag. In der Nähe des Leichenfundortes werden Zigarettenstummel mit Arnis Zalkalns’ DNA gefunden. Seine DNA befindet sich auch auf Alices blauen Vans, die in ihrem Rucksack gefunden wurden. Ebenso wie in Alices Intimbereich.

Das unterstützt die Annahme, dass es sich um ein sexuell motiviertes Tötungsdelikt handelt. Viele merken an, dass Alice der ermordeten Frau von Arnis äußerlich ähnelt.

Arnis Zalkalns wird nach wie vor vermisst und kann zu den Vorwürfen gegen ihn dementsprechend keine Stellung beziehen. Trotz seiner Abwesenheit häufen sich die Indizien gegen ihn immer weiter.

Unter der Terrasse seiner Wohnung findet man die Hülle von Alices iPhone, das bis heute fehlt. Und die einzige Erklärung für diesen Fund ist natürlich, dass Arnis das Handy an sich genommen hat.

Am 4. Oktober 2014 wird Arnis Zalkalns schließlich gefunden – doch da ist er schon tot. Sein Leichnam wird in einem Waldstück im Boston Manor Park an einem abgeschiedenen Ort gefunden. Er hat sich dort an einem Baum erhängt – wahrscheinlich schon vor etwa einem Monat. Also ziemlich kurz nach seinem Verschwinden und der öffentlichkeitswirksamen Fahndung nach Alice.

Wäre er noch am Leben gewesen und gefunden worden, wäre Arnis Zalkalns wegen des Mordes an Alice Gross angeklagt worden. Dem ist er durch seinen Freitod aus dem Weg gegangen. Das kann man als ein Schuldeingeständnis interpretieren – aber die Geheimnisse rund um Alices Tod hat der mutmaßliche Mörder mit ins Grab genommen.

Outro

Nach Alices Ermordung gründet ihre Familie in Erinnerung an das Mädchen eine Stiftung: den Alice Gross’ Youth Music Memorial Fund. Durch die Stiftung wird Kindern in sozial benachteiligten Umfeldern ein Zugang zu musikalischer Bildung ermöglicht. Alice selbst hat davon geträumt, irgendwann einmal Musikerin zu werden. Ihr wurde dieser Traum durch ihre grausame Ermordung genommen. Die Familie Gross hofft, dass die Stiftung Alices Traum nun an andere weitergeben kann – und dass Alice so ein Stück in den Träumen und Kompositionen anderer weiterleben kann.

Damit sind wir am Ende des heutigen Videos angelangt – wieder einmal ein Fall, der als gelöst gilt. Schreibt gern einmal in die Kommentare, was euch lieber ist: Fälle mit offenem Ende oder zur Abwechslung auch mal abgeschlossen. Für mich sind eure Kommentare die wichtigste Form von Feedback, also schreibt mir gern. Und natürlich würde ich mich freuen, wenn ihr dieses Video liked und Insolito abonniert, solltet ihr das noch nicht getan haben. Vielen Dank für eure Unterstützung und bis zum nächsten Mal. Ciao.

Quellen

  1. Timeline: Alice Gross investigation Evening Standard, 2014
  2. Convicted murderer Arnis Zalkalns lured wife to woods before bludgeoning her to death My London, 2014
  3. Celtnieka Zaļkalna Latvijā nogalinātās sievas māte atklāj traģēdijas detaļas Delfi, 2014
  4. Murdered teen Alice Gross was found ‘naked, apart from a sock, tied in the foetal position and wrapped in bin bags’ | The Sun, 2016
  5. Family set up Alice Gross' Youth Music Memorial Fund Youth Music
Fallakte
Orte
Hanwell, Ealing, Grand Union Canal, Trumpers Way, River Brent, Boston Manor Park
Region
England
Land
Großbritannien
Jahr
2014
Status
Gelöst
Fallart
Tötungsdelikt, Vermisstenfall, Kinder & Jugendliche
Personen
Alice Gross, Arnis Zalkalns, Rudite Zalkalns
Lagekarte
Kartendaten: Natural Earth