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Leeds, England, 2000–2002

Leanne Tiernan

Eine 16-Jährige verschwindet 2000 auf dem Heimweg vom Weihnachtseinkauf in Leeds.

Lesezeit etwa 14 Minuten

Worum es geht

Am 26. November 2000 geht die 16-jährige Leanne Tiernan mit ihrer Freundin Sarah Weihnachtsgeschenke einkaufen. Auf den letzten Metern ihres Heimwegs in Leeds-Bramley verschwindet sie spurlos. Eine groß angelegte Suche mit Hausbefragungen und DNA-Proben bleibt zunächst ohne Ergebnis, während die Familie verzweifelt auf ein Lebenszeichen hofft. Im August 2001 entdeckt ein Hundehalter in einem Waldgebiet in Yorkshire ein Bündel mit ihrem Leichnam. Kleine Spuren am Fundort, vom Hundehalsband bis zu Teppichfasern, geben den Ermittlern schließlich neue Ansatzpunkte.

Park in Bramley, Leeds
Park in Bramley, Leeds. Foto: King of the North East, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.

Intro

Die Weihnachtszeit ist für die meisten Menschen ein Grund zur Freude. Eine besinnliche Stimmung, Zeit mit Freunden und Familie, vielleicht die Besorgung von ein paar Geschenken – all das macht den Dezember für viele zu einem der schönsten Monate im Jahr.

Aber für die Angehörigen von Leanne Tiernan ist das im Jahr 2000 ganz anders. Denn die 16 Jahre alte Schülerin aus dem englischen Leeds ist spurlos verschwunden. Ein Tag, den Leanne mit gemütlichem Weihnachts-Shopping verbringen wollte, endet im Albtraum. In einem Albtraum, aus dem ihre Familie bis heute nicht aufgewacht ist.

Das Verschwinden von Leanne Tiernan

Leanne lebt gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Michelle im englischen Leeds. Die drei nennen sich untereinander „Die drei Musketiere“ – weil sie einfach immer zusammenhalten. Auch als die beiden Mädchen ins Teenageralter kommen, machen sie gemeinsame Unternehmungen mit ihrer Mutter. Zusammen kümmern sie sich um die drei Hunde und Familienkatze Suki, machen Urlaub und verbringen entspannte Nachmittage. Obwohl Leannes Vater getrennt vom Rest der Familie lebt, ist auch die Beziehung zu ihm gut. Die Mädchen sehen ihn regelmäßig und die Eltern kommen auch nach ihrer Trennung gut miteinander aus.

Am 26. November 2000 hat Leanne eine Verabredung. Sie trifft sich mit ihrer fünfzehn Jahre alten Freundin Sarah Whitehouse. Die beiden wollen gemeinsam Weihnachtsgeschenke einkaufen. Das Fest ist zwar erst in einem Monat, aber die Mädchen wollen schon einmal die nötigen Vorbereitungen treffen. Die beiden sind in der Innenstadt von Leeds unterwegs und verbringen dort den Nachmittag. Leanne und Sarah kaufen sich auch gegenseitig etwas – Leanne hat sich extra Geld geliehen, um Sarah ein Geschenk machen zu können.

Als sie alle Einkäufe beisammen haben, steigen sie zusammen in einen Linienbus. Mit diesem fahren die beiden zurück nach Leeds-Bramley, wo Sarah und Leanne wohnen. Es ist etwa 17 Uhr, und Leanne hat ihrer Mutter versprochen, zum Abendessen wieder zuhause zu sein. Sie steigen gemeinsam aus und laufen noch ein Stück zusammen, bevor sich ihre Wege trennen. Kurz vor Sarahs Elternhaus verabschieden sie sich voneinander. Leanne setzt ihren kurzen, verbleibenden Heimweg allein fort.

Als Sarah nach Hause kommt, ruft sie wenig später bei Leanne zuhause an. Sie möchte ihr noch etwas erzählen. Aber Leanne ist noch nicht zuhause angekommen. Das wundert nicht nur Sarah, sondern auch Leannes Mutter. Sie versucht direkt, ihre Tochter auf dem Handy zu erreichen. Aber es geht nur die Mailbox ran.

Also bleibt Mrs. Tiernan erst einmal nichts anderes übrig, als zu warten. Als Leanne auch um 19 Uhr noch immer nicht zuhause ist, hält sie es nicht mehr aus. Sie ruft die Polizei an und meldet ihre 16 Jahre alte Tochter als vermisst. Während Einsatzkräfte losgeschickt werden, ist auch Leannes Familie in Leeds unterwegs. Ihre Schwester Michelle und ihr Freund suchen erst mit dem Auto und dann zu Fuß, gemeinsam mit einem der Hunde der Familie.

Eigentlich kann Leanne gar nicht weit sein – sie ist ja noch gemeinsam mit Sarah aus dem Bus gestiegen, und die Suche wurde schnell eingeleitet. Aber weder Leannes Familie noch die Polizei können sie finden.

Als Leanne auch über Nacht nicht nach Hause kommt, wird deutlich, dass eine einfache Vermisstensuche hier nicht ausreichen wird. Die Polizei beginnt zu vermuten, dass Leanne einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Die Suchmaßnahmen sind sehr umfangreich. Die Ermittler befragen persönlich mehr als 1.400 Haushalte in der Umgebung von Leannes Elternhaus. Ebenso wie 800 weitere Haushalte entlang ihres Heimweges. Die Polizei nimmt mehr als 100 DNA-Proben und durchsucht zwölf Grundstücke. Aber nirgendwo gibt es auch nur den Hauch einer Spur, die zu der Teenagerin führen könnte.

Gemeinsam mit Leannes Schwester werden ihre letzten Minuten noch einmal rekonstruiert. Das hilft der Polizei dabei, sich ein besseres Bild von einem möglichen Tatablauf zu machen. Auch Sarah, die mit Leanne unterwegs war, hilft mit. Um eine ähnliche Uhrzeit wie Leanne am 26. November steigt ihre Schwester an derselben Haltestelle aus dem Linienbus und läuft den Weg zum Haus der Familie entlang.

Sarah kann der Polizei den Ort, an dem sie und Leanne sich zuletzt gesehen haben, zeigen. Leanne hat wahrscheinlich einen Schleichweg genommen, den Houghley Gill. Der Weg ist zwar nicht allzu gut beleuchtet, aber von Wohngebieten umringt. Wer auch immer Leanne hier etwas angetan hat, ist mit seiner Tat ein großes Risiko eingegangen.

Die Suche weitet sich bald auf ganz England aus. Es gibt immer wieder Meldungen von Zeugen, die Leanne gesehen haben wollen – in Städten wie Blackpool oder Doncaster. All diesen Tipps wird zwar nachgegangen, allerdings können diese Sichtungen nicht verifiziert werden.

Obwohl Leannes Familie sich eigentlich nicht vorstellen kann, dass sie von zuhause weglaufen würde, hält sie verzweifelt an dieser Vorstellung fest. Denn jede andere Möglichkeit, was mit Leanne geschehen sein könnte, ist einfach noch schlimmer als der Gedanke, dass sie einfach ausreißen wollte. Leannes Mutter lässt die Haustür nachts immer einen Spalt weit offen. Sie weiß zwar, dass das nicht gerade sicher ist, aber sie will, dass ihre Tochter immer hereinkommen kann, falls sie nach Hause zurückkehrt, egal um welche Uhrzeit.

An Weihnachten 2000 bemühen die Tiernans sich um Normalität. Der Vater der Familie kommt vorbei, gemeinsam mit Leannes Schwester Michelle schmücken sie den Baum und sitzen beim Weihnachtsessen zusammen. Alle haben Geschenke für die vermisste 16-Jährige eingepackt und warten den ganzen Tag darauf, dass Leanne vielleicht doch noch vor der Tür auftaucht. Aber Leanne Tiernan kommt nicht nach Hause. Das Weihnachtsfest 2000 ist nur das erste von jedem weiteren, das die Familie in Zukunft ohne sie verbringen wird.

Die Leiche

Am 21. August 2001 unternimmt ein Hundehalter einen Spaziergang in den Lindley Woods, einem kleinen Waldgebiet innerhalb einer Parkanlage. Der Park liegt an der Grenze zwischen North und West Yorkshire, nur 16 Meilen von Leannes Haus entfernt. Während seines Spaziergangs findet der Mann ein Stoffbündel, das irgendwie merkwürdig aussieht. Unsicher, was er tun soll, entscheidet er sich dazu, die Polizei zu rufen. Zum Glück. Der Mann steht noch daneben, als Streifenpolizisten das Stoffbündel vorsichtig auspacken – und darunter die Leiche von Leanne Tiernan zum Vorschein kommt.

Die Auffindesituation stellt selbst die erfahrensten Ermittler auf die Probe. Der Leichnam des Mädchens wurde in ein mit Blumen bedrucktes Bettlaken eingepackt. Leannes Körper ist darunter nochmals in eine Schicht grüner Müllsäcke eingewickelt und mit Schnüren zusammengebunden worden. Über ihren Kopf wurde ein schwarzer Müllsack gestülpt, der mit einem Hundehalsband, das fest um ihren Hals gebunden war, fixiert wurde. Ihre Hände sind mit Kabelbindern zusammengebunden, auch um ihren Hals liegen neben dem Hundehalsband weitere Kabelbinder sowie ein Schal.

Es stellt sich heraus, dass ein Rentnerehepaar einige Tage vor der Entdeckung der Leiche einen Mann gesehen hat, der ein großes Bündel aus dem Kofferraum seines Autos in den Wald trug. Wahrscheinlich hat das Ehepaar unwissentlich den Mörder von Leanne Tiernan dabei beobachtet, wie er ihren Leichnam versteckte. Die Frau erinnert sich noch so gut an diese Beobachtung, weil sie vermutet hat, der Mann würde im Wald illegal Müll abladen. Darüber hat sie sich aufgeregt. Aber die Wahrheit ist noch viel düsterer.

Bei der Obduktion stellt man schnell fest, dass Leanne tatsächlich erst vor kurzem im Wald abgelegt wurde. Obwohl sie schon vor neun Monaten verschwunden ist, ist die Verwesung noch nicht allzu weit fortgeschritten. Das bedeutet, dass sie wahrscheinlich monatelang an einem kühlen Ort gelegen hat – beispielsweise in einer großen Gefriertruhe. Bei aller Grausamkeit ist das für die Rechtsmediziner von Vorteil – denn so können sich noch kleine Spuren an Leannes Leichnam sichern lassen. Und man kann die Todesursache feststellen: Mit großer Wahrscheinlichkeit Strangulation.

Die Polizei appelliert an die Öffentlichkeit. Die Person, die Leannes Leichnam dort abgelegt hat, muss sich sehr gut in den Lindley Woods auskennen. Und jeder, auf den das zutrifft, ist für die Ermittler eine Person von Interesse. Schon bald hat die Polizei eine Liste mit mehr als 400 Namen zusammengestellt, die allesamt als mögliche Verdächtige infrage kommen.

Während die Liste Name für Name abgearbeitet wird, arbeiten auch Forensiker fieberhaft weiter. Durch den Fund von Leannes Leichnam gibt es neue Ermittlungsansätze. Vor allem durch die Kabelbinder und das Hundehalsband an ihrer Leiche. So schrecklich dieser Fund gewesen sein mag, umso mehr bietet er für die Ermittler einen Hoffnungsschimmer.

Denn nun kann die Polizei die Großhändler kontaktieren, die das Halsband vertreiben. Das hellbraune Hundehalsband, das an Leannes Leiche gefunden wurde, wurde von einer Firma in Nottingham hergestellt. Diese Firma verkauft die Halsbänder wiederum an Großhändler, darunter an ein Versandhaus in Liverpool. Und zu dessen Kunden gehört ein Mann namens John Taylor.

Und dieser Mann hat eine direkte Verbindung zu dem Fundort: Er soll in den Wäldern des Lindley-Parks oft auf Tierjagd gewesen sein. Das macht ihn definitiv zu einem Verdächtigen. Auf dem Schal, den Leannes Leichnam um den Hals trägt, werden menschliche Haare gefunden. Der DNA-Abgleich bringt ein eindeutiges Ergebnis: Das Haar gehört zum verdächtigen John Taylor. Und die Indizienkette geht noch weiter.

Die Schnur, mit der die grünen Müllsäcke um Leannes Leiche gebunden waren, stammte von einem Hersteller in Devon. Bei einer späteren Durchsuchung von Johns Haus findet die Polizei ein exaktes Exemplar der Schnur. Genau so ein Stück grünes Plastik, das mit den Müllbeuteln identisch ist, mit denen der Leichnam umwickelt war.

An Leannes Leiche findet man auch rote Nylonfasern, die ein besonderes Farbmuster haben. Diese Fasern werden an Nägeln im Boden von Taylors Haus gefunden. Dort hatte bis vor kurzem ein roter Teppich gelegen, den er herausgerissen und verbrannt hat. Wie die Polizei nun schlussfolgert, um Beweise für Leannes Anwesenheit in seinem Haus zu vernichten. Die Beweislast gegen John Taylor ist also erdrückend – und eindeutig genug, um ihn festzunehmen.

Kein Einzelfall

Am 16. Oktober 2001 wird John Taylor wegen des Mordes an Leanne Tiernan verhaftet. John gesteht den Überfall – und gibt an, aus einem spontanen Impuls gehandelt zu haben. Er erzählt, dass er am 26. November 2000 mit seinem Hund Gassi gehen war. Zuvor habe er Alkohol getrunken. Als er Leanne gesehen habe, habe er einfach „zugeschnappt“, so nennt er es– ohne weiter darüber nachzudenken.

Als Leanne den abgelegenen Weg (namens Houghley Gill) passierte, packte er sie von hinten. John legte ihr die Hand über den Mund, verband ihr die Augen und führte sie zu seinem Haus. Als die Polizei das Haus von John Monate später durchsucht, liegt in der Küche eine Zeitung. In der Titelstory geht es um den Fall Leanne Tiernan.

John Taylor hat keine Vorstrafen, als er festgenommen wird. In seinem ganzen Leben ist er nicht ein einziges Mal polizeilich aufgefallen. Er lebt in Bramley in Leeds, ist zweifacher Vater und seit 1996 geschieden. Gemeinsam mit seiner Frau hat er in einem Haus im Cockshott Drive gelebt. 1996 ziehen seine Ex und die beiden Kinder aber aus und John lebt seither allein dort. Er arbeitet als Paketlieferant.

Nach der Trennung von seiner Ehefrau hat John versucht, über Kontaktanzeigen eine neue Partnerin zu finden. Im Zuge der Ermittlungen kontaktiert die Polizei Frauen, die John gedatet hat. Keine von ihnen scheint explizit schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht zu haben. Einige beschreiben ihn als „etwas komisch“, zwei erzählen, dass John auf Bondage gestanden habe. Er hätte seine Partnerinnen mit Kabelbindern gefesselt – genau so hat er es ja auch bei der toten Leanne Tiernan gemacht.

Interessant ist vor allem der Bericht einer Frau, mit der John ein Date hatte: Die beiden sind zusammen in genau das Waldgebiet gefahren, in dem Leanne später gefunden wurde. Ein weiteres Indiz dafür, dass John Taylor sich in dem Gebiet gut auskennt.

Viel beunruhigender als die Schilderungen von Johns Dates ist das, was die Polizei im Garten seines Hauses findet. Dort hat er dutzende Tierkadaver vergraben. Neben zahlreichen Frettchen findet die Polizei auch Hundeleichen. Einigen von ihnen wurden die Schädel durch Schläge zertrümmert – vermutlich von John Taylor selbst. Er hat nämlich begonnen, Hunde zu züchten und hatte dementsprechend einige im Haus.

Nach seiner Scheidung schafft John sich noch mehr Tiere an. Bald besitzt er Eulen, zwei Schäferhundwelpen, sieben Border Terrier, 28 Frettchen, einen Iltis, 40 Hühner und eine Ente. Immer wieder tötet er einige der Tiere, teilweise, um sie später zu essen. Andere vergräbt er im Hintergarten, wo sie nach seiner Verhaftung von der Polizei gefunden werden.

Als er wegen des Mordes an Leanne Tiernan verhaftet wird, ist nur noch ein Hund übrig, der Rest der Tiere ist tot. Die Polizei bezweifelt, dass die meisten von ihnen eines natürlichen Todes gestorben sind.

Zwar hat John Taylor keine Vorstrafen, aber die Polizei bezweifelt, dass die Entführung und Ermordung von Leanne Tiernan sein erstes Verbrechen war. Also werden die Akten mehrerer ungeklärter Sexualdelikte aus der Umgebung erneut geöffnet. Die Fälle reichen bis in die 1980er Jahre. Tatsächlich gesteht John Taylor zwei der Verbrechen.

Das erste begeht er am 18. Oktober 1988. Mit einer Maske und einem Messer bewaffnet überfällt er eine 32-jährige Frau in der Nähe von Houghley Gill, in Leeds. Also genau dort, wo er zwölf Jahre später Leanne Tiernan angreift. John Taylor vergewaltigt die 32-Jährige dort und lässt sie danach laufen.

Der zweite Fall ereignet sich am 1. März 1989. John Taylor bricht, abermals maskiert und mit einem Messer bewaffnet, in die Wohnung einer jungen Frau in Leeds-Bramley ein. Wieder ereignet sich das Verbrechen in dem Stadtteil, in dem sein späteres Opfer Leanne Tiernan lebt. Damals zwingt er die 21-jährige Bewohnerin der Wohnung zum Sex, zuvor fesselt und knebelt er sie.

Zwischen den Vergewaltigungen, die John gestanden hat, und dem Verbrechen an Leanne liegen elf Jahre. Die Polizei bezweifelt, dass er mehr als eine Dekade lang untätig gewesen ist. Deshalb untersucht sie auch weitere ungelöste Mordfälle und prüft mögliche Verbindungen zu John Taylor. Man versucht herauszufinden, ob Taylor etwa am Mord an Yvonne Fitt, einer Prostituierten aus Bradford, schuld sein könnte. Sie wurde im Jahr 1992 ermordet. Und ihre Leiche fand man vergraben in demselben Waldstück, in dem auch Leanne begraben war. Außerdem werden die Fälle Lindsey Jo Rimer aus 1994, Deborah Wood aus 1996 und Rebecca Hall aus 2001 überprüft.

In diesen vier Mordfällen lässt sich aber kein zweifelsfreier Zusammenhang mit John Taylor feststellen. Falls John Taylor noch weitere Verbrechen begangen haben sollte, sind das seine Geheimnisse.

Der Täter vor Gericht

Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass ich am Anfang des letzten Kapitels gesagt habe, dass John Taylor den Angriff auf Leanne Tiernan gestanden hat. Das ist ein wichtiges Detail – John gesteht, sie überfallen und entführt zu haben. Leanne ermordet zu haben, streitet er allerdings ab.

Als es 2002 zum Prozess gegen John Taylor kommt, behauptet er, die Sache sei aus dem Ruder gelaufen. Leanne sei während des Sexualübergriffs aus dem Bett gefallen und habe sich den Kopf angeschlagen. Im Glauben, sie sei tot, habe er sie mit Hilfe des Schals, den sie um den Hals trug, hochgehoben und habe sie dabei wohl versehentlich stranguliert. Daraufhin sei er in Panik geraten und habe Leannes Leichnam im Wald von Lindley vergraben.

Dabei vergisst John Taylor aber ein entscheidendes Detail: Die Obduktion hat ja ganz eindeutig gezeigt, dass Leanne definitiv nicht neun Monate im Wald unter der Erde gelegen hat. Daraus leitet die Staatsanwaltschaft ab, dass John Taylor den Leichnam für Monate in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt haben muss – wahrscheinlich als eine Art Trophäe. Und das widerspricht natürlich Johns Aussage. John Taylor hat Tiefkühltruhen in seinem Haus gehabt, die groß genug gewesen wären, um darin einen menschlichen Körper aufzubewahren.

Er ist Hobbyjäger und hat dementsprechend Kühlmöglichkeiten zur Verfügung. Gepaart mit seinen vorigen Taten ist die Sache für das Gericht klar: John Taylor hat Leanne Tiernan am 26. November 2000 aus sexuellen, sadistischen Gründen ermordet.

Am 8. Juli 2002 bekennt John Taylor sich dann doch des Mordes an Leanne Tiernan schuldig. Er sagt nur das Nötigste und zeigt keinerlei Gefühlsregungen. Auch dann nicht, als der Richter ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Outro

John Taylor wird das Gefängnis wahrscheinlich nie wieder lebend verlassen. Für viele Experten gilt er nach wie vor als brandgefährlich. Die Möglichkeit, dass er zum Wiederholungstäter werden könnte, ist einfach zu groß.

Der heutige Fall kam mal wieder aus England. Schreibt mir gern mal in die Kommentare, wie das bei euch ist – habt ihr lieber Fälle aus dem europäischen Ausland, den USA oder aus Deutschland? Oder vielleicht aus ganz anderen Teilen der Welt? Oder ist der Ort des Geschehens für euch zweitrangig? Eure Meinung dazu würde mich interessieren, und euer Feedback ist natürlich immer ein guter Gradmesser dafür, was ihr hier bei Insolito gern sehen möchtet.

Ansonsten vielen Dank fürs Zuschauen und TSCHÜSS.

Quellen

  1. Murder of Leanne Tiernan Forensic Tales
  2. Bizarre behaviour of a dangerous sadist yorkshirepost.co.uk (Internet Archive)
  3. John Taylor: Killer in the Woods Crime+Investigation
  4. Killer in the Woods YouTube, 2015
Fallakte
Orte
Leeds, Bramley, Houghley Gill, Lindley Woods
Region
England
Land
Großbritannien
Jahr
2000–2002
Status
Gelöst
Fallart
Tötungsdelikt, Vermisstenfall, Entführung, Kinder & Jugendliche
Personen
Leanne Tiernan, John Taylor, Sarah Whitehouse, Michelle
Lagekarte
Kartendaten: Natural Earth