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Darlington, England, 2024

Scarlett Vickers

Eine 14-Jährige stirbt 2024 in Darlington an einem Messerstich, ihr Vater spricht von einem Unfall.

Lesezeit etwa 14 Minuten

Worum es geht

Im Juli 2024 stirbt die 14-jährige Scarlett Vickers in der Küche ihres Elternhauses im englischen Darlington an einem Messerstich. Ihr Vater Simon spricht von Herumalbern und einem Spielkampf, schildert den Hergang aber in mehreren voneinander abweichenden Versionen. Ermittler und Gericht müssen klären, ob es ein tragischer Unfall war oder eine vorsätzliche Tat. Scarletts Mutter Sarah, die zum Zeitpunkt der Tat mit in der Küche war, ist überzeugt, dass es ein Unfall war.

Kirche St. Cuthbert in Darlington
Kirche St. Cuthbert in Darlington. Foto: Dave Kelly, CC BY-SA 2.0, über Wikimedia Commons.

Intro

Wann hattet ihr euren letzten Spiel-Kampf? So ein bisschen Gerangel, vielleicht Geschubse. Die meisten wahrscheinlich im Kindesalter. Und klar, auch wenn das alles ein Spiel war, manchmal hat man dem jeweils anderen dabei aus Versehen doch ordentlich weh getan oder auch mal selbst eingesteckt. Ein blauer Fleck hier, eine Schramme da – das passiert in solchen Situationen einfach. Ein Spiel-Kampf, ein Playfight. Genau so was soll im Juli 2024 auch im Haus einer englischen Familie passiert sein. Hier endet der Playfight aber nicht mit einem aufgeschlagenen Knie oder einem blauen Fleck. Sondern mit einer toten Jugendlichen. Und einem Vater, der sich in Widersprüche verstrickt.

„Die drei S“

Simon Vickers und Sarah Hall lernen sich kennen, als die beiden Anfang 20 sind. Die zwei werden ein Paar und bauen sich ein gemeinsames Leben auf. Nach dreizehn Jahren Beziehung wagen Simon und Sarah dann ihr wohl größtes Abenteuer: 2010 werden die beiden Eltern einer Tochter. Sie nennen das Mädchen Scarlett und könnten glücklicher nicht sein.

Scarlett bleibt Einzelkind, aber auch zu dritt ist die Familie der Vickers komplett. Simon, Sarah, Scarlett – wie die drei selbst scherzhaft immer sagen, „the three S’s“.

Die drei wohnen zusammen in Darlington, einer mittelgroßen Stadt im Nordosten Englands. Das Häuschen in der Geneva Road ist klein, aber fein. Scarlett wächst zu einem selbstbewussten und fröhlichen Mädchen heran. In der Schule ist sie sehr beliebt, sie hat immer für jeden ein nettes Wort übrig, ist höflich und zuvorkommend. Die drei sind eine unauffällige Familie – ein glückliches Ehepaar mit bodenständigen Jobs und einer klugen, vernünftigen Tochter.

Es ist der 5. Juli 2024. Ein Freitagabend. Simon Vickers hat Feierabend und möchte das Wochenende ganz entspannt einleiten. Der 50-Jährige raucht etwas Gras. Simon arbeitet in einer Fabrik, und im Alter von 50 Jahren geht die körperliche Arbeit langsam, aber sicher auf den Rücken. Das Marihuana hilft ihm bei den Schmerzen. Dazu macht er sich einen Wein auf. Wie viel genau Simon trinkt, weiß er später nicht mehr, aber drei oder vier Gläschen werden es gewesen sein.

Im Fernsehen laufen an diesem Abend zwei Fußballspiele der EM. Erst Spanien gegen Deutschland, später um 21 Uhr dann Portugal gegen Frankreich. Simon macht es sich auf dem Sofa gemütlich. Nach einer Weile geht er vom Wohnzimmer in die Küche, wo seine Partnerin Sarah das Abendessen vorbereitet: Spaghetti Bolognese.

Gegen 22:15 Uhr kommt auch Tochter Scarlett runter, die den Abend bislang in ihrem Zimmer verbracht hat, mit ein paar Online-Spielen und Chatten. Die Küche der Vickers ist nicht gerade groß, sodass man sich andauernd anrempelt, wenn man sich zu dritt dort drinnen aufhält. Das hält Sarah und Scarlett aber nicht davon ab, ein bisschen Quatsch zu machen. Mutter und Tochter bewerfen sich gegenseitig mit Weintrauben. Sie versuchen zwar, die Früchte mit ihren Mündern zu fangen, haben dabei aber nicht die beste Trefferquote.

Vater Simon findet das eher weniger lustig und hat keine große Lust, ebenfalls mit einer Weintraube abgeworfen zu werden. Aber Sarah hört nicht auf ihn und kneift ihrem Mann stattdessen mit einer Küchenzange in den Hintern. Als Simon sich umdreht, kneift Sarah ihm mit der Zange auch noch in den Finger. Dem 50-Jährigen entweicht ein „Aua“. Von seiner Tochter kommt daraufhin nur ein neckendes: „Dad, sei kein Weichei“.

Währenddessen dreht sich Mutter Sarah schon wieder um. Die Spaghetti sind durch und müssen vom Herd runter. Vielleicht lächelt sie noch über die Späße, die sie mit ihrer Familie macht. Vielleicht verdreht sie noch spielerisch die Augen, als sie Simon fragen hört: „Wie hättest du’s denn gern?“ Und vielleicht glaubt Sarah, dass Simon nun endlich auch beim gegenseitigen Necken mitmacht, als sie von Scarlett auf einmal ein „Aua, aua“ hört. Aber als Sarah sich daraufhin umdreht, sieht sie etwas, das von einem harmlosen Spaß nicht weiter entfernt sein könnte. Ihre Tochter, blutüberströmt. Mit einem Messerstich an der Seite ihrer linken Brust.

„A Playfight“

Scarlett steht fast vor der Tür, die aus der Küche hinausführt, als Sarah sich entgeistert zu ihrer Tochter umdreht. Das Letzte, was Scarlett sieht, sind wahrscheinlich die geschockten Gesichter ihrer Eltern. Dann bricht sie an der Türschwelle der Küche zusammen. Simon versucht, die Blutung mit einem Geschirrtuch zu stoppen und ruft seiner Frau zu, sie solle sofort den Notruf wählen.

Scarlett Vickers stirbt an diesem Abend. Ein einzelner Stich ist direkt zwischen ihrer fünften und sechsten Rippe gelandet, etwa elf Zentimeter tief. Sowohl ihr Lungenflügel als auch ihre Herzkammer wurden verletzt. Die 14-Jährige hat keine Chance, den daraus resultierenden Blutverlust zu überleben.

Sarah setzt zwar einen Notruf ab, und gegen 22:50 Uhr treffen Notärzte und Polizisten bei den Vickers ein. Aber man kann nichts mehr für Scarlett tun. Nach einer Stunde vergeblicher Wiederbelebungsversuche wird sie um 23:50 Uhr offiziell für tot erklärt. Während Sarah mit ansehen muss, wie die Ärzte um das Leben ihrer Tochter kämpfen, bittet Sarah Simon, dass er ins Wohnzimmer gehen solle. Sie kann die Situation nicht verarbeiten und versteht nicht, was passiert ist.

Simon erklärt ihr: „Wir haben herumgealbert“. Simon ist merklich betrunken, er lallt ein bisschen. Er erzählt den Sanitätern, seine Tochter habe sich während eines Spielkampfes auf ihn gestürzt und sei einfach ins Messer gefallen. Ein Spielkampf. Ein ‘Playfight’. Ein verrückter, tragischer Unfall. Aber wo hört ein Unfall auf – und wo fängt ein Mord an?

Das Ding ist nämlich, dass Simon verschiedene Versionen dazu erzählt, was in der Küche zwischen ihm und seiner Tochter vorgefallen ist. Keine ist mehr oder weniger tragisch oder ändert, was an diesem Abend geschehen ist. Die Basis bleibt so traurig wie schockierend: Simon Vickers hat seine Tochter tödlich mit einem Messer verletzt, während Sarah gerade kurz nicht hingeschaut hat. Aber wie konnte es dazu kommen? Genau das möchte natürlich auch die Polizei dringend wissen. Simon ist zwar kooperativ und redet – aber dabei ändert er die Geschichte immer wieder. So stehen letztlich vier verschiedene Szenarien im Raum. Allen geht ein Playfight voran. Was dann passiert sein soll, unterscheidet sich.

Version 1 ist, dass er Scarlett aus Versehen erstochen habe. Die zweite Version: Simon habe mit Messern geworfen und Scarlett versehentlich getroffen. Die dritte: Simon habe nicht mit Messern geworfen, aber mit anderen Kochutensilien, zum Beispiel mit der Zange. An ein Messer könne Simon sich gar nicht erinnern. Das Messer müsse dann von der Zange getroffen worden sein und von der Küchentheke aus in Scarletts Oberkörper geschlittert sein. Die vierte Version: Scarlett sei quasi in das offene Messer gesprungen.

Man argumentiert, der Stich sei viel zu tief, als dass er aus einer harmlosen Spielerei hervorgegangen sein könnte. Abgesehen davon, dass es ohnehin eine ziemlich blöde Idee ist, ein Messer gegen jemanden zu richten, egal ob man einen „Spaß“ machen will oder nicht. Es ist nämlich so, dass Scarlett zum Zeitpunkt ihres Todes ein Nachthemd, ein Unterhemd und einen BH getragen hat. Durch diese drei Textilschichten ist das Messer durchgegangen. Hätte Simon seine Tochter wirklich nur mit dem Messer anstupsen wollen, dann müsste ja eigentlich spätestens nach der dritten Textilschicht Schluss gewesen sein.

Stattdessen ist das Messer ja aber ganze elf Zentimeter eingedrungen. Noch dazu in die linke Brustseite, und jedes Kind weiß, dass das die Herzregion ist. Zudem hat der Stich sie wohl dort getroffen, wo normalerweise der Arm anliegt. Also wirklich richtig an der Seite der Brust. Simon muss also aus allernächster Nähe das Messer gegen Scarlett gerichtet haben. Dazu passt auch, dass sich um die Wunde herum sogar noch ein Hämatom gebildet hat. Auch das spricht für die Wucht, mit der der Stich erfolgt sein muss.

Damit fällt auch die zweite Version raus. Auch hier wieder; mit einem Messer zu werfen ist nie eine gute Idee, vor allem nicht in einem kleinen Raum, in dem sich drei Personen quetschen. Aber dass ein normales Küchenmesser durch einen lockeren Wurf ganze elf Zentimeter tief in jemanden eindringt? Wie soll das gehen? Dafür hätte Simon Anlauf nehmen und es wie ein Speerwerfer mit voller Wucht auf seine Tochter werfen müssen.

Noch dazu hat Sarah in ihrer Zeugenaussage zu Protokoll gegeben, das Messer habe nicht in Scarletts Wunde gesteckt, als sie sich umgedreht habe. Das sollte endgültig entkräften, dass das Messer Scarlett im Wurf erwischt hat. Die konsultierte Pathologin hält das auch für so gut wie unmöglich.

Na ja, und dann ist da noch Simons Behauptung, er habe gar kein Messer in der Hand gehabt. Simon sagt, er habe zwar mit der Küchenzange oder Kochlöffeln geworfen, aber ein Messer habe eigentlich nur Sarah in der Hand gehabt, die für das Abendessen eine Zwiebel geschnitten habe. Allerdings stellt die ermittelnde Pathologin eine Schnittwunde an Simons Hand fest. Für diese hat sie auch eine Erklärung: Der Messerstich war so tief, dass der Arm des Täters bei der Stichbewegung gestützt worden sein muss. Das würde dann erklären, wie an Simons Hand ein Schnitt kommen würde.

Es sieht also schon mal nicht gut aus für Simon Vickers. Und dazu kommen noch Vorstrafen. Und eine davon ist im Zusammenhang mit dem Tod seiner Tochter zumindest auffällig. Denn 1993, da ist Simon 19 Jahre alt und kennt seine zukünftige Freundin Sarah noch gar nicht, wird er wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt, weil er einen Mann im Gesicht verletzt haben soll – und zwar mit einem Messer. Damals gibt es für Simon Vickers eine zwei Jahre lange Freiheitsstrafe.

Zudem wurde Simon mehrfach, zuletzt 1999, wegen „geringfügiger Unehrlichkeit“ verurteilt. Was damit im Falle von Simon Vickers konkret gemeint ist, ist leider nicht bekannt. Es könnte sich bei solchen „geringfügigen Unehrlichkeiten“ zum Beispiel um falsche Buchführung, das Benutzen eines Fake-Ausweises, ungenaue oder falsche Angaben bei Vertragsabschlüssen oder so etwas Ähnlichem handeln.

Das ist im Zusammenhang mit dem Fall Scarlett Vickers aber auch eher zweitrangig. Es ist vor allem die Verurteilung wegen Körperverletzung, die hier interessant wird. Allerdings ist eben auch zu berücksichtigen, dass diese schon 30 Jahre zurückliegt und Simon damals keine Tötungsabsicht nachgewiesen werden konnte.

Mit dem Hintergrundwissen und der Faktenlage steht man jetzt vor einer schwierigen Frage: Kann man Simon Vickers wirklich wegen Mordes an seiner eigenen Tochter verurteilen? Oder wäre eine Verurteilung wegen Totschlags nicht angemessener?

Mord oder Unfall?

Ähnlich wie bei uns liegt der Unterschied zwischen Mord und Totschlag im Vereinigten Königreich auch in der Intention des Täters. Mord ist als die rechtswidrige Tötung eines Menschen in vorsätzlicher Absicht definiert. Dies bedeutet, dass der Angeklagte die Absicht hatte, das Opfer zu töten oder ihm einen schweren Schaden zuzufügen, oder dass er ohne Rücksicht auf das Leben gehandelt hat.

Totschlag wiederum wäre die rechtswidrige Tötung einer Person ohne die Absicht, zu töten oder ihr schweren Schaden zuzufügen. Sie kann in einer Vielzahl von Situationen begangen werden, in denen die Handlungen des Angeklagten nicht die Schwelle zum Mord erreichen. Das wäre der Fall, wenn jemand eine andere Person vorsätzlich tötet, aber eine teilweise Erklärung vorliegt – zum Beispiel, wenn der Täter vorher provoziert wurde oder verminderte Schuldfähigkeit vorliegt.

Dass Simon am Tod seiner Tochter schuld ist, steht außer Frage. Aber ist der 50-Jährige auch ein Mörder?

Einige Nachbarn sollen der Polizei zudem von einem lauten Streit berichtet haben, den es kurz vor dem Absetzen des Notrufs wohl gab. Im ersten Notruf hat Sarah übrigens selbst auch gesagt, Vater und Tochter hätten herumgealbert und dabei sei etwas passiert. Ihr Mann habe „etwas nach der Tochter geworfen“. Simon hingegen hat erstmal gesagt, Sarah sei ins Messer gesprungen. Erst später hat er auch behauptet, das Messer geworfen zu haben.

Und zwischendurch meinte er dann ja auch noch mal, gar kein Messer in der Hand gehabt zu haben. Was in dieser Nacht in der Küche der Vickers weshalb passiert ist, weiß nur einer: Simon Vickers selbst, der vier verschiedene Versionen zu den Geschehnissen vorgelegt hat. Davon aber keine, in der er seine Tochter vorsätzlich getötet hat und die ihn damit als Mörder qualifizieren würde. Es ist nun also am Gericht, ein Urteil zu fällen – ausschließlich auf der Basis der vorliegenden Indizien.

Die Jury fällt ihr Urteil in einer Mehrheit von 10 zu 2. Das Urteil lautet: Schuldig des Mordes an Scarlett Vickers. Damit erhält ihr Vater Simon Vickers eine lebenslange Freiheitsstrafe. Als Minimum-Haftzeit werden fünfzehn Jahre festgelegt. Letztendlich wurden ihm seine Vorstrafen nicht weiter zur Last gelegt, weil sie eben schon so lange zurückliegen.

Im Urteil heißt es dazu vonseiten des Richters: Ich akzeptiere, dass Sie unmittelbar nachdem Sie Scarlett erstochen hatten, am Boden zerstört waren durch das, was Sie getan haben, und dass Sie seitdem ein gebrochener Mann sind. Sie haben Ihr einziges Kind durch Ihre eigene Hand verloren und werden immer mit dieser schrecklichen Tatsache leben. Ich erkenne auch an, dass es sich um eine kurzschlussartige Tat aus Wut heraus handelte und dass es keine Vorsätzlichkeit gab. Ich bin mir nicht sicher, ob eine Tötungsabsicht vorlag und verurteile auf der Grundlage, dass die Absicht bestand, sehr schweren Schaden zu verursachen.”

Das heißt: Der Richter selbst gibt zu, dass er nicht weiß, ob Simon Scarlett wirklich ermorden wollte. Wenn ja, dann hat er es vorher nicht geplant. Aber der Richter glaubt, dass er Scarlett auf jeden Fall schwer verletzen wollte. Und da Scarlett 14 Jahre alt und ein schutzbedürftiges Kind war, das in seinem eigenen Elternhaus getötet wurde, befindet die Jury, dass das für ein Mordurteil reicht.

Für Simon Vickers ist das Urteil natürlich eine Katastrophe. Denn auf dem Papier ist er jetzt offiziell der Mörder seiner Tochter. Und damit hat nicht nur Simon ein Problem. Sondern, und das überrascht viele, auch seine Freundin und Scarletts Mutter, Sarah. Sie ist sich sicher, dass ihr Freund der gemeinsamen Tochter niemals etwas hätte antun können.

Sie glaubt an eine Mischung aus Version Nummer drei und vier. Das Messer habe neben der Zange auf der Küchentheke gelegen. Simon habe mit der Zange geworfen, dadurch sei das Messer nach vorn gerutscht und die Klinge habe über die Theke gehangen. Na ja, und Scarlett habe sich in diesem Moment auf ihren Vater zubewegt und sei so in die Messerklinge gerannt.

Sarah ist davon so überzeugt, dass sie ganz bewusst die Öffentlichkeit sucht. Sie gibt Interviews, lässt sich mit ihrem Gesicht und Klarnamen ablichten und versucht irgendwie, der Welt klarzumachen, dass Simon kein Mörder ist. Es habe an diesem Abend keinen Streit gegeben. Einfach nur harmlose Blödeleien zwischen Vater, Mutter und Tochter. Und diese endeten leider tödlich. Simon sei immer ein liebender Vater und Ehemann gewesen. Niemals einschüchternd, kontrollierend oder irgendwie gewaltbereit.

Sarah weiß, dass viele nicht verstehen können, wie sie noch zu Simon halten kann. Aber sie erklärt es so: „Wie kann ich ihm die Schuld an einem Unfall geben, wenn ich weiß, dass er genauso viel Schmerz empfindet wie ich. Wenn ich denken würde, dass er es absichtlich getan hat, dann wäre ich nicht hier [bei diesem Interview]. Ich hätte sie mit meinem Leben beschützt, genau wie er.“

Gleichzeitig kämpft Sarah natürlich auch mit dem Verlust ihres einzigen Kindes, das in ihrem eigenen Haus gestorben ist. Sie kehrt nur sehr selten in die Geneva Road zurück, das Haus ist inzwischen verwaist. In Scarletts Kinderzimmer ist alles noch genauso, wie die Jugendliche es am 5. Juli 2024 verlassen hat.

Das Tückische ist ja, dass es nie zuvor einen Anhaltspunkt dafür gegeben hat, dass bei den Vickers zuhause etwas nicht gestimmt hat. Keine Anhaltspunkte dafür, dass Scarlett sich jemals durch ihren Vater bedroht gefühlt hat. Was es aber gibt, ist eine Epidemie von häuslicher Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Nach Angaben des Office for National Statistics wurden in England und Wales allein zwischen 2022 und 2023 1,4 Millionen Frauen und Mädchen Geschädigte häuslicher Gewalt. Und das Gericht befindet mit dem Mordurteil: Scarlett Vickers ist eine von ihnen.

Outro

Die Verurteilung von Simon Vickers soll vom Berufungsgericht überprüft werden. Das ist zumindest der Stand zum Zeitpunkt dieser Aufnahme. Allerdings nicht nur wegen den Zweifeln an Simons Absicht – sondern weil die zuständige Generalstaatsanwältin Lucy Rigby KC erklärt hatte, sie halte das Urteil gegen Simon für zu milde. Es sieht also so aus, als würde uns der Fall Scarlett Vickers noch eine Weile begleiten. Sobald es Neuigkeiten gibt, werde ich euch auf jeden Fall auf dem Zweitkanal Insolito Crime News updaten. Wenn ihr schon länger dabei seid, kennt ihr das ja schon:

Wenn sich in einem Fall etwas ändert, es ein neues Urteil, Verdächtige oder sonstige News gibt, dann findet ihr das eben bei Crime News. Abonniert also auch gern den Zweitkanal, um keine Updates zu verpassen. Der Link ist in der Infobox.

Bis dahin, schreibt mir doch gern mal eure Gedanken zu diesem Fall in die Kommentare. Ich fand die Recherche echt heavy – einerseits macht der Fall komplett fassungslos, und dass Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Schutzbefohlene ein riesiges Problem ist, ist ja leider einfach ein Fakt. Aber da ist dann eben auch das fehlende Motiv, die fehlenden Warnzeichen, nach denen man in solchen Fällen rückwirkend immer sucht. Und die tiefe Überzeugung von Sarah, die trotz des großen Schmerzes, den sie durch Scarletts Tod hat, für die Person kämpft, die Schuld am ganzen Schlamassel trägt.

Ich bin echt gespannt, von euch zu lesen. Bedenkt, dass es sich um einen sehr aktuellen Fall handelt, und bleibt respektvoll, so wie wir das voneinander gewohnt sind. Und wenn ihr den Fall spannend findet, gebt dem Video doch gern einen Daumen hoch. So sehe ich, welche Themen am besten bei euch ankommen, und kann den Content hier bei Insolito dementsprechend anpassen. So gestaltet ihr den Channel im Grunde mit. Vielen Dank dafür und sowieso für euren Support. Bis zum nächsten Mal, ciao.

Quellen

  1. Dad jailed for 15 years for killing daughter, 14, with stab wound to the heart Metro, 2025
  2. The Tragic Case of Scarlett Vickers CIH
  3. Football Matches on Friday July 5, 2024 FBref.com
  4. Scarlett Vickers' mum does not believe her daughter was murdered BBC, 2025
  5. ‘My husband was jailed for murdering our daughter – but I believe it was an accident’ The Independent, 2025
  6. Appeal Court to review dad's 'lenient' murder sentence BBC, 2025
  7. Crown Prosecution Service (CPS) & Legislation.gov.uk
Fallakte
Orte
Darlington, Geneva Road
Region
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Land
Großbritannien
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2024
Status
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Fallart
Tötungsdelikt, Familie & Partnerschaft, Kinder & Jugendliche
Personen
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