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Warren, Massachusetts, 2000

Molly Bish

Eine 16-jährige Bademeisterin verschwindet im Juni 2000 von ihrem Posten an einem Badesee.

Lesezeit etwa 38 Minuten

Worum es geht

Die 16-jährige Molly Bish arbeitet im Sommer 2000 als Bademeisterin am Comins Pond in Warren, Massachusetts. An einem Junimorgen findet man dort nur noch ihre zurückgelassenen Sachen am Bademeisterstuhl, von ihr selbst fehlt jede Spur. Es beginnt die größte Ermittlung, die es im Bundesstaat bis dahin gegeben hat, doch erst drei Jahre später werden in einem Waldgebiet ihre Überreste entdeckt. Im Lauf der Jahre geraten mehrere Männer ins Visier der Ermittler, angeklagt wurde bislang niemand. Der Fall beleuchtet die Verdächtigen, widersprüchliche Zeugenaussagen und die Frage, was am Badesee wirklich geschehen ist.

Zerbrochener Damm am Quaboag River
Zerbrochener Damm am Quaboag River. Foto: LymanSchool at English Wikipedia, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.

Intro

Es ist Sommer im US-Bundesstaat Massachusetts. Vor den Kindern liegen wochenlange Sommerferien, das Wetter ist gut, und eigentlich könnte alles nicht schöner sein. In der Kleinstadt Warren gibt es einen Badesee. Er ist ein wenig abgelegen, am Rand eines Waldes. Für die Leute aus der Umgebung ein echter Geheimtipp, und der perfekte Ort, um in den Ferien ein bisschen Urlaubsfeeling zu haben. Am Morgen des 27. Juni soll an diesem See Schwimmunterricht für ein paar Kinder aus dem Ort stattfinden.

Aber als die Eltern nach und nach ankommen, ist der Platz der Bademeisterin am Ufer leer. Für die 16 Jahre alte Molly Bish ist es erst die zweite Woche in ihrem Ferienjob als Badeaufsicht. Eigentlich ist sie immer zuverlässig und war bislang jeden Tag pünktlich. Aber an diesem Morgen ist am Badesee etwas passiert. In einem ganz kurzen Zeitfenster zwischen Mollys Ankunft und dem Termin zur Schwimmstunde. Die 16-Jährige wurde entführt – direkt an ihrem eigenen Arbeitsplatz.

Man wird erst Jahre später Spuren von Molly Bish finden. Und das, obwohl in ihrem Fall die größte Ermittlung eingeleitet wird, die es im Bundesstaat jemals gegeben hat.

Der Sommerjob

Der wahrscheinlich letzte Tag im Leben von Molly Bish beginnt direkt mit einer schlechten Nachricht. Eine Freundin von Molly war am Abend zuvor in einen Autounfall verwickelt und wurde dabei verletzt. Molly macht sich natürlich direkt Sorgen um ihre Freundin. Sie spricht mit ihrer Mutter über die Sache, und ihre Mutter Magdalene nimmt Molly für eine Weile in den Arm. Aber so sehr die Nachricht Molly auch getroffen hat: Die 16-Jährige will trotzdem aufstehen und in den Tag starten. Denn es sind Sommerferien, und Molly hat ihren ersten richtigen Job.

In ihrer Heimatstadt Warren in Massachusetts gibt es einen beliebten Badesee, den Comins Pond. Dort arbeitet Molly Bish für die Ferienzeit als Bademeisterin. Damit ist sie schon die zweite in ihrer Familie. Ihr drei Jahre älterer Bruder John hat das vor ihr gemacht. Der hatte aber in diesem Sommer keine Zeit mehr dafür, weswegen er als Ersatz seine Schwester vorgeschlagen hat. Das hat auch geklappt, und Molly ist begeistert von ihrem ersten eigenen Job.

Mit 9 US-Dollar pro Stunde ist ihr Gehalt auch nicht schlecht, sodass sie bis zum Ende der Ferien einiges an Geld angespart haben wird. So zumindest der Plan. Die ersten sechs Tage hat John seine Schwester eingearbeitet. Der 27. Juni ist erst der zweite Tag, an dem Molly ganz allein am See eingeplant ist.

Der Comins Pond liegt am Rande der Stadt und ist von Natur umgeben, abgesehen von einer Schnellstraße in der Nähe. Auf Fotos und Videos sieht die Gegend sehr idyllisch aus. Im See ist ein eigener Badebereich abgetrennt, und beim Schwimmen kann man den Ausblick auf den Wald ringsum genießen. Für die 16-jährige Molly ist der Job rundum perfekt: Sie liebt Sport, sie liebt es, unter Leuten zu sein, und hat vor allem ein großes Herz für Kinder.

Die erste Woche im Job ist gut gelaufen, die Arbeit hat Molly Spaß gemacht. Also ist es an diesem Morgen vielleicht sogar eine ganz gute Ablenkung, zur Arbeit zu gehen. Zumal an diesem Tag eine Stunde Schwimmunterricht für ein paar Kinder aus dem Ort ansteht. Molly wird also gebraucht.

Am Morgen des 27. Juni fährt Anns Mutter Magdalene sie zum Comins Pond. Nachdem sie den Morgen etwas länger im Bett verbracht haben, sind Molly und Magdalene spät dran. Trotzdem halten sie unterwegs noch kurz bei einem Laden, um für Molly eine Flasche Wasser zu kaufen.

Als Magdalene und Molly an diesem Morgen auf den Parkplatz biegen, ist er fast leer. Nur ein Truck ist da, um Sand abzuladen, mit dem der Badeabschnitt aufgeschüttet werden soll. Magdalene ist darüber erleichtert. Denn als sie Molly am Morgen zuvor abgesetzt hat, war ihr auf dem Parkplatz ein anderes Auto aufgefallen. Beziehungsweise dessen Fahrer. Am Vortag stand ein weißer Sedan auf dem Parkplatz, dessen Besitzer auf Magdalene ziemlich komisch gewirkt hat. Er saß in seinem geparkten Wagen und hat geraucht. Und Molly dabei ziemlich unangenehm angestarrt.

Magdalene hat sich dadurch unwohl gefühlt und dem Mann ihren bösesten Blick zugeworfen. Davon zeigte sich der Mann aber komplett unbeeindruckt. Er saß einfach am Steuer seines Wagens, rauchte und starrte weiter in ihre Richtung. Eine ziemlich ungemütliche Situation – leider aber auch eine, die viele Frauen kennen werden. Magdalene hat sich einfach dazu entschieden, im Auto sitzen zu bleiben, um den Mann so zu verjagen. Sie hat zunächst Molly an den Strand zu ihrem Bademeisterinnensitz gebracht.

Und dann hat Magdalene sich in ihren Wagen gesetzt und sich nicht von der Stelle bewegt. Sie hat zwanzig Minuten lang gewartet, ehe der Mann in dem weißen Sedan dann endlich vom Parkplatz gefahren ist. Erst dann hatte Magdalene sich damit wohl gefühlt, Molly bei der Arbeit allein zu lassen. Und jetzt, am Tag darauf, ist von dem Mann nichts zu sehen.

Gegen 10 Uhr verabschiedet sie sich von ihrer Tochter Molly. Molly springt aus dem Auto, sagt, dass sie ihre Mutter lieb hat, und läuft Richtung Strandabschnitt. Magdalene schaut ihrer Tochter noch nach und beobachtet sie dabei, wie sie zum Seeufer geht, so wie jeden Morgen in der vergangenen Woche. Sie wartet noch kurz, bis der Truck mit dem Sand vom Parkplatz gefahren ist, dann fährt sie hinterher und macht sich auf den Heimweg.

Etwa zwanzig Minuten später, gegen 10:20 Uhr, kommt eine kleine Familie am Badesee an. Sandra Woodworth und ihre Kinder gehen regelmäßig am Comins Pond schwimmen. Deshalb kennen sie die neue Bademeisterin Molly auch schon. Am Ufer der Badestelle sieht Sandra Mollys Sachen auf dem Bademeisterstuhl. Ihr Handtuch ist darüber geworfen, Mollys Wasserflasche und ihre Sandalen stehen davor. Ihr Rucksack liegt auf einer Bank neben dem Stuhl, die Erste-Hilfe-Tasche der Bademeisterin liegt geöffnet daneben.

Auch ihr Funkgerät, das sie als Schwimmaufsicht bei sich getragen hat, ist noch da. Mit dem Funkgerät ist Molly quasi permanent mit der lokalen Polizeidienststelle verbunden. Darüber gibt sie regelmäßig Meldungen an das Polizeirevier, was am See so los ist. Meistens ist das genau gar nichts. Molly gibt dann ein kurzes Funksignal, dass alles klar ist, die Polizei funkt zurück, dass sie das zur Kenntnis genommen hat, und das war’s.

Allerdings meldet sich Molly eigentlich jeden Morgen, sobald sie am Platz ist. Das ist an diesem Tag nicht passiert. Nun liegt das Funkgerät mit Mollys Sachen zusammen zurückgelassen bei ihrem Stuhl. Von Molly selbst ist nichts zu sehen. Eigentlich ist es sehr unüblich, dass der Bademeisterstuhl am See über längere Zeit frei bleibt. Zumal an diesem Morgen der Schwimmunterricht für Kinder geplant ist. Nach und nach kommen immer mehr Kinder mit ihren Eltern an und warten ungeduldig darauf, dass der Unterricht losgeht. Weil Molly aber immer noch nicht auftaucht, übernimmt Sandra Woodworth kurzerhand die Schwimmstunde.

Als sie damit so weit durch ist, ist von Molly immer noch nichts zu sehen. Deshalb alarmiert Sandra Mollys Chef Ed Fett. Er kommt daraufhin gegen 11 Uhr zum See und findet Mollys Sachen genau so vor wie Sandra. Um 11:44 Uhr verständigt er über das Bademeister-Funkgerät die Polizei und meldet eine verschwundene Person am Comins Pond.

Verschwunden am Badesee

Wenn jemand an einem Badesee oder am Meer verschwindet, dann geht man erstmal davon aus, dass die Person einen Unfall beim Schwimmen oder Baden hatte. Das denkt die Polizei auch bei Molly. Also wird die Feuerwehr losgeschickt, um die Lage vor Ort zu sichten. Als Erstes wird dementsprechend der Comins Pond abgesucht.

Mollys Familie bittet die Rettungskräfte eindringlich, die Suche auf dem Wasser abzubrechen. Für sie ist glasklar, dass Molly nicht im Wasser verunglückt sein kann. Immerhin ist sie eine gute und trainierte Schwimmerin. Es kann natürlich trotzdem immer etwas passieren, aber tatsächlich soll die Familie Recht behalten, denn während Einsatzkräfte im See nach Molly suchen, widerfährt der 16-Jährigen gerade etwas ganz anderes.

Einen richtigen Vorwurf kann man den Feuerwehrleuten dennoch nicht machen, immerhin folgen die Einsatzkräfte bei solchen Sachen auch nur einem Protokoll. Und sie sind ja auch eben Feuerwehrleute, keine Polizisten. Aber das macht es nicht weniger bitter, dass man bei der vergeblichen Suche zu Wasser wertvolle Zeit verlieren wird. Zeit, die sich jemand, der Molly etwas antun möchte, zunutze macht.

Und weil die Polizei eben erst mal von einem Badeunfall ausgeht, ist es auch keine Priorität, das Ufer zu räumen. Niemand weiß in diesem Augenblick, dass der Comins Pond ein Tatort ist. Während Einsatzkräfte im Wasser suchen, laufen Leute am Ufer rum, manche schwimmen weiter, weil sie nicht mitbekommen haben, was los ist. Rucksäcke werden hin- und hergeräumt, Handtücher aufgesammelt, herumliegende Essensreste in den Müll geschmissen – der Betrieb geht ganz normal weiter. Bis zum heutigen Tag weiß niemand, ob währenddessen nicht vielleicht wertvolle Beweismittel beseitigt wurden.

Eine weitere frühe Theorie der Polizei ist, dass Molly vielleicht einfach ihren Job hat sausen lassen, um Zeit mit Freunden zu verbringen. Immerhin ist Molly erst 16 und hat eigentlich Ferien. Noch dazu hatte ihre Freundin am Abend zuvor einen Autounfall. Vielleicht wollte Molly sie besuchen gehen. Aber auch hier hält Mollys Familie vehement dagegen. Molly hat all die Zeit in die Bademeister-Kurse gesteckt und war nach der ersten Woche im Job top-motiviert.

Niemals hätte sie einfach so aus einer Laune heraus ihre Schicht verlassen, um mit Freunden rumzuhängen. So sehr sie sich auch Sorgen wegen des Autounfalls gemacht hat. Es dauert bis in den Nachmittag hinein, bis Mollys Familie die Polizei überzeugt hat, dass hinter dem Verschwinden etwas Schlimmeres stecken muss.

In den Nachmittagsstunden geht daraufhin eine große Suchaktion rund um den Comins Pond los. Viele Freiwillige helfen, aber niemand findet eine Spur der 16-Jährigen. Mollys Mutter Magdalene erzählt den Ermittlern auch von ihrer Beobachtung vom Vortag – von diesem komischen Mann, der Molly aus seinem weißen Auto heraus angestarrt hatte.

Das weiße Auto ist auch noch anderen Leuten aufgefallen. Unter anderem dem Truck-Fahrer, der am Morgen Sand am Comins Pond abgeladen hat. Als Molly und ihre Mutter am Parkplatz ankamen, war nur dieser Truck da. Der Fahrer sagt aber, er habe auf dem Parkplatz kurz vor der Ankunft der zwei noch ein anderes Auto gesehen – einen weißen Wagen. Ähnlich wie der, den Magdalene Bish am Vortag bemerkt hat. Eine andere Person erzählt von einem weißen Wagen an einer Autowaschanlage in der Nähe des Badesees.

Deshalb ist die Beobachtung von Mollys Mutter sofort eine wichtige Spur. Weil sie den Mann so intensiv beobachtet hat, kann Magdalene Bish zum Glück eine detaillierte Beschreibung des Fahrers liefern.

Der Mann soll zwischen 45 und 55 Jahre alt gewesen sein und dunkles, graumeliertes Haar gehabt haben, dazu einen dunklen Schnurrbart. Magdalene kann ihn so gut beschreiben, dass auf Basis ihrer Angaben ein Phantombild entsteht.

Unterdessen geht ein weiterer Hinweis auf ein weißes Auto ein. Ein Zeuge will so einen Wagen am Morgen von Mollys Verschwinden an einem kleinen Friedhof gesehen haben. Dieser Friedhof ist über einen Trampelpfad direkt mit dem Badeabschnitt am Comins Pond verbunden. Die Polizei geht den Badesee daraufhin mit Spürhunden ab. Diese nehmen Mollys Fährte an ihrem Bademeisterstuhl auf und gehen dann tatsächlich den Trampelpfad in Richtung Friedhof hoch. Dort reißt die Spur aber ab.

An ein paar Stellen rechts und links vom Weg sieht es aus, als habe es eine Auseinandersetzung gegeben. Ein paar Zweige sind abgeknickt. Andererseits ist der Weg eben auch nur ein Trampelpfad. Dass es da an den Seiten des schmalen Weges etwas ruppig aussieht, ist wohl soweit normal. Aber gepaart mit dem Zeugen, der ein weißes Auto am Friedhof gesehen haben will, zu dem der Pfad führt, wirkt es wahrscheinlich, dass der Täter Molly dorthin geführt hat.

Die Annahme, dass das Auto in den Fall verwickelt ist, erhärtet sich – denn man findet in der Böschung Reifenspuren, die abseits des normalen Weges sind. Vielleicht ist der Täter mit Molly in seinem Auto abseits der gekennzeichneten Wege geflohen.

Für die Polizei ist die Suche nach dem Mann in dem weißen Auto der erste und einzige echte Anhaltspunkt. Deswegen fängt die Polizei an, alle weißen Autos in der Nähe zu checken, die ihnen begegnen. Dabei werden etwa 125 PKW überprüft. Richtig weiter bringt das die Polizei aber nicht. Also schaut man sich stattdessen in Mollys engstem Kreis um.

Die 16-Jährige hat seit ein paar Monaten einen festen Freund namens Steven Lukas. Vor den Sommerferien sind die beiden auch zusammen zum Abschlussball gegangen. Eigentlich könnten die beiden nicht gegensätzlicher sein – Molly ist total energiegeladen und immer unter Strom, Steven hingegen ist sehr ruhig und in sich gekehrt. Trotzdem findet es die Polizei auffällig, dass Steven nicht an den Suchaktionen nach Molly teilnimmt. Viele andere Freunde von ihr sind da und durchkämmen den Wald – Steven hingegen hält sich von der Suche fern.

Allein schon, weil er und Molly sich natürlich sehr nahe waren, wird Steven bald von der Polizei befragt. Dabei fällt den Ermittlern auf: Steven hat eine blutige Kruste an seiner Lippe, und sein Augenbrauenpiercing ist nicht drinnen. Steven erklärt sich, indem er der Polizei sagt, er sei neulich morgens total verschlafen gegen seine Zimmertür gelaufen. Dabei habe er sich dann an der Lippe verletzt.

Seinen Freunden soll er etwas anderes erzählt haben. Zu ihnen sagte Steven, er habe einen Lippenherpes gehabt. Na ja, vielleicht auch nicht unbedingt etwas, das man fremden Polizeibeamten gern erzählt. Teenager schämen sich manchmal grundlos für die normalsten Dinge, vielleicht ist das auch hier der Fall. Aber die Polizei registriert diesen Widerspruch von Steven trotzdem. Zumal der Teenager laut einem der Beamten nicht sonderlich kooperativ ist. Er gibt nur an, am 27. Juni den ganzen Tag zuhause gewesen zu sein.

Allerdings nimmt er an einem Lügendetektortest teil und besteht diesen auch sofort. In einigen Bundesstaaten der USA werden solche Tests noch routinemäßig in Ermittlungsverfahren durchgeführt. Dass Steven Lukas seinen Test besteht, hat in den Augen der US-Ermittler durchaus Aussagekraft. Und was man noch dazu sagen muss: Als Steven am selben Tag von Mollys Verschwinden erfahren hat, ist er sofort zu Mollys Eltern gefahren. Und das, obwohl er und die Bishes kein sonderlich enges Verhältnis hatten.

Auf Mollys Eltern hat es einfach anständig und aufrichtig gewirkt, dass Steven in so einer Situation bei ihnen vorbeischaut. Deshalb finden sie sein sonstiges Verhalten auch nicht weiter verdächtig.

Steven Lukas ist übrigens nicht der Einzige, der einen Lügendetektortest absolvieren muss. Schon in den ersten Wochen der Ermittlungen lädt die Polizei insgesamt ganze dreizehn Personen zu so einem Test vor. Darunter sind auch mehrere vorbestrafte Sexualstraftäter aus der Gegend um Warren. Allerdings fällt nicht nur eine Person durch den Test – sondern gleich sieben. Da sieht man mal wieder, weshalb Lügendetektortests bei uns hierzulande nicht mehr als geeignetes Ermittlungs-Tool gesehen werden.

Es dauert Jahre, bis man im Fall Molly Bish eine neue Spur findet. Ich habe euch ja schon am Anfang vom Waldgebiet rund um den See erzählt. Das ist nicht nur einfach ein Erholungsgebiet oder ein Wald mit Wanderpfad, sondern ein wirklich dichter Wald, in dem sich auch ein Jagdrevier befindet. Das Gebiet erstreckt sich über mehrere Meilen und Ortschaften hinweg. Wer sich dort nicht gut auskennt, verliert dort schnell die Orientierung. Oder findet manche Stellen in dem Wald gar nicht erst, weil er so tief ist.

Und genau an so einer Stelle mitten im Wald findet man 2003 Überreste eines blauen Badeanzugs. Glücklicherweise gibt der Finder den Badeanzug bei der Polizei ab.

Das Kleidungsstück wurde in Palmer gefunden. Ein paar Meilen vom Badesee entfernt, aber am selben Waldgebiet gelegen. Deshalb wird die Gegend in Palmer noch einmal ganz gründlich abgesucht. Dabei findet man ein Stirnband im Quaboag River – und Molly hat zuletzt fast immer ein Stirnband bei sich gehabt. Es liegt nahe, dass man Molly Bish jetzt, drei Jahre nach ihrem Verschwinden, ganz nahe ist. Und am 3. Juni 2003 gibt es dann den entscheidenden Fund:

einen menschlichen Oberarmknochen. In den Tagen darauf findet man einen Rippenknochen, einen Wirbel, insgesamt über zwanzig weitere Knochen sowie Zähne. Ein Profiler hält es für gut möglich, dass der Auffindeort zugleich der Tatort gewesen ist. Denn die Waldstelle liegt auf einer Anhöhe. Laut des Profilers ist das aus Tätersicht ein günstiger Ort – von der Anhöhe aus hätte der Täter sehen können, wenn sich weiter unten eine Person nähert, die ihn beobachten könnte.

Am 9. Juni wird offiziell bekanntgegeben, dass es sich um die Überreste von Molly Ann Bish handelt. Alles, was körperlich von ihr übrig bleibt, sind 26 Knochen – Dutzende weitere werden nie gefunden. Im Laufe der Jahre wurden sie vermutlich durch die Witterung oder Wildtiere weiter im Waldgebiet verteilt, sodass es unmöglich ist, das komplette Skelett wieder zusammenzubekommen. Mollys Mutter sagt dazu einmal: „Sie kam Knochen für Knochen nach Hause zurück […]. Zuerst ihr Schienbein, dann ihr Schädel… Am Ende kamen 26 von Mollys Knochen zu uns nach Hause zurück.“

Der Familie von Molly bleibt nichts anderes übrig, als das zu bestatten, was sie haben – die Knochen der 16-Jährigen passen in einen Baby-Sarg. Am 2. August 2003 wird Molly im Kreise ihrer Familie beigesetzt. Es wäre ihr 20. Geburtstag gewesen.

Die Verdächtigen

Die Familie von Molly hat schon früh gesagt, sie würde nicht glauben, dass jemand aus Warren für das Verschwinden der Jugendlichen verantwortlich ist. Sie können – oder wollen – sich nicht vorstellen, dass einer ihrer direkten Mitmenschen etwas mit der Sache zu tun hat. Die Polizei sieht das aber etwas anders. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten mit dem Waldgebiet ist für die Ermittler klar, dass der Täter sich vor Ort gut ausgekannt haben muss.

Es gibt mehrere Verdächtige im Fall Molly Bish, auch wenn nie jemand angeklagt wurde. Lasst uns die Verdächtigen im Folgenden mal gemeinsam durchgehen und schauen, was für oder gegen sie als mögliche Täter spricht.

Verdächtiger 1: Oscar Baillargeon

Als einer der Ersten gerät ein Mann namens Oscar Baillargeon in den Fokus der Ermittlungen. Er ist damals 52 Jahre alt und kommt aus der Nachbarstadt Worcester. Vor allem hat er eine erstaunliche Ähnlichkeit zu dem Phantombild des Mannes mit dem weißen Auto. Und wie sich herausstellt, soll er Molly flüchtig gekannt haben. Demnach soll Oscar ihr einige Wochen vorher auf der Abschlussfeier seines Neffen begegnet sein. Leider ist zu dieser Begegnung nichts weiter bekannt.

Aber die Polizei hält Oscar Baillargeon für so interessant, dass er gleich zweimal befragt wird. Er ist nämlich auch vorbestraft, und zwar wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Körperverletzung an einem Kind. Er wurde 1991, neun Jahre vor Mollys Verschwinden, entsprechend verurteilt. Eigentlich ist Oscar damit ein sehr eindeutiger Verdächtiger. Aber er selbst streitet jede Verbindung zu dem Verschwinden ab. Und nicht nur das, selbst Mollys Mutter bezweifelt, dass Oscar Baillargeon der Täter ist.

Sie hat den Mann mit dem weißen Auto am Tag vor Mollys Verschwinden ja gut 20 Minuten beobachtet. Und sie glaubt nicht, dass es Oscar war – seine Haare würden ganz anders aussehen als die des Mannes, der Molly so penetrant angestarrt hatte. Wenn man annimmt, dass der Mann im weißen Auto auch der Täter ist, macht diese Einordnung Oscar Baillargeon erst einmal weniger verdächtig.

Verdächtiger 2: John Regan

Am 31. Oktober 2005 wird ein Mann namens John Regan in New York verhaftet. Nicht, weil er im Fall Molly Bish verdächtigt wird – zumindest fürs Erste. Eigentlich wird er wegen einer versuchten Entführung festgenommen. Er soll wohl versucht haben, eine Jugendliche in seinen Van zu locken. Nur wenige Tage nach seiner Verhaftung wird bekanntgegeben, dass die Polizei ihn als möglichen Täter im Fall Molly Bish im Blick hat. John Regan soll wohl arbeitsbedingt jährlich nach Sturbridge in Massachusetts gereist sein.

Und nicht weit davon entfernt ist Molly verschwunden. Sein Anwalt dementiert sofort, dass er irgendetwas mit dem Verschwinden zu tun habe. Die Polizei würde überreagieren und das Ganze würde im Sande verlaufen.

Der Anwalt soll recht behalten. Bei einer Überprüfung ergibt sich, dass John Regan Ende Juni 2000 nicht in Massachusetts war. Damit scheidet er als Täter im Fall Molly Bish also definitiv aus.

Verdächtiger 3: Rodney Stanger

2008 wird ein Verbrechen begangen, das auf den ersten Blick nichts mit dem Verschwinden von Molly Bish zu tun hat. Aber nur auf den ersten. Denn 2008 ermordet ein Mann namens Rodney Stanger seine Freundin Chrystal Morrison. Zu diesem Zeitpunkt sind die beiden seit mehr als 20 Jahren ein Paar. Rodney wird wegen des Mordes an seiner Partnerin zu einer Freiheitsstrafe von 25 Jahren verurteilt. Und eventuell hat der gewaltsame Tod von Chrystal Morrison eben doch etwas mit dem Verschwinden von Molly Bish zu tun.

Denn nur eine Woche, bevor Rodney sie ermordet hat, hat Chrystal wohl ein Gespräch mit ihrer Schwester Bonnie geführt, in dem sie ziemlich schockierende Dinge erzählt hat. Natürlich haben wir hier nur die Angaben von Bonnie. Aber wenn die stimmen, sind die Informationen mehr als krass. In dem Gespräch zwischen den Schwestern soll Chrystal gegenüber Bonnie angedeutet haben, dass ihr langjähriger Freund nicht nur in einen, sondern in zwei Kriminalfälle verwickelt ist.

Zum einen in den Mord an der 10 Jahre alten Holly Piirainen im Sommer 1993. Und zum anderen in den Mord an der 16 Jahre alten Molly Bish im Sommer 2000. Der Mord an Holly Piirainen ist ebenfalls bis heute ungelöst. Er spielte sich sieben Jahre vor dem Mord an Molly ab, in einem Ort, der etwa 40 Autominuten entfernt liegt. Und eine Woche vor ihrer Ermordung soll Rodney Stangers Freundin Chrystal gesagt haben, Rodney habe mit diesen beiden Fällen etwas zu tun.

Eine Woche später war sie tot. Rodney selbst wurde im Fall Holly Piirainen nie offiziell verdächtigt – dafür aber sein Bruder Randy. Der lebte nämlich ganz in der Nähe der Stelle, in der die Leiche der zehnjährigen Holly gefunden wurde. Der Verdacht gegen Randy hat sich nie erhärtet. Ein interessantes Detail ist allerdings, dass Randy damals ein weißes Auto fuhr.

Als die Polizei davon erfährt, wird die Spur sofort sehr ernst genommen. Auch, weil Rodney ein entsprechendes Vorstrafenregister aufweist. Seine Polizeiakte enthält einige Einträge über Gewalt gegen Frauen – gegen seine beiden Ex-Frauen, gegen eine ehemalige Schwägerin, und letztendlich dann der Mord an seiner Partnerin Chrystal. Doch damit nicht genug: Er kommt aus Warren, wo Molly lebte, und war als Jäger und Fischer aktiv. Die Polizei hat schon früh gemutmaßt, der Täter könnte entweder eine Jagd- oder eine Fischerlizenz haben, aufgrund des Tatorts im Wald.

Und der Auffindeort von Mollys Überresten war ja auch in einem Teil des Waldes, in den sich außer einem Jäger eigentlich niemand verirren würde. Rodney soll sogar in ganz genau dem Teil gejagt haben, in dem Molly gefunden wurde, in Whiskey Hill in der Nähe von Palmer. Weiterhin wurde er mehrmals beim Fischen am Comins Pond gesehen. Falls ihr denkt, mehr Verbindungen könnte es beinahe nicht mehr geben – eine habe ich noch für euch.

Molly musste vor ihrem Sommerjob ja diese Bademeisterkurse machen, jeden Samstag. Die fanden bei der örtlichen YMCA in Warren statt. Und Rodney Stanger lebte damals ausgerechnet in derselben Straße, in der sich auch das YMCA-Zentrum befunden hat. Es könnte durchaus sein, dass er Molly dort einmal oder sogar mehrfach gesehen hat. Dass er vielleicht wusste, dass samstags die Kurse für zukünftige Bademeister stattfinden, und dann als regelmäßiger Besucher des Comins Pond 1 und 1 zusammengezählt hat und wusste, dass Molly im Sommer dort arbeiten würde.

Auffällig ist außerdem, dass er 2001, im Jahr nach Mollys Verschwinden, aus Warren weggezogen ist. Von da an lebte er in Florida. Den Mord an seiner Freundin Chrystal hat Rodney gestanden. Aber bei Befragungen zum Fall Molly Bish wiegelt er ab. Mit dieser Sache habe er nichts zu tun. Die Polizei erhält trotzdem einen Durchsuchungsbeschluss für den Trailer, in dem Rodney und Chrystal in Florida gelebt haben. Dort findet man mehrere nicht näher beschriebene Haar-Accessoires für „jüngere Mädchen“, von denen man annimmt, dass sie nicht Chrystal gehört haben.

Die Sachen werden auf DNA getestet, aber leider kann man kein nützliches Profil mehr rekonstruieren. Klar, die Indizien gegen Rodney Stanger klingen dennoch ziemlich stark. Aber es sind eben auch nur Indizien. Indizien, die leider nicht für eine Anklage im Fall Molly Bish reichen.

Verbindungen zum Fall Holly Piirainen?

Lasst uns an dieser Stelle kurz noch mal auf den Fall Holly Piirainen zu sprechen kommen. Ich habe euch eben ja schon erzählt, dass die Fälle durch die Aussage von Rodneys Freundin Chrystal in Verbindung gebracht wurden. Um das noch mal kurz einzuordnen:

Holly Piirainen ist zehn Jahre alt, als sie am 5. August 1993 verschwindet, sieben Jahre vor Molly Bish. Die beiden Mädchen heißen nicht nur ähnlich, sondern sind auch im selben Alter. Letztlich werden sie auch ein Schicksal teilen – und eventuell auch ihren Mörder. Die Polizei hält es nämlich durchaus für denkbar, dass die beiden Fälle miteinander verbunden sind. Ich habe euch ja schon erzählt, dass Holly etwa 40 Autominuten von Molly entfernt verschwunden ist.

Aber die Auffindeorte der beiden Mädchen liegen noch näher beisammen. Durch den Wald und eine Landstraße sind die jeweiligen Abschnitte sogar miteinander verbunden. Im Oktober 1993 wurde Holly von Jägern im Wald bei Brimfield gefunden. Und Molly zehn Jahre später in der Gegend um Whiskey Hill. Laut Google Maps trennen diese beiden Gegenden nur wenige Autominuten. Laut zweier Ermittler ist es wahrscheinlich, dass die Entführung von Molly Bish nicht das erste Verbrechen des Täters gewesen ist. Dafür gibt es zu wenige Spuren, und immerhin hat es ganze drei Jahre gedauert, bis man Überreste des Mädchens gefunden hat. Das spricht eher dafür, dass jemand mit Erfahrung am Werk gewesen ist. Vielleicht sogar der Mörder, der zuvor schon Holly Piirainen umgebracht hat.

Im Fall Holly Piirainen selbst gibt es auch noch mal einige Verdächtige mehr, die nicht öffentlich mit gleich beiden Fällen in Verbindungen gebracht werden. Rodney Stanger und sein Bruder Randy aber eben schon. Und dann ist da noch ein Mann, der in beiden Fällen als „Person von Interesse“ geführt wird: Robert Armes. Kurz zur Einordnung: In der US-Justiz ist eine „Person of Interest“ etwas anderes als eine verdächtige Person. Eine Person von Interesse ist noch nicht notwendigerweise verdächtig. Sie kann auch zum Beispiel als Zeuge, Opfer oder eventueller Verdächtiger einer Ermittlung oder potenziell irgendwie mit dem Fall in Zusammenhang stehen, ohne dass ein konkreter Tatverdacht gegen sie ausgesprochen wird. Und so ist es eben auch bei Robert Armes.

Er soll zum Zeitpunkt von Holly Piirainens Verschwinden ‘93 in der Gegend gewohnt haben. Er kannte sich gut aus und hat unmittelbar nach dem Verschwinden des Mädchens seine Wanderstiefel und sein Auto entsorgt. Vielleicht, so glauben einige, um physische Beweismittel verschwinden zu lassen. Robert Armes hat sich an der Suche nach Holly beteiligt. Ein Jahr nach ihrem Verschwinden hat er sich sogar an die Medien gewendet und gesagt, er wisse, dass er ein Verdächtiger sei. Er habe aber nichts zu verbergen.

Auch im Fall Molly Bish wird Robert Armes als Person von Interesse geführt, wie einer der Polizeisprecher sagt. Allerdings einfach aus dem Grund, dass er damals in der Nähe gewohnt hat und dem Phantombild zumindest entfernt ähnelt. Es ist laut des Polizeisprechers einfach so, dass Robert Armes bislang nicht als Verdächtiger ausgeschlossen werden konnte. Dafür, dass er Molly Bish wirklich etwas angetan hat, spricht aber noch weniger als für seine Verdächtigung im Holly-Fall sieben Jahre zuvor.

Besonders gruselig: Molly hat nach Hollys Verschwinden sogar einen Brief an die Familie von Holly Piirainen geschrieben. Molly war ja selbst erst zehn Jahre alt und hat sich vom Schicksal der gleichaltrigen Holly offenbar sehr berührt gefühlt. Der Fall war in den Medien in Massachusetts damals sehr präsent. Offenbar wollte Molly Bish damals als kleines Mädchen die Familie der noch verschwundenen Holly irgendwie trösten. In dem Brief an die Eltern der ermordeten Holly schrieb sie unter anderem:

„Es tut mir sehr leid. Ich wünschte, ich könnte das für Sie wiedergutmachen. Holly ist ein richtig hübsches Mädchen. Sie ist fast so groß wie ich. Ich wünschte, ich würde Holly kennen. Ich hoffe, sie wurde gefunden.“

Nur sieben Jahre später wird der jungen Absenderin Molly Bish etwas ganz Ähnliches widerfahren wie Holly Piirainen im Jahr 1993. Und wer weiß – vielleicht sogar durch dieselbe Person.

„Person of Interest“ / Verdächtiger 4: Frank Sumner

Nach einigen Jahren Funkstille gibt es auf einmal noch einen neuen Namen. Inzwischen ist es der vierte, falls ihr nicht mitgezählt habt. Im Juni 2021 wird bekannt gegeben, dass ein Mann namens Frank Sumner als Täter im Fall Molly Bish infrage kommen würde. Wie auch einige der anderen Verdächtigen war er zum Zeitpunkt von Mollys Verschwinden bereits wegen verschiedener Sexualdelikte und auch Entführung vorbestraft. Allerdings lebt Frank Sumner nicht mehr. Er ist bereits 2016 verstorben, also fünf Jahre, bevor er öffentlich verdächtigt wurde.

Die Bezirksstaatsanwaltschaft gibt eine umfassende Begründung dafür ab, weshalb Frank nun verdächtigt werde. Zuerst einmal könnte es eine Verbindung zwischen Frank und Molly geben: Denn Mollys Vater arbeitete als Bewährungshelfer. Und Frank Sumner war im Jahr 2000 gerade auf Bewährung, nachdem er eine Haftstrafe wegen Entführung und schwerer Vergewaltigung verbüßt hatte. Die Geschädigte sei erst 16 Jahre alt gewesen, so der Bezirksstaatsanwalt. Also genau so alt wie Molly zum Zeitpunkt ihres Verschwindens. Für diese Straftat wurde Frank Sumner Anfang der 80er rechtskräftig verurteilt.

Diese Anhaltspunkte vom Bezirksstaatsanwalt klingen plausibel. Das Problem daran ist: Er hat da einige Punkte ausgelassen. Dass Frank Sumner Anfang der 80er wegen Entführung und Vergewaltigung verurteilt wurde, ist korrekt. Wobei die Geschädigte nicht 16 Jahre alt war, sondern 21. Das macht es nicht besser, klar. Aber die Parallele beim Alter der Geschädigten und Molly fällt weg. Zudem haben sich Frank und die Geschädigte schon länger gekannt. Er hatte sie als Reinigungskraft eingestellt. Das Verbrechen, für das Frank Sumner verurteilt wurde, ist also vom Modus Operandi her ein ganz anderes, als eines an Molly gewesen wäre. .

Was der Bezirksstaatsanwalt in seinem Statement auch nicht erzählt, ist, dass Frank Sumner kein neuer Verdächtiger ist. Gegen ihn wurde wohl schon 2003 ermittelt. Als er davon erfahren hat, dass die Polizei ihn nun im Fall Molly Bish unter die Lupe nimmt, soll er sofort freiwillig eine DNA-Probe abgegeben haben. Trotzdem wird er fünf Jahre nach seinem Tod öffentlich verdächtigt.

Und das Ganze wird noch merkwürdiger. Molly hat neben ihrem Bruder John auch eine Halbschwester namens Heather. Diese gibt 2022 bekannt, dass eine DNA-Probe von Frank Sumner untersucht worden sei. Man habe ihr mitgeteilt, dass es keine Übereinstimmung zwischen der Täter-DNA und der von Frank gegeben habe. Einer der zuständigen Ermittler bekräftigt im Jahr darauf trotzdem noch einmal, dass Frank Sumner weiterhin als Person von Interesse gelten würde. Franks eigene Schwester, die noch lebt, hat versucht, eine Veröffentlichung der DNA-Untersuchungen zu beantragen. Sie ist ganz sicher, dass ihr Bruder unschuldig ist, und glaubt, dass er nur als Sündenbock für die gescheiterten Ermittlungen herhalten soll.

Bis heute wurden die Ergebnisse jedoch nicht veröffentlicht. Stattdessen gibt es Bilder von Frank Sumner, die neben das Phantombild gelegt werden, das auf den Angaben von Mollys Mutter entstanden ist. Und da sieht man schon eine gewisse Ähnlichkeit. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Frank Sumner genau wie der Mann auf der Zeichnung eine Zigarette in der Hand hält. Das Problem ist laut Frank’ Schwester: Er hat eigentlich gar keine Zigaretten geraucht.

Das Foto sei im Gefängnis entstanden. Dort habe er Zigaretten geraucht, weil es sonst eben nichts gab. Aber zuhause habe die Schwester ihn immer nur Zigarre rauchen sehen. Niemals Zigarette. Zudem sagt sie, Frank sei sehr eitel gewesen und habe seine Haare immer pechschwarz gefärbt. Mollys Mutter hat aber ganz ausdrücklich von grau meliertem Haar gesprochen. Solche Aussagen von Familienmitgliedern von Beschuldigten sind immer schwierig einzuordnen. Einerseits kennen sie die Verdächtigen natürlich am besten.

Andererseits haben sie durchaus auch ein eigenes Interesse, den Namen ihres Verwandten reinzuwaschen. Die Schwester von Frank erzählt zum Beispiel, sie und ihr Bruder hätten zu dessen Lebzeiten gar keinen Kontakt mehr gehabt. Aber nach der öffentlichen Beschuldigung seien sie und andere Familienmitglieder auf der Straße angefeindet und beschimpft worden. Dass sie da versucht, posthum die Unschuld ihres Bruders zu beweisen, ist ja irgendwo auch in ihrem eigenen Interesse. Oder aber sie glaubt einfach aufrichtig daran, dass Frank Sumner nicht der Mörder von Molly Bish ist. Das betont sie in ihren Erzählungen jedenfalls immer wieder.

Die Schwester des toten Verdächtigen ist übrigens nicht die Einzige, die frustriert ist. Zuletzt hat sich Mollys Schwester Heather darum bemüht, dass die Ermittlungen an das Nachbar-County weitergegeben werden. Sie scheint den Glauben an ihre örtliche Polizei verloren zu haben.

„Person of Interest“ / Verdächtiger 6: Ed Fett

Das, was jetzt kommt, wird ein wenig verworren – aber wir versuchen, das Ganze hier bestmöglich aufzuschlüsseln. Also gehen wir nochmal ganz an den Anfang des Falls zurück. Wie ihr im ersten Kapitel gehört habt, wurde Molly Bish von Ed Fett als vermisst gemeldet. Er war Mollys Chef und für die Pflege des Gebiets rund um den Comins Pond verantwortlich.

In einem Interview sagt Mollys Schwester Heather, Ed habe Molly während der Arbeit ein paarmal Schokoriegel zur Stärkung vorbeigebracht. Ed habe ihr auch mehrere Kataloge zum Thema Bademode gegeben. Allerdings nicht mit Badeanzügen, die eine Rettungsschwimmerin tragen würde, sondern mit normalen Teilen aus dem Einzelhandel. Molly habe diese Kataloge aber ignoriert und einfach die Badeanzüge mit zur Arbeit genommen, die ihre Eltern ihr gekauft haben. Einmal soll Ed ihr so einen Katalog wohl direkt zuhause vorbeigebracht haben. Ein bisschen bizarr, vielleicht aber auch einfach nur eine nett gemeinte Geste.

Ed soll wohl am Morgen des 27. Juni von der Zeugin Sandra Woodworth verständigt worden sein. Sie hat ihm Bescheid gesagt, dass keine Badeaufsicht am Comins Pond war. Ed soll dann um 11 Uhr am See angekommen sein. Um 11:44 Uhr hat er über Mollys Funkgerät die Polizei verständigt, also gut eine dreiviertel Stunde nach seiner Ankunft am See. Er sagt der Polizei direkt, dass er die Erste-Hilfe-Tasche geschlossen habe, die er geöffnet vorgefunden hat. Er habe auch ein paar andere von Mollys Sachen angefasst.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass seine Fingerabdrücke auf Mollys Sachen sind. So weit, so logisch. Laut einigen Quellen soll er der Polizei aber auch erzählt haben, dass Mollys Bruder John an diesem Tag als Bademeister hätte arbeiten sollen. Und nicht Molly selbst. Und das ist nicht wahr. John war in der vorigen Woche zwar am Badesee, aber nur, um Molly einzuarbeiten. Die ersten sechs Tage war er bei ihr und hat sie beaufsichtigt, der 27. Juni sollte Mollys zweiter komplett selbstständiger Arbeitstag werden.

Dass John an den Comins Pond kommt, war für diesen Tag nie geplant. Allerdings kann es sein, dass Ed das vielleicht einfach durcheinander bekommen hat. Kann mal passieren. Es gibt da aber noch ein paar mehr Merkwürdigkeiten.

Gegenüber einer Zeitung erzählt Ed in einem Interview 2003, dass er ein Alibi für den Tatzeitraum habe. Deshalb sei er in den Augen der Polizei nicht verdächtig. Zudem hat er freiwillig eine DNA-Probe abgegeben. Genauer wird er wie folgt zitiert: „Ich denke, die wollten einfach eine große Datenbank bauen. Ich wurde damals wie ein Verdächtiger behandelt. Sie haben meine Story überprüft und herausgefunden, dass ich ein Alibi hatte.“

Klingt eigentlich gut. Aber wie die Hobbyermittlerin und -autorin Lori Lamothe herausgefunden hat, stimmt das vielleicht gar nicht. Für die folgenden Angaben gibt es nur Loris Artikel als Quelle. Sie hat sowohl mit Mollys Schwester Heather als auch mit anderen Zeuginnen und Zeugen Interviews geführt. Was in Loris Artikeln steht, kommt in Berichten von etablierten Medien nicht vor. Alles basiert auf den Interviews, die sie mit Beteiligten gemacht hat. Diese Anmerkung mache ich nicht, um ihre Arbeit zu diskreditieren, im Gegenteil. Versteht das einfach als Hinweis, dass die folgenden Punkte nicht durch behördliche Bestätigungen oder professionelle Journalisten verifiziert sind.

Ed selbst sagt ja, die Polizei habe sein Alibi gecheckt, alles sei gut. Sein Alibi ist wohl, dass Ed am Morgen des 27. Juni 2000 einen Zaun gestrichen haben soll. Das habe er auch nicht allein gemacht, sondern mit drei weiteren Leuten. Einer davon ist ein Teenager, der ein paar Sozialstunden ableisten muss. Sein Name ist nicht bekannt. Der andere junge Mann heißt Kenneth Tatro, der dritte ist Kenneths Bruder Gerard Tatro. So weit, so gut.

Ed sagt, er habe den drei Jungs bis 11 Uhr bei den Malerarbeiten geholfen. Bis er von der Zeugin Sandra Woodworth Bescheid bekommen hat, dass der Bademeisterposten leer gewesen ist. Der Teenager, der die Sozialstunden machen musste und an diesem Tag bei den Malerarbeiten dabei war, war aber zufällig mit Molly befreundet. Deshalb erinnert sich der Teenager noch gut an den 27. Juni. Und er behauptet, Ed sei überhaupt nicht den ganzen Morgen bei ihnen gewesen.

Der Teenager schildert das so: Man habe sich gegen 9 Uhr mit Ed am Cutter Park getroffen. Ed habe Farbe und Pinsel mitgebracht, die Sachen verteilt und ein paar Anweisungen gegeben. Dann sei Ed aber um etwa 9:15 Uhr oder 9:20 Uhr verschwunden. Ed Fett sei dann erst um 12:30 Uhr wiedergekommen. Da habe er die drei Maler zum Mittagessen bei Mona’s Pizza in Warren eingeladen. Und dort habe Ed niemand Geringeren getroffen als den Police Chief von Warren, Ronald Syriac, und sich beim Essen gemütlich unterhalten.

Zur Erinnerung: Laut dem Zeugen passierte all das nur eine Dreiviertelstunde, nachdem Ed ein 16 Jahre altes Mädchen bei der Polizei als vermisst gemeldet hat und während die Suche noch im vollen Gange war – an einem Badesee, für den Ed verantwortlich war. Allerdings soll Ed all das während des Essens mit keiner Silbe erwähnt haben. Der Zeuge sagt, er habe all das damals auch der Polizei erzählt, als er befragt wurde. Danach habe er jedoch nie wieder etwas von den Behörden gehört.

Soweit die Angaben von Mollys Kumpel. Das allein ist schon merkwürdig genug. Und dann ist da auch noch eine Begegnung, die Mollys Bruder John an diesem Morgen mit Ed gehabt haben will. John soll Ed nämlich am Morgen des 27. Juni 2000 in einem lokalen Baumarkt getroffen haben. Der Baumarkt in West Brookfield liegt tatsächlich nur wenige Minuten vom Cutter Park entfernt. Laut Mollys Kumpel ist Ed dort um 9:15 Uhr oder um 9:20 Uhr los.

Und um 9:30 Uhr soll John Bish ihn dann im Baumarkt getroffen haben. Zeitlich ginge das also auf. Ed soll im Baumarkt Klebeband und Seile gekauft haben. Das sind erst mal ganz normale Sachen, die man eben so kauft, wenn man viel draußen oder handwerklich arbeitet. Andererseits sind das auch Dinge, die wohl auf der Einkaufsliste eines Entführers ganz oben stehen würden.

Wenn man den Aussagen von Mollys Kumpel und ihrem Bruder glaubt, ist nicht klar, wo Ed Fett zwischen etwa 9:40 Uhr und 11 Uhr war. Also zwischen seinem Einkauf im Baumarkt und dem Moment, als er von Sandra zur Badestelle gerufen wurde. Molly Bish ist um kurz vor 10 Uhr am Badesee angekommen. Das Zeitfenster für eine Entführung ist knapp – aber glaubt man den Zeugenaussagen, wäre es eben da. Allerdings ist noch mal wichtig zu betonen, dass die Theorie rund um Ed auch nur auf diesen beiden Zeugenaussagen basiert.

Bei dem, was man aus etablierten Medien weiß, ist ja der letzte Stand, dass Ed Fett nach eigenen Angaben ein Alibi hat und die Polizei ihn nicht länger für verdächtig hält. Von der Polizei selbst konnten wir keine einzige Aussage finden, wonach Ed Fett irgendwann verdächtig gewesen sei.

Interessant ist auch, dass Ed gegenüber der Zeitung 2003 so explizit gesagt hat, er habe eine DNA-Probe abgegeben. Die Frage ist, was das gebracht hätte. Denn er hat ja schon direkt nach Mollys Verschwinden gesagt, dass er ihre Sachen angefasst hat. Dass seine DNA oder Fingerabdrücke darauf zu finden waren, war eh klar. Ed gehörte auch zu den Personen, die während der Ermittlungen einen Lügendetektortest machen mussten. Und er gehörte auch zu den Personen, die durchgefallen sind.

Was ist mit Molly Bish passiert?

Eigentlich ist es recht ungewöhnlich, dass es so viele explizite Verdächtige in einem Fall gibt. Klar, in den USA ist es da mit Datenschutz alles etwas anders und Namen werden eher mal an die Presse und Öffentlichkeit rausgerückt. Aber auch da beruft sich die Polizei eher auf den vorsichtigeren Ausdruck „Person von Interesse“. So wie zuletzt bei Frank Sumner oder schon ganz früh bei Ed Fett. Der Begriff ist etwas „weicher“, als jemanden direkt als Verdächtigen zu bezeichnen.

Im Fall Molly Bish ist das trotzdem gleich vier Mal passiert. Und trotzdem wurde nie jemand wegen der Entführung oder des Mordes an der damals 16-Jährigen festgenommen. Wer auch immer für Mollys Schicksal verantwortlich ist – der Täter hat es leider geschafft, mit einer Entführung am helllichten Tage, an einem eigentlich gut besuchten Ort, davonzukommen. Zumindest bis zum heutigen Tage. Denn wenn die ganzen neuen Verdächtigungen der Polizei eines zeigen, dann ja eigentlich, dass der Fall nicht stillsteht. Auch wenn inzwischen 25 Jahre seit dem Verschwinden von Molly Bish vergangen sind.

Ich glaube, was auch dafür gesorgt hat, dass es so viele Verdächtige gibt, ist das Phantombild. Und wenn man den Fall ganz objektiv betrachtet, dann gibt es ja auch immer noch die Option, dass das Phantombild gar nichts mit Mollys Verschwinden zu tun hat. Der Mann ist Mollys Mutter am Morgen vor Mollys Verschwinden aufgefallen, weil er sie angestarrt hat, aus einem weißen Auto heraus. Und ein Trucker hat am Morgen von Mollys Verschwinden ein weißes Auto in der Nähe des Comins Pond gesehen.

Aber weiße Autos gibt es eben auch richtig viele. Das sieht man schon daran, dass allein zu diesem Phantombild und dem weißen Auto mehr als 4000 Hinweise bei der ermittelnden Polizei eingegangen sind. Das wäre statistisch runtergebrochen fast ein Hinweis pro Einwohner von Warren, wo das Verbrechen geschehen ist.

Und wäre der Fahrer des weißen Autos der Täter – dann wäre er mit seiner Tat ein großes Risiko eingegangen. Magdalene Bish hat am Tag vor Mollys Verschwinden zwanzig Minuten lang auf dem Parkplatz gewartet, bis dieser komische Mann weggefahren ist. Das muss der Mann auch bemerkt haben. Und eigentlich sollte ihm klar gewesen sein, dass Mollys Mutter ihn ganz genau beschreiben könnte. Es wäre ziemlich unvorsichtig, trotzdem direkt am nächsten Tag einen Entführungsversuch zu unternehmen.

Zumal an diesem Tag der Schwimmunterricht stattgefunden hat und deshalb viele Familien mit Kindern auf dem Weg zum Badesee waren – und damit auch potenzielle Zeugen. Entweder, der Täter ist ein absoluter kalter Über-Profi, wie es ja auch die Polizei vermutet – oder aber er ist das genaue Gegenteil, und total unprofessionell, indem er eben so viele Risiken eingeht. Letzteres würde zum Mann mit dem weißen Auto passen. Ersteres eher nicht. Denn wie gesagt, er wurde erst am Tag vor der Tat zwanzig Minuten lang von Mollys Mutter beobachtet.

Und auch ein möglicher, ungefährer Tathergang ist denkbar. Wie wir uns erinnern, wurde die Erste-Hilfe-Tasche geöffnet am Bademeisterstuhl gefunden. Mollys Vater hat deshalb eine Theorie, die sehr plausibel klingt. Er glaubt, dass der Täter Molly kurz nach ihrem Dienstantritt angesprochen hat. Dass er ihr vielleicht erzählt hat, er habe sich irgendwie geschnitten oder die Haut aufgeschürft und brauche ein Pflaster. Molly hätte sich dann, hilfsbereit wie sie war, zu ihrer Erste-Hilfe-Tasche gedreht und diese geöffnet.

Dann muss der Täter, so glaubt Mollys Vater, die 16-Jährige irgendwie gezwungen haben, den Trampelpfad vom Badeufer Richtung Friedhof zu gehen. Mollys Schuhe wurden ja an ihrem Posten zurückgelassen. Freiwillig wäre die Teenagerin aber niemals barfuß durch das Gestrüpp gelaufen, so ihr Vater. Der Täter muss sie irgendwie dazu gebracht haben – vielleicht, indem er sie mit einer Waffe bedroht hat. Oder unter dem Vorwand, dass nicht er, sondern jemand auf dem Trampelpfad Hilfe bräuchte. Und dort hätte der Täter im dichten Gestrüpp Molly irgendwie handlungsunfähig machen und dann entführen können.

Am Trampelpfad zum Friedhof endete dann ja auch die Fährte, die die Spürhunde von Molly aufnehmen konnten. Es ist erstaunlich, wie wenig man in diesem Fall im Endeffekt wirklich weiß. Bis heute konnte der Täter 25 Jahre lang mit der Entführung und dem mutmaßlichen Mord an Molly Bish davonkommen. Und das, obwohl die Tat am helllichten Tage begangen wurde, nur Minuten, bevor dutzende Leute an den Badesee gekommen sind.

Eine andere Sache, die diesen Fall so unheimlich macht, ist, dass viele Leute aus Mollys damaligem Freundeskreis inzwischen ebenfalls nicht mehr am Leben sind. 2003, kurz nachdem Mollys Überreste gefunden wurden, hat ein Freund von ihr einer Lokalzeitung ein Interview gegeben. Er hieß Peter Rambiszewski und hat ein bisschen von seiner Jugend mit Molly erzählt. Keine Woche später ist er bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Man geht davon aus, dass er sein Auto absichtlich gegen einen Baum gefahren hat, er trug keinen Sicherheitsgurt. Zuletzt soll er ausgerechnet bei Mona’s Pizza gearbeitet haben – bei dem Restaurant, in dem Ed Fett wohl nach Mollys Verschwinden gegessen haben soll.

Auch Mollys damaliger Freund Steven Lukas lebt nicht mehr. Er starb 2008 im Alter von nur 25 Jahren, ebenfalls bei einem Autounfall. 2012 starb dann auch Kenneth Tatro, der am Tag von Mollys Verschwinden an den Malerarbeiten beteiligt war. Die genauen Umstände sind nicht bekannt. Kenneth soll aber, wie auch schon sein Vater, bei der Army gewesen sein und im Irak-Krieg gekämpft haben. Und zuletzt ist dann 2018 auch Gerard Tatro, Kenneths Bruder, gestorben.

Auch bei ihm ist die Todesursache unbekannt. Das macht vier junge Leute in Mollys Alter, die irgendwie mit ihr oder den Ermittlungen zu tun haben, die heute nicht mehr am Leben sind. Sie alle werden nicht mehr erfahren, was mit Molly Bish geschehen ist.

Outro

Mollys Familie ist noch immer sehr engagiert. Die Bishes engagieren sich sozial und politisch, und sie setzen sich noch immer für die Suche nach Mollys Mörder ein. Auch die Polizei nimmt noch immer Tipps und Hinweise entgegen. Und Mollys Angehörige hoffen natürlich, dass der Fall doch noch irgendwann gelöst werden kann. Und ich hoffe das auch sehr.

Genau dasselbe gilt auch für den Fall Holly Piirainen, den ich in diesem Video erwähnt habe. Wenn ihr euch zu dem Fall mal ein eigenes Video wünscht, schreibt das gern mal in die Kommentare. Und vor allem, lasst mich eure Theorie im Fall Molly Bish wissen. Kommt euch einer der Verdächtigen wie ein plausibler Täter vor? Oder habt ihr ganz andere Vermutungen? Ich bin gespannt darauf, von euch zu lesen. Danke schon einmal im Voraus fürs Kommentieren, Liken und Abonnieren. Damit helft ihr dem Kanal sehr weiter. Danke dafür und bis zum nächsten Mal. Ciao.

Quellen

  1. Molly Bish’s family still seeking justice 25 years after her disappearance westernmassnews.com, 2025
  2. Where's Molly? Bay State Mystery CBS News, 2003
  3. Part II: The Mystery Man CBS News, 2004
  4. Part III: Waiting For Answers CBS News, 2003
  5. Holly Piirainen Case: David Pouliot Linked to Death of Missing Girl in 1993 International Business Times, 2012
  6. Bish parents speak of impact of arrest boston.com:80 (Internet Archive)
  7. DA: Molly Bish’s father may have met her killer bostonherald.com, 2021
  8. Molly Bish Case: A Key Alibi Falls Apart Medium, 2022
  9. Friend of Bish killed in crash sunjournal.com, 2003
  10. Cops eye suicide in death of Bish friend Milford Daily News
  11. Third person connected to Bish investigation dies Boston 25 News, 2012
  12. Gerard Tatro Obituary May 15, 2018 Belanger Funeral Home
Fallakte
Orte
Warren, Comins Pond, Palmer, Quaboag River, Whiskey Hill, Brimfield
Region
Massachusetts
Land
USA
Jahr
2000
Status
Ungelöst
Fallart
Tötungsdelikt, Vermisstenfall, Entführung, Kinder & Jugendliche
Personen
Molly Bish, Magdalene Bish, Ed Fett, Rodney Stanger, Frank Sumner, Oscar Baillargeon, Robert Armes, Holly Piirainen
Lagekarte
Kartendaten: Natural Earth