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Rowlett, Texas, 1996

Darlie Routier

Zwei Jungen sterben 1996 bei einem nächtlichen Angriff in Texas, die Mutter überlebt verletzt.

Lesezeit etwa 30 Minuten

Worum es geht

In der Nacht auf den 6. Juni 1996 werden in einem wohlhabenden Vorort von Dallas, Texas, die Söhne Devon und Damon Routier mit einem Messer angegriffen; beide überleben nicht. Die Mutter Darlie Routier wählt den Notruf und schildert einen Einbrecher, der auch sie selbst verletzt habe. Die Ermittler zweifeln früh an dieser Darstellung und werten Spuren am Tatort, das Verhalten der Eltern und Tagebucheinträge als Hinweise gegen die Mutter. Ein Gericht fällt schließlich ein Urteil, doch viele Beweise lassen sich auch ganz anders lesen. Bis heute bleibt die Frage umstritten, wer in dieser Nacht wirklich im Haus war.

Verwaltungsgebäude von Rowlett, Texas
Verwaltungsgebäude von Rowlett, Texas. Foto: Larry D. Moore, CC BY 4.0, über Wikimedia Commons.

Intro

David Waddell war auf alles vorbereitet, als er mit seinem Polizeiauto in die schicke Wohnsiedlung in Rowlett in Dallas einbog. Er wusste, dass sich ihm gleich ein Anblick präsentieren würde, den er so in seiner Laufbahn noch nie gesehen hat. Darlie Routier, eine junge Mutter, hatte vor nur wenigen Minuten den Notruf gewählt und völlig aufgelöst berichtet, dass bei ihnen eingebrochen wurde. Ein Mann hatte auf ihre kleinen Söhne eingestochen und sie verbluteten gerade in ihren Armen.

Mit quietschenden Reifen bremste David vor einem großen luxuriös aussehenden Haus mit vielen Fenstern und einem Vorgarten wie aus einem Gartenkatalog. Kaum stieg er aus, rannte ihm ein Mann aus dem Haus entgegen. „Meine Söhne, sie sterben!“ stammelte er ihm entgegen. Der Mann rannte weiter und rief, dass er die Nachbarin holen würde – sie sei Krankenschwester. Schnell begaben sich David und seine Kollegen ins Innere der Villa. Nichts hätte sie auf diesen Anblick vorbereiten können. Einer der Jungen schien bereits nicht mehr zu leben, seine Mutter Darlie stand neben ihm und presste sich ein Handtuch auf den blutenden Hals.

Der andere Junge hingegen robbte blutüberströmt über den gefliesten Boden, schnappte nach Luft und blickte zu den Polizisten hoch. In seinen Augen sah man, dass er wusste, dass er sterben wird. In dem Moment kam der Vater der Kinder zurück ins Haus. Er begann seinen leblosen Sohn wiederzubeleben. Währenddessen blickte er zu dem Detektiv und rief ihm etwas zu. Etwas, das diese blutige Szenerie skurril und fast schon surreal wirken ließ, er sagte: „Hey! Ist meine Frau nicht schön? Hat sie nicht schöne Brüste?“

Darlie und Darin

Darlie wurde am 04. Januar 1970 in Pennsylvania geboren. Sie wuchs bei ihrem Vater und ihrer Mutter auf, bis diese sich, als Darlie sieben Jahre alt war, trennten. Ihr Verhältnis zu ihrem Vater blieb weiterhin gut, auch wenn sie ihn von da an nur noch unregelmäßig sah, wusste sie, dass sie immer auf ihn zählen konnte. Bald darauf lernte Darlies Mutter einen neuen Mann aus Texas kennen. Die beiden wurden ein Paar und zogen nach kurzer Zeit zusammen mit Darlie nach Lubbock, einer Stadt im Nordwesten Texas.

Darlie mochte ihren Stiefvater und auch in Lubbock fasste sie schnell Fuß. In der High School war sie sehr beliebt und fand bereits nach kurzer Zeit einige Freunde. Darlies Mutter arbeitete in einem sizilianischen Restaurant und an den Wochenenden half ihr Darlie dort oft aus. Im Alter von 15 Jahren traf sie dort zufällig auf Darin Routier. Darin war zwei Jahre älter und ging auf die gleiche High School wie Darlie. Er war zwei Stufen über ihr, deswegen kannten sie sich noch nicht.

Nachdem sie sich einige Male im Restaurant gesehen und miteinander geredet haben, verliebten sich die beiden Teenager ineinander und kamen auch kurz darauf zusammen. Nach der High School machte sich Darin selbstständig. Er erfüllte sich seinen Jugendtraum und gründete ein eigenes Unternehmen. Mit seinen Angestellten kümmerte er sich um die Herstellung von elektronischen Geräten und Einzelteilen für Computer. Hierbei muss man bedenken, dass das Computergeschäft in den 90er Jahren noch eine ganz neue Branche war und nur wenige das machten, was Darin machte. Dadurch lief das Geschäft gut – sehr gut sogar. Darin machte aus wenig, in kurzer Zeit sehr viel Geld. Und das katapultierte Darin und Darlie von der unteren Mittel- in die Oberschicht.

Die beiden genossen das Leben und kauften sich alles Mögliche, um ihren Hunger nach materiellem Reichtum zu stillen. Während Darin sich von seinem Geld einige teure Uhren kaufte, kaufte sich Darlie zahlreichen teuren Schmuck und bezahlte sich eine Brustvergrößerung, die sie schon lange haben wollte. Außerdem kauften sie sich eine Yacht und reisten sehr viel. Doch dann beschlossen die beiden sesshaft zu werden. Sie kauften sich eine große Villa in Rowlett, einer schicken Vorstadt von Dallas, und heirateten im Jahr 1988.

Nur kurz darauf wurde Darlie schwanger und im nächsten Jahr kam ihr erster Sohn Devon auf die Welt. Wenige Monate nach dessen Geburt wurde Darlie erneut schwanger und 1991 brachte sie ihren zweiten Sohn Damon zur Welt. Ihr dritter Sohn Drake vervollständigte die Familie vier Jahre später. Nach außen hin schien die kleine Familie ein perfektes Leben zu führen. Viel Geld, ein großes Haus, eine liebevolle Ehe und drei gesunde Kinder.

Darlie wurde von allen als sehr liebevoll beschrieben. Dadurch dass Darin so gut verdiente, konnte sie zuhause bleiben und sich um die Kinder kümmern. Aber sie half auch den Nachbarn, wenn diese Hilfe brauchten, brachte ihnen oft frisch gebackene Kekse vorbei und wenn jemand in Geldnot war, lieh oder verschenkte sie teilweise hohe Beträge, um zu helfen. Doch einige der Nachbarn sahen das eher kritisch. Sie fanden, dass Darlie und Darin über ihren Verhältnissen lebten und zu viel Geld ausgaben. Und damit sollten sie recht behalten.

Darins Firma warf nach der Geburt der Kinder immer weniger Geld ab. Doch die Routiers schraubten ihren luxuriösen Lebensstil nicht zurück. Und so kam das, was kommen musste. 1996 wurde ihnen die Möglichkeit einer Entscheidung abgenommen, denn die Firma von Darin ging bankrott. Sie konnten nicht mehr die Rate für ihr Haus zahlen, hatten über 10.000 Dollar Schulden und auch ihre Kreditkarten waren mit über 12.000 Dollar überzogen. Die Geldsorgen belasteten auch zunehmend ihre Ehe. Doch, bevor sie die Probleme in Angriff nehmen konnten, kam es zu der verhängnisvollen Nacht vom 05. auf den 06. Juni 1996.

Die Tatnacht

Es war der 05. Juni 1996, Darlie war zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt. Sie hatte beschlossen mit ihren beiden großen Söhnen einen Filmabend im Wohnzimmer zu machen. Anschließend wollten die drei auf dem Sofa und in Schlafsäcken auf dem Boden übernachten. Drake war ein Schreibaby und in den letzten acht Monaten hatte Darlie nur sehr wenig Schlaf gefunden. Das machte ihr sehr zu schaffen. Auch für ihre anderen beiden Söhne hatte sie kaum noch Zeit. Deswegen hatte Darin ihr angeboten an diesem Abend mit Drake im Obergeschoss zu bleiben und dort zu schlafen, während Darlie sich einen entspannten Filmabend mit Devon und Damon unten im Wohnzimmer macht.

Und so kam es auch. Darlie wollte ihren Söhnen einen besonderen Abend bereiten. Es gab Popcorn, Chips und all das, was die beiden Jungen liebten. Nach einem spannenden Film schlief Darlie auf der Couch ein und Devon und Damon in ihren Schlafsäcken auf dem Boden. Ein schöner Abend ging zu Ende. Doch nur wenige Stunden später sollte der Albtraum jeder Mutter Realität werden. Um 02.31 Uhr ging ein völlig hysterischer und panischer Notruf von Darlie bei der Polizei ein.

„Meine kleinen Söhne, sie sterben!“ weinte Darlie so laut ins Telefon, dass die Mitarbeiterin am anderen Ende Schwierigkeiten hat, sie zu verstehen. Darlie erklärte ihr, dass jemand in ihr Haus eingebrochen ist und sie und ihre Söhne im Wohnzimmer überrascht hat. Der Mann habe auf sie alle eingestochen und ihre Söhne seien nun schwer verletzt. Im Hintergrund konnte man Darin hören, der durch Darlies Schreie mittlerweile wachgeworden und runtergelaufen ist.

Darlie sagte, sie sei dem Mann hinterhergelaufen und dieser wäre, nachdem er das Messer fallengelassen hat, durch die Garage geflüchtet. Schon während des Notrufs erwähnte Darlie öfter das Messer und die Sorge darum, dass sie es angefasst hat und sich nun ihre Fingerabdrücke darauf befinden.

Der Tatort

Die Ermittler, die am Tatort ankamen, waren völlig schockiert. Nicht zuletzt wegen dem, was Darin ihnen entgegnete, als sie eintrafen: „Ist meine Frau nicht schön? Hat sie nicht schöne Brüste?“ Doch die Versorgung der Verletzten stand im Vordergrund, weswegen die Ermittler den Spruch des Vaters nicht weiter kommentierten. Der Rettungsdienst benötigte ein paar Minuten mehr bis zum Haus der Routiers, weswegen die Polizisten die Erstversorgung übernehmen mussten. Das Bild, das sich ihnen dargeboten hat, war an Grausamkeit nicht zu übertreffen.

Während der sechsjährige Devon leblos am Boden lag, robbte Damon verzweifelt auf die Ermittler zu und zog eine Blutspur hinter sich her. Sowohl die Söhne als auch Darlie waren blutüberströmt. Darlie, die ein Handtuch auf einen Schnitt an ihrem Hals drückte, stand fassungs- und regungslos neben der Küchenzeile. Darin wiederum versuchte Devon wiederzubeleben. Doch seine Verletzungen waren zu stark. Ihm wurde zweimal so stark in die Brust gestochen, dass das Messer durch seinen kleinen Körper hindurchging und den Betonboden unter ihm zerkratzte. Mit jedem Druck auf seinen Brustkorb kam mehr Blut aus den Stichwunden heraus.

Als ein Polizist ihn beatmen wollte, entwich auch die Luft immer wieder durch die Stichverletzungen. Verzweifelt versuchte er die Wunden zuzuhalten, aber es gelang ihm nicht. Jegliche Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Damon, dem zehn Mal in den Rücken gestochen wurde, erlag seinen Verletzungen später im Krankenhaus. Darlie Routier hatte zwei Schnittverletzungen am rechten Arm, eine auf der linken Schulter und eine große am Hals. Darin und der dritte Sohn Drake sind unverletzt geblieben. Sie haben sich ja im Obergeschoss des Hauses befunden. Sie waren erst durch Darlies Schreie aufgewacht. Schnell kamen bei den Ermittlern erste Zweifel an den Schilderungen von Darlie auf. Konnte es sich wirklich so zugetragen haben, wie sie es behauptete?

Die Ermittlungen

Als der Rettungsdienst eintraf, versorgten die Sanitäter Darlie und diese schilderte noch einmal, was geschehen war. Darlie sagte, sie wäre, nachdem sie alle drei am Abend im Wohnzimmer eingeschlafen sind, durch Damon aufgewacht. Dieser habe nach ihr gerufen. Als sie ihre Augen aufmachte, hätte sie einen fremden Mann mit einem Messer im Haus stehen sehen. Der Mann wäre weiß gewesen, etwa 1,80 m groß, hätte lange Haare und eine Baseballcap aufgehabt und hätte dunkle Kleidung getragen.

Als er bemerkt habe, dass Darlie wach ist, wäre er in Richtung Küche geflüchtet. Darlie habe ihn eingeholt, woraufhin er sie angriff. Sie habe ihre Hände schützend vor das Gesicht gehalten und versucht den Angriff abzuwehren. Dabei wäre sie aber dennoch verletzt worden. Trotzdem habe der Einbrecher dabei das Messer verloren und wäre daraufhin durch den Abstellraum und die Garage geflüchtet. Darlie habe das Messer aufgehoben, aber da der Mann schon weggerannt sei, hätte sie es direkt auf der Küchenzeile abgelegt und wäre zurück zu ihren Söhnen gelaufen.

Durch die Schreie wäre mittlerweile auch Darin aufgewacht und nach unten gelaufen. Darlie habe dann den Notruf gewählt und sich um Damon gekümmert, während Darin sich um Devon gekümmert habe.

Darlie Routier wurde mit ins Krankenhaus genommen, konnte allerdings bereits nach zwei Tagen wieder entlassen werden. Allerdings suchte sie ein paar Tage später die Polizei auf, um diesen ihre Blutergüsse an den Armen zu zeigen, die durch den Angriff entstanden seien. Im Krankenhaus hatte man diese kaum sehen können. Allerdings könnten die Blutergüsse zu dem Zeitpunkt auch einfach noch zu frisch gewesen sein.

Darlie war dennoch von Anfang an die Hauptverdächtige im Mordfall ihrer Kinder. Ihr Verhalten sowie der Tatort selbst gaben den Ermittlern daran Zweifel auf, dass die Aussagen Darlies stimmten.

Die Beweise gegen Darlie Routier

Das Messer, das die Tatwaffe war, stammte aus der Küche der Routiers. War der Einbrecher also unbewaffnet in die Villa eingestiegen? Die Ermittler hielten das für sehr unwahrscheinlich. Außerdem wurden an dem Messer nur Darlies Fingerabdrücke gefunden. Der Täter müsste also Handschuhe getragen haben. Das wäre zwar nicht sonderlich unwahrscheinlich, aber Darlies Verhalten, als es um das Messer ging, war ebenfalls merkwürdig. Bereits bei dem Notruf erwähnte Darlie, dass sie das Messer angefasst habe. Die Mitarbeiterin der Notrufzentrale hatte sie zwar danach gefragt, aber Darlies Sorge darüber, dass man daran nun ihre Fingerabdrücke finden würde, schien ungewöhnlich groß zu sein, dafür, dass nur wenige Meter weiter gerade ihre Söhne verbluteten. Auch in den Tagen danach fragte Darlie oft nach, ob die Ermittler im Haus Fingerabdrücke gefunden hätten, und erwähnte immer wieder, dass sie das Messer nur versehentlich angefasst und aufgehoben habe. Und tatsächlich wurden im gesamten Haus keine fremden Fingerabdrücke gefunden, was natürlich auch einfach bedeuten könnte, dass der Täter Handschuhe getragen hat.

Ein weiteres Indiz, das gegen Darlie sprach, war ihr abgesetzter Notruf. Sie hatte behauptet während des gesamten Anrufes in der Küche gestanden zu haben. Das Gesprächsprotokoll wurde allerdings einem forensischen Akustiker vorgespielt, der zu dem Schluss kam, dass sich Darlie in mindestens drei verschiedenen Räumen aufhielt und diese sehr schnell wechselte. Zu dieser Theorie kam er nach einer aufwendigen Isolation der einzelnen Hintergrundgeräusche. Möglicherweise irrte sich der Akustiker, doch wenn nicht, welchen Grund gab es für Darlie mehrfach die Räume zu wechseln? Und vor allem, welchen Grund gäbe es darüber zu lügen?

Außerdem darf man nicht das Verhalten von Darin beim Eintreffen der Polizisten vergessen. Erst sagte er direkt am Anfang: „Ist meine Frau nicht schön? Hat sie nicht schöne Brüste?“ und als wäre das nicht genug, antwortete er später, als er zu dem Einbrecher befragt wurde, mit „Na ja meine Frau ist ja auch eine hübsche Blondine. Ich kann mir schon vorstellen was der Typ wollte.“ Während seine beiden Söhne tot im Nebenzimmer lagen. Hier kann man anbringen, dass sich Menschen unter Schock oft irrational verhalten, aber dennoch ist das Verhalten von Darin mehr als nur fragwürdig.

Die Polizei suchte mit Hunden nach Spuren, die vom Haus der Routiers wegführten. Sie fanden eine Fährte, die sie zu einer Mülltonne in der gleichen Straße, etwa 70 Meter vom Haus entfernt, brachte. Daneben lag ein Paar von Darins Socken. An beiden Socken waren Blutspuren von beiden Jungen. Bei einem DNA-Abgleich fand man daran auch Darlies DNA. Aber nicht ihr Blut. Doch das konnte man nicht als Beweis werten, da Darlie die Socken im Alltag sicher auch mal in der Hand hatte und dies die DNA daran erklären würde.

Was man wiederum auffällig fand, war zum einen die Tatsache, dass sich keine fremde DNA an den Socken befand und zum anderen, dass die Hunde die Spur zwar vom Haus bis zu der Mülltonne erschnüffelten, die Spur dort aber zu enden schien. Der Täter musste sich also irgendwie aus dem Staub gemacht haben, ohne eine Spur zu hinterlassen. Oder er ging anschließend zurück zum Haus der Routiers.

Ein weiteres wichtiges Indiz, das gegen Darlie sprach, waren die Blutspuren, die man im Haus fand. Oder eben auch die, die man nicht fand. So hatte Darlie ausgesagt, dass der Täter bei seiner Flucht das Messer in der Küche fallen ließ. Mehrere Untersuchungen der vor Ort gefundenen Blutspritzer zweifelten das allerdings an. So gab es zwar auf dem Küchenboden Bluttropfen, doch keine, die auf ein heruntergefallenes Messer hindeuteten. Auf dem Teppich im Wohnzimmer wiederum fand man einen Abdruck, der aussah wie von einem blutigen Messer.

Es sah so aus, als hätte eine Person mit dem Messer in der Hand lange an einer Stelle gestanden, während Blut über die Messerschneide hinab auf den Teppich tropfte. Und erst nach längerer Zeit an dieser Stelle fallengelassen wurde. Das deckte sich nicht mit Darlies Schilderung der Nacht. Dazu kamen noch Darlies Schnittverletzungen an ihrem rechten Arm. Wenn diese wirklich geblutet haben, würde das zu der rekonstruierten Situation passen. Also dass jemand mit dem Messer im Wohnzimmer gestanden hat, während Blut über die Klinge hinablief.

Man hatte sowohl an der Klinge als auch am Messergriff Darlies Blut gefunden, doch das könnte auch anders dorthin gekommen sein. Schließlich hatte Darlie zugegeben das Messer aufgehoben zu haben und möglicherweise hatte sie zu dem Zeitpunkt Blut von ihren Verletzungen an ihrer Hand. Doch durch die brutalen Morde an Devon und Damon befand sich fast überall im Haus Blut. Auch an Darlies Nachthemd befand sich das Blut ihrer Söhne. Während man zunächst davon ausging, dass sich Darlie einfach helfend und verzweifelt über ihre sterbenden Kinder gebeugt hatte, widerlegte dies eine weitreichendere Analyse.

Man fand heraus, dass das Blut von unten nach oben auf das Nachthemd gespritzt war. Also fast so, als hätte sich Darlie über die beiden gebeugt und mit voller Kraft auf sie eingestochen. Und dass jemand seine gesamte Körperkraft angewendet hatte, um die Kinder zu töten, stand außer Frage. Schließlich hatte das Messer, wie bereits erwähnt, den Körper der Kinder durchbohrt und den Boden unter ihnen zerkratzt. Wer auch immer der Täter gewesen ist, er ging besonders brutal vor.

Darlies Verletzungen wirkten daher im direkten Vergleich noch einmal unpassender. Sie waren nur oberflächlich und es wurde nicht mit so einer vernichtenden Brutalität vorgegangen wie bei Damon und Devon. Darlie hatte des Weiteren ausgesagt, dass der Täter in der Küche beim Weglaufen ein volles Weinglas zu Boden geschmissen und einen Staubsauger umgekippt hat. Das bestätigten auch die Ermittler, die den Tatort inspizierten. Doch, was daran komisch war, war, dass man Darlies Blut sowohl unter den Scherben des Glases als auch unter dem umgekippten Staubsauger fand.

Wenn diese dem Täter doch hinterhergerannt war, warum ist ihr Blut dann unter den Gegenständen? Warum hätte sie zuvor schon verletzt durch die Küche rennen sollen? Und warum trat Darlie nicht in die Scherben des Weinglases, als sie dem Täter hinterhergelaufen ist? Der ganze Boden war mit den feinen Glasstückchen übersät. Doch man fand kein Blut auf dem Glas oder Staubsauger. Ausschließlich darunter. Das machte die Ermittler äußerst stutzig.

Dazu kommt, dass Untersuchungen mit Luminol am Waschbecken in der Küche ergaben, dass dort Blut weggewaschen wurde. Es sah so aus, als hätte jemand lange an der Spüle gestanden und anschließend im Waschbecken und auch außen an der Küchenzeile Blut weggewischt. Man fand auch blutige Fußabdrücke vor dem Waschbecken, die auf Darlie zurückzuführen waren. Deswegen ging man davon aus, dass sie die Person war, die am Waschbecken gestanden und das Blut weggewischt hat.

Vielleicht wollte sie nur ihre Wunden versorgen. Aber warum sollte sie das Blut ordentlich wegmachen, wenn im Nachbarzimmer ihre Kinder verbluten? Die Theorie der Polizei war daher die, dass sich Darlie dort selbst ihre Schnittverletzungen zufügte und das Blut ins Waschbecken fließen ließ. Weitere Blutspuren der beiden Jungen fand man am Türknauf zu der Garage, durch die der Einbrecher angeblich geflohen sein soll. In der Garage selbst wiederum fanden sich keinerlei Blutspuren, was merkwürdig war, da der Mann durch ein Fenster geflüchtet sein soll und man davon ausgehen kann, dass er dabei irgendetwas in der Garage berührt hat.

Denn durch den blutigen Türknauf kann man davon ausgehen, dass er Blut an den Händen hatte. An dem Fenster in der Garage befand sich ein robustes Fliegengitter, welches zerschnitten wurde, wahrscheinlich damit man dadurch ins Hausinnere oder aus dem Haus hinaus gelangen konnte. Andere Einbruchsspuren gab es nicht. Wäre das Fliegengitter von außen von dem Täter zerschnitten worden, würde das implizieren, dass er doch ein Messer dabei hatte. Allerdings stammte die Tatwaffe, also das Küchenmesser, aus der Küche der Routiers.

Tatsächlich passte die Schnittstruktur aber nicht zu der Tatwaffe, sondern deutete auf ein Messer mit einer gezackten Klinge hin. Als alle Messer im Messerblock der Routiers untersucht wurden, fand man ein Brotmesser in einer Schublade, dessen Klinge zu dem Schnittmuster passte. Bei einer gründlichen Untersuchung fand man an dem Brotmesser auch kleine Textilfasern, die zu dem Stoff des Fliegengitters passten. Da das Netz allerdings von außen zerschnitten wurde, müsste das bedeuten, wenn es einen Einbrecher gab, dass sich dieser irgendwie anders Zugang zum Haus verschaffte, das Brotmesser aus der Küche holte, raus ging, das Fliegengitter zerschnitt, so ins Haus stieg, dann das Brotmesser zurück in den Messerblock steckte, nur um sich ein anderes Küchenmesser zu holen und damit Devon und Damon zu töten.

Ich denke, ich muss nicht betonen, dass dieser Ablauf völlig unrealistisch ist. Auch der Tatort und Darlies Verhalten beim Eintreffen der Polizei rückten die Mutter zunehmend in ein schlechtes Licht. Die umgestoßenen Gegenstände wirkten auf die Ermittler inszeniert, als wären sie extra so platziert worden. Und Darlie selbst stand wie versteinert neben der Küchenzeile, während Darin und die Polizisten versuchten ihre Söhne wiederzubeleben. Kurz darauf fragte sie, ob man wisse, ob etwas von ihrem Goldschmuck gestohlen wurde. Natürlich muss man hier erwähnen, dass Darlie selbst auch angegriffen wurde und möglicherweise unter Schock stand, weswegen sie so reagierte, doch die Ermittler fanden Details an der Situation auffällig und verdächtig.

So drückte Darlie die ganze Zeit ein Handtuch auf ihre Halsverletzung, um die Blutung zu stoppen. Auf die Verletzungen ihrer Söhne hatte sie aber keine gelegt. Darlie selbst sagte bei ihrer ersten Vernehmung, dass sie das sehr wohl getan habe. Die Polizisten, die als Erste am Tatort waren, stritten dies aber ab. Es hätte nicht nur keine Handtücher bei den Söhnen gegeben, Darlie habe sogar auf die Aufforderung, welche zu holen, nicht reagiert und regungslos dagestanden. „Einer der Jungen hatte offene Augen und versuchte zu atmen. Ich sagte ihr sie muss ihm helfen. Aber sie tat es nicht.“ Darlie stritt diese Vorwürfe vehement ab und bestand darauf, sehr wohl Handtücher auf ihre Söhne gelegt zu haben.

Daraufhin erfolgte eine Untersuchung aller Handtücher im Haus der Routiers. Auf keinem davon wurde das Blut von Devon und Damon festgestellt. Es könnte auch sein, dass Darlie ihre Wunde nur mit dem Handtuch bedecke, weil sie zuvor damit das Blut an der Spüle weggewischt hatte und eine Ausrede für die Blutflecken auf dem Handtuch brauchte. Also sie hat es sich an den Hals gehalten oder sich vielleicht sogar die Wunde am Hals zugefügt, damit sie das perfekte Versteck für das Handtuch, mit dem sie die Blutspuren, die auf sie als Täterin hindeuten würden, hatte. Ihr Hals. Niemand nahm ihr das Handtuch vom Hals und untersuchte es. Warum auch, sie war ja schwer verletzt.

Die Ermittler überlegten lange, was es für ein Motiv geben könnte, wenn es sich wirklich um einen Einbruch gehandelt hat. Wer würde unbewaffnet einbrechen, nichts stehlen, aber dafür zwei kleine schlafende Kinder mit äußerster Brutalität ermorden? Darlies Schmuck lag offen im Wohnzimmer und auf der Küchenzeile. Aber nichts davon fehlte. Natürlich fehlte der Polizei zunächst genauso ein Motiv dafür, dass Darlie ihre Söhne ermordet hatte. Warum sollte eine liebende Mutter ihre Kinder auf diese Art töten? Doch weil alle Indizien für Darlie als Täterin gesprochen haben, fingen die Ermittler an nach einem Motiv für die Tat zu suchen.

Es dauerte nicht lange, bis sie eins fanden. Es wurden Tagebücher gefunden, die Darlie bereits seit vielen Jahren sorgfältig führte. Diese gaben Hinweise darauf, dass die dreifache Mutter depressiv war. Besonders zu schaffen machte ihr die Schlaflosigkeit, unter der sie seit Drakes Geburt litt. Darin bestätigte, dass Darlie immer wieder depressive Phasen hatte. Aber auch schon vor der Geburt ihres dritten Sohnes. Der erste Tagebucheintrag, der darauf hindeutete, dass es Darlie nicht gut ging, war vom 07. September 1995.

Einem Jahr vor der Tat. In ihm schrieb Darlie Routier Folgendes: „Devon und Damon wachsen schnell und ich sehe, wie ich selbst auch jeden Tag älter werde. Ich bin jetzt im 7. Monat schwanger und wir bringen Drake Routier auf diese Welt. Ich hatte zwei Träume über den Tod in den letzten Monaten. Beide Male wollte ich nicht gehen, aber als ich es dann doch tat fühlte es sich wunderbar an. Man kann es nicht genau beschreiben, aber beide Male fühlte es sich an, als würde ich zu Gott gehen.“

Nur wenig Zeit später, am 01. Oktober 1995 schrieb sie: „Ich liebe Darin wirklich von ganzem Herzen. Aber manchmal fühlt es sich an, als würde etwas fehlen. Ich glaube, dass ich alles habe, was eine Frau sich wünschen kann, aber vielleicht ist es die Aufregung die ich gespürt habe als ich jünger war. Als ich nicht wusste was als nächstes kommen wird. Ich weiß, dass ich viel Verantwortung habe, aber ein bisschen Verrücktheit ab und an würde nicht wehtun. Ich möchte mit Darin alt werden, aber ich möchte nicht, dass dabei ein Teil von mir sterben muss. Ich bin jung und ich will mich auch so fühlen.“

Weitere Einträge deuteten darauf hin, dass Darlie mit ihrem Körper sehr unglücklich war. Das Älterwerden sowie die Veränderungen durch die Schwangerschaften machten ihr zu schaffen. Darlie nahm außerdem sehr viele Diätpillen, da sie zugenommen hatte und darunter ebenfalls sehr litt. Dazu schienen die verstärkten Geldprobleme Darlie große Sorgen zu bereiten. Konnte das der Grund dafür sein, dass eine Mutter solch einer grausamen Tat begeht? Zu diesem Zeitpunkt zweifelten noch viele an Darlies Schuld. Ein Video, das kurz darauf auftauchte, sollte das aber ändern.

Das Geburtstagsvideo

Die Medien waren sehr interessiert an dem tragischen Schicksal der Routiers. So kam es dazu, dass ein Kamerateam filmte, wie Darlie und ihre Familie acht Tage nach dem grausamen Mord an Devons Grab fuhren. Es war der Tag seines siebten Geburtstages. Seine Familie hatte das Grab des Jungen mit Luftballons geschmückt. Im Video konnte man sehen, wie Darlie Happy Birthday singt und im Anschluss am Grab ausgelassen feiert und Luftschlangen aus der Dose versprühte. Darlie wollte Devons Geburtstag für ihn gebührend feiern. Doch der Eindruck, der durch dieses Video entstand, war ein anderer. Darlie trauerte nicht, sie alberte rum, scherzte und wirkte fröhlich und ausgelassen. Verhielt sich so eine Frau, die nur acht Tage zuvor ihre sterbenden Söhne in den Armen hielt? Gemeinsam mit den anderen Indizien gab es zu viele Hinweise, die für Darlie als Täterin sprachen. Und so wurde sie, vier Tage nach dem Geburtstagsvideo und 12 Tage nach der Tat selbst, verhaftet.

Die Anklage

Darlie beharrte die ganze Zeit auf ihrer Unschuld. Auch noch bei ihrer Anklage am 06. Januar 1997. Darlie wurde von den Anwälten als verwöhnte und reiche Narzisstin betitelt, die ihre Kinder aufgrund der Geldprobleme ermordete. Neben den bereits oben genannten Beweisen brachten sie an, dass die Routiers einen Kredit beantragt hatten, um ihre Schulden zu tilgen und das Haus halten zu können. Doch dieser wurde genau einen Tag vor dem Mord abgelehnt.

Auf ihre beiden Söhne liefen allerdings zwei Lebensversicherungen, die mit jeweils 5.000 US-Dollar gedeckt waren. Barbara Jovell, eine Freundin von Darlie, hatte am 05. Juni, also dem Tag vor dem Mord, einen Streit zwischen Darin und Darlie mitgehört. Darin beklagte sich Darlie, dass es mit den Geldproblemen so nicht weitergehen könne. Sie warf Darin vor seinen Job als Versorger nicht mehr zu erfüllen und dass er schuld sei, dass sie nun ihr Boot und eines der Autos verkaufen müssten.

Das Motiv für Darlies Tat wäre also zum einen die Wut Darin gegenüber gewesen sowie die Geldprobleme. Darlie war sehr gläubig. Eventuell dachte sie, dass es ihren Kindern bei Gott besser gehen würde als in einer Zukunft mit großen Geldsorgen. Eine Freundin von Darlie sagte sogar aus, dass diese ihr erzählt habe, sie hätte einen Abschiedsbrief geschrieben, wäre aber nicht fertig geworden, da Darin reinkam. Und tatsächlich fand man in Darlies Tagebuch neben den oben erwähnten Beiträgen einen vollständigen Abschiedsbrief, den sie einen Monat vor dem Mord verfasst hatte. Darin schrieb sie: „Ich hoffe, dass ihr mir eines Tages vergeben werdet für das, was ich machen werde. Mein Leben war nun für eine lange Zeit ein harter Kampf und ich kann nicht mehr die Kraft aufbringen, um weiterzukämpfen. Ich liebe euch drei mehr als alles andere auf dieser Welt… ich möchte nicht, dass ihr immer, wenn ihr mich anseht eine unglückliche Person seht. Euer Vater liebt euch alle sehr und ich weiß in meinem Herzen, dass er sich gut um euch kümmern wird. Bitte hasst mich nicht oder denkt, dass ihr irgendwie Schuld haben könntet. Nur ich habe Schuld.“

Weitere Freunde der Familie bestätigten, dass Darlie in den letzten Monaten suizidal war. Auch das Geburtstagsvideo an Devons Grab wurde vor Gericht abgespielt und trug maßgeblich zum Urteil bei. Darlie wurde schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Ihr Mann Darin glaubt bis heute an ihre Unschuld. Das Urteil und Darlies Schuld wurden mehrfach neu verhandelt. So dass Darlie noch heute auf die Ausführung ihrer Todesstrafe wartet. Schuldig gesprochen bleibt sie dennoch und ein milderes Urteil bekam sie ebenfalls nicht.

Der Fall könnte an dieser Stelle zu Ende sein. Doch ist es wirklich so einfach, wie es scheint? An dieser Stelle gibt es eigentlich kaum einen Zweifel daran, dass Darlie die Tat begangen hatte. Doch sie beteuert ihre Unschuld bis heute. Und einige Menschen glauben ihr. Und das ist nicht nur ihrer überzeugenden Art geschuldet. Vielmehr gibt es auch einige Hinweise, die ich euch bisher vorenthalten habe, die für einen Einbruch und gegen Darlie als Täterin sprechen.

Hinweise für einen Einbruch

Die Geschworenen gaben nach der Urteilsverkündung an, maßgeblich von dem Geburtstagsvideo von Devons Grab beeinflusst worden zu sein. Denn sie sahen nur die Szenen, in denen Darlie in die Kamera lächelte, Luftschlangen sprühte und ausgelassen feierte. Was nicht gezeigt wurde, waren die Szenen zuvor. Das Kamerateam hatte Darlie schon lange davor begleitet. Es gab Gedenkminuten und sie las Verse aus der Bibel vor. Es gab eine Trauerfeier und an deren Ende wollte Darlie ihrem Sohn zuliebe fröhlich sein und seinen Geburtstag so feiern, wie er es sich gewünscht hätte. Darlie selbst sagte zu dem Video: „Er wollte sieben werden. Ich habe das Einzige getan, was ich konnte, um ihn zu ehren und ihm all seine Wünsche zu erfüllen, weil er nicht mehr hier war. Aber woher weißt du, was du tun wirst, wenn du zwei Kinder verlierst? Woher weißt du, wie du dich verhalten wirst?“

Außerdem habe ich zwar eingangs gesagt, dass es keine fremden Fingerabdrücke im Haus gab, doch das ist nicht eindeutig geklärt. So gab es auf dem Tisch im Wohnzimmer sehr wohl einen blutigen Fingerabdruck, der keinem der Routiers oder der Ermittler zugeordnet werden konnte. Nur war dieser sehr verwischt, weswegen man nicht mit 100%iger Sicherheit sagen konnte, dass er nicht vielleicht doch jemandem aus der Familie gehörte. Es wäre jedenfalls sehr außergewöhnlich, wenn der Täter nur einen einzelnen Fingerabdruck und sonst keinerlei DNA hinterlassen hätte.

Was auch oft kritisiert wurde, waren die oberflächlichen Verletzungen von Darlie. Dabei waren die bei genauerer Betrachtung gar nicht so oberflächlich. Die Halsverletzung traf die Hauptschlagader. Wäre der Schnitt nur zwei Millimeter tiefer gewesen, wäre Darlie binnen weniger Minuten verblutet. Es war sehr unwahrscheinlich, dass sie sich den Schnitt selbst zugefügt hatte. Außerdem wirkten die Schnitte und Hämatome an ihren Armen eindeutig wie Abwehrverletzungen und als diese untersucht wurden, gab es keine Zweifel daran, dass ihr diese von einer dritten Person zugefügt wurden.

Ein wichtiger Punkt, den man zu Darlies Gunsten auslegen konnte, waren die blutigen Socken, die man in einer Mülltonne in der Nähe des Hauses fand. Es befand sich Blut an ihnen, aber wann hätte Darlie diese dort hinbringen sollen? Sie wurde von niemandem dabei gesehen und Damons Autopsie ergab, dass dieser noch ziemlich genau neun Minuten lang gelebt hatte, nachdem man ihm seine Stichverletzungen zufügte. Darlie telefonierte mit dem Haustelefon insgesamt sechs Minuten lang mit dem Notruf. Noch während sie telefonierte, traf bereits die Polizei ein. Nach dem Eintreffen der Polizei lebte Damon noch weitere drei Minuten lang.

Wenn die Autopsieergebnisse stimmten, wäre es für Darlie also unmöglich gewesen die Socken rechtzeitig in die 70 Meter entfernte Mülltonne zu schmeißen und zurück zum Haus zu laufen. Zumal ihr eigenes Blut auch nicht an den Socken war oder unterwegs gefunden wurde, weswegen sie sich im Anschluss also noch hätte selbst verletzen müssen. Auch Darin konnte es nicht getan haben. Zum einen fand man seine DNA nicht an den Socken und zum anderen hörte man ihn während Darlies Telefonat die meiste Zeit im Hintergrund.

Und auch das Argument, Darlie könnte ihre Söhne aufgrund ihrer Lebensversicherungen getötet haben, war einfach zu entkräften. Die Lebensversicherungen beliefen sich auf insgesamt gerade mal 10.000 Dollar. Darin allerdings hatte auch eine Lebensversicherung und diese belief sich auf 800.000 Dollar. Wenn Darlie so große Geldsorgen gehabt hätte, dann hätte sie vermutlich eher ihren Mann als ihre Kinder getötet. Auch die außerordentliche Brutalität, mit der der Täter vorging, sprach dagegen, dass Darlie ihre geliebten Kinder aus Geldsorge heraus getötet hatte.

Die Fasern, die man an dem Brotmesser der Routiers fand, wurden noch ein weiteres Mal abgeglichen. Und dieses Mal fiel auf, dass der Stoff zu zahlreichen Materialien hätte passen können. Er musste also nicht unbedingt von dem Fliegengitter stammen. Eventuell war der Täter also doch bewaffnet gekommen und in das Haus eingedrungen. Doch um möglichst wenig Spuren zu hinterlassen, griff er auf ein Messer aus dem Haus der Opfer als Tatwaffe zurück.

Ein weiteres Indiz, das gerne vergessen wurde, waren verschiedene Zeugenaussagen. So hatte Darlie den Einbrecher recht detailliert beschreiben können und ein Zeuge will einen Mann mit den gleichen äußerlichen Merkmalen in der Tatnacht nur wenige hundert Meter vom Haus der Routiers gesehen haben. Außerdem gaben mehrere Zeugen an, dass bereits die Tage zuvor immer wieder ein schwarzes Auto durch die Straße, in der die Routiers lebten, gefahren ist. Es war ihnen aufgefallen, weil es immer sehr langsam fuhr und die Anwohner Angst vor einem Einbruch bekamen.

Dass Darin und Darlie sehr vermögend waren, war auch allseits bekannt. Schließlich hatten sie immer wieder höhere Summen verschenkt und man konnte es natürlich auch an dem luxuriösen Haus und den Autos erkennen. Sie wären also ein nachvollziehbares und leichtes Ziel für einen Einbruch gewesen. Und ein Einbrecher konnte nicht ahnen, dass ausgerechnet in dieser Nacht drei der Familienmitglieder im Erdgeschoss übernachteten. Vielleicht wurde einer der Jungen wach und so sah sich der Mann, der eigentlich nur etwas Schmuck klauen wollte, plötzlich genötigt einen Mord zu begehen.

Mary Rickles, eine Frau, die nur wenige Straßen entfernt von den Routiers wohnte, gab an, dass in der Tatnacht zwei Männer vor ihrem Haus gestanden und in die Fenster geschaut haben. Als sie Mary bemerkt hätten, wären sie schnell davongelaufen. Einer der beiden passte zu Darlies Täterbeschreibung. Und auch die Uhrzeit passte. Nur wenig Zeit nach dem Vorfall bei Mary ging der Notruf aus dem Haus der Routiers bei der Wache ein.

Immer verdächtigte man nur Darlie. Aber was war mit Darin? Dieser sollte angeblich oben friedlich geschlafen haben, während Darlie die gemeinsamen Kinder umbrachte. Erst als Darlie weinend den Notruf wählte, wäre dieser aufgewacht und hinuntergeeilt. Er wurde auch dann nicht verdächtigt, als bekannt wurde, dass er im Frühjahr 1996 mehreren Freunden erzählt habe, dass er jemanden bezahlen wolle, der so tun sollte, als würde er bei ihnen einbrechen und Sachen klauen. So wollte er sich Geld von den Versicherungen erschleichen.

Darlies Anwalt war auch der Anwalt von Darin und vertrat ihn noch in weiteren Prozessen, was vermutlich der Grund dafür war, warum dieser nie versuchte die Schuld von seiner Mandantin auf ihren Ehemann zu übertragen. Darlie und Darin sind mittlerweile zwar geschieden und Darin ist neu verheiratet, doch er stand und steht hinter seiner Exfrau und beteuert weiterhin ihre Unschuld. Warum tat er das, wenn die Beweise doch so eindeutig gegen sie sprachen? Steckte er mit Darlie unter einer Decke? Ihr erinnert euch sicher an die unangebrachten Äußerungen von Darin, als die Polizei eintraf. Verhält sich so ein unschuldiger Vater, dessen Kinder im Nebenraum verbluteten? Oder hielt er vielleicht nur zu Darlie, da die beiden eine Abmachung hatten, dass sie ihn aus dem Mord raushalten würde? Das sind alles Fragen, auf die wir vermutlich nie eine Antwort bekommen werden.

Epilog

Und damit sind wir am Ende des heutigen Videos angekommen. Was denkt ihr zu diesem Fall? Hat Darlie Routier ihre Söhne auf brutalste Art und Weise ermordet? Oder sitzt sie unschuldig im Todestrakt? Derzeit ist noch unklar, wann die Todesstrafe in Darlies Fall vollzogen wird. Eventuell wird es bis dahin noch einmal neue Erkenntnisse geben. Doch die Hoffnung darauf ist relativ gering und die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass sie mit Darlie die Mörderin gefasst haben.

Solltet ihr weitere Theorien zu dem Fall hören wollen, schaut einfach mal bei meinem Podcast „Dunkelkammer“, den ich mit Max von themidnightmansion betreibe, vorbei. Den Link findet ihr in der Videobeschreibung. In unserem Podcast Dunkelkammer haben wir den Fall auch behandelt und bringen mehr unsere eigenen Meinungen ein. So oder so lasst mich gerne wissen, wie ihr über den Fall denkt. Schreibt einen Kommentar oder diskutiert mit auf dem Insolito Discord.

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Quellen

  1. Dunkelkammer Podcast
  2. The Strange Case of Darlie Routier YouTube, 2020
  3. Darlie Routier Wikipedia (englisch)
Fallakte
Orte
Rowlett, Dallas, Lubbock, Texas
Region
Texas
Land
USA
Jahr
1996
Status
Teilweise geklärt
Fallart
Tötungsdelikt, Familie & Partnerschaft, Kinder & Jugendliche, Justiz & Fehlurteil
Personen
Darlie Routier, Darin Routier, Devon, Damon, Drake, David Waddell, Mary Rickles
Lagekarte
Kartendaten: Natural Earth